"Fachkräfte­mangel ist und bleibt das größte Problem"

Ökonom Christoph Schneider über die Ergebnisse des Wirtschaftsbarometers.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • WirtschaftsexpertInnen
  • ProblemlöserInnen

Lesedauer:

2 Minuten

AutorIn: Peter Draxler

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Christoph Schneider

Der aktuelle Fachkräftemangel führt zu einer Verkettung von Negativkonsequenzen, die wir alle zu spüren bekommen, meint Christoph Schneider im MARI€-Interview.

"Im Mai lag die Beschäftigung laut Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder über dem Vorkrisenniveau. Eine Momentaufnahme oder ein Trend, der sich verfestigen wird?"

Christoph Schneider: 
Man darf optimistisch sein, dass der Aufschwung anhält und die Beschäftigung nachhaltig belebt. Unser aktueller Wirtschaftsbarometer gibt Anlass für diese Zuversicht: Mit Blick auf das kommende Jahr wollen 57 % der Unternehmen die Beschäftigung stabil halten und 28 % sogar ausbauen. Damit hat der Anteil, der zusätzliche Mitarbeitende einstellen will, wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht.

 

"Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße bei den Beschäftigungserwartungen?"

Die gute Nachricht zuerst: Die Erwartungssalden zur Beschäftigung liegen für alle Größenklassen im positiven Bereich, auch bei kleinen Unternehmen. Am meisten Dynamik bei Einstellungen erwarten mittelgroße Unternehmen. Besonders optimistisch sind verarbeitendes Gewerbe und Bauwirtschaft. Im verarbeitenden Gewerbe geht dies mit besseren Aussichten auf Auftragslage und Kapazitätsauslastung im Vergleich zu den Dienstleistungsbereichen einher.

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"In welchen Bereichen ist weiter mit steigenden Beschäftigungszahlen zu rechnen und wo sind die Aussichten weniger rosig?"

Insgesamt zeichnet sich über alle Wirtschaftsbereiche eine Stabilisierung ab. Die positivsten Beschäftigungsaussichten haben Unternehmen in der Sparte Information und Consulting. Dies kann als Hinweis auf steigende Digitalisierungs- und Beratungsintensität gewertet werden. Wenig optimistisch blicken derzeit noch die Unternehmen aus der Beherbergung und Gastronomie sowie aus dem Kfz-Handel und -Reparatur in die Zukunft. Herausfordernd bleibt die Situation in den nächsten Monaten auch noch für Unternehmen, die überwiegend personenbezogene Dienstleistungen anbieten.

Der WKÖ-Wirtschaftsbarometer

Der WKÖ-Wirtschaftsbarometer ist die größte Umfrage der gewerblichen Wirtschaft und wird halbjährlich durchgeführt. An der aktuellen Umfrage im Mai 2021 beteiligten sich 5.835 Unternehmen. Alle Details dazu findest du auf wirtschaftsbarometer.at

"Trotz der steigenden Zahl an offenen Stellen klagen die heimischen Unternehmen über einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Wie verbreitet ist der Fachkräftemangel?"

Der Fachkräftemangel ist und bleibt das größte Problem: Bereits 3 von 4 Betrieben sagen, dass dies eine der größten Herausforderungen für sie ist. In besonders hohem Maße aber leiden die Bauwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe und der Handel. Rund 85 % der mittleren und großen Unternehmen geben an, dass der Fachkräftemangel auch weiterhin die größte Herausforderung darstellt. Das ist ein veritables Wachstumshemmnis. Umso wichtiger ist es, da gezielt gegenzusteuern. Verbunden mit der Fachkräftethematik stellen auch die hohen Arbeitskosten für Unternehmen eine Belastung dar.

 

"Hat der Fachkräftemangel auch direkte Auswirkungen auf die Konsumentinnen und Konsumenten?"

 Ja, auf uns alle, als Konsumenten, aber auch Arbeitnehmer. Wenn Unternehmen nicht über die geeigneten Fachkräfte verfügen, können sie Aufträge nicht annehmen, damit fehlen Produkte und Dienstleistungen auf dem Markt – im In- und Ausland. Das ist natürlich für Kundinnen und Kunden bemerkbar. Und in den Unternehmen selbst fehlt in weiterer Folge der Spielraum, weiter zu wachsen, zu investieren und Jobs zu schaffen. Das trifft potenzielle Arbeitnehmer. Kurz: Fachkräftemangel führt zu einer Verkettung von Negativkonsequenzen, die wir alle zu spüren bekommen.