8 skurrile Steuern

In Österreich und aller Welt: Diese Steuern sind besonders kurios


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Eine Frau zahlt Steuern i
diego_cervo

Beim Erfinden neuer Abgaben waren Staaten und Herrscher schon immer kreativ. Wusstet ihr etwa, dass man in Portugal für gute Aussicht extra zur Kasse gebeten wird?

  • Dachsteuer
    Warum ist die Burgruine Rauhenstein in Baden bei Wien eine Ruine? Aus Steuergründen. Zumindest haben die mitgespielt. Mehrmals in der österreichischen Geschichte wurden Steuern eingeführt, die sich nach der Dachfläche bemaßen, zum Beispiel unter Kaiser Joseph II. im 18. Jahrhundert. Das führte dazu, dass wenig genutzte Gebäude – wie eben alte Burgen – oft abgedeckt wurden, um Geld zu sparen, was den Verfall beschleunigte.

  • Drogendealer-Steuer
    Drogen legalisieren, damit man den Konsum besteuern kann? Das muss doch auch anders gehen, dachte der US-Staat Tennessee und führte 2005 eine Steuer ein, die den illegalen Drogenhandel besteuerte. Wie das? Wer vorher anonym eine Marke löste – zum Beispiel 50 US-Dollar für ein Gramm Kokain –, wurde, wenn er später erwischt wurde, zwar wegen Drogenhandels angezeigt, aber nicht wegen Steuerhinterziehung. Ein Gericht kippte die Steuer aber nach einigen Jahren als verfassungswidrig.

  • Nachtigallensteuer
    Bei Luxussteuern war man in der Geschichte immer wieder besonders einfallsreich, so zum Beispiel im Großherzogtum Hessen, wo man 1853 eine Steuer auf die Haltung von Nachtigallen schuf: 5 Gulden pro Tier. Für pralle Kassen sorgte das allerdings nicht: Nur wenige Bürger hatten einen Vogel und führten die Steuer ab. Im Jahr 1857 wurden gerade einmal 35 Nachtigallen versteuert.

  • Chicken Tax
    Apropos Vogel: Die Chicken Tax der USA ist eine Abgabe auf … leichte Nutzfahrzeuge – was denn sonst? Mit Hendln hat sie aber schon auch zu tun, die waren nämlich der Auslöser: In den 1960ern überschwemmte billiges US-Geflügel die europäischen Märkte, Europa reagierte mit Einfuhrzöllen. Die Vereinigten Staaten revanchierten sich mit Abgaben auf verschiedene Importprodukte aus Europa, wie Erdäpfelstärke, Weinbrand und eben bestimmte Fahrzeuge, was vor allem den VW-Bus traf. Während die anderen Barrieren inzwischen gefallen sind, gilt die 25-prozentige Chicken Tax auf leichte Nutzfahrzeuge bis heute.

  • Schaumweinsteuer
    Der deutsche Reichstag führte sie einst 1902 ein, um die kaiserliche Kriegsflotte zu finanzieren. Warum nicht, dachte man 1914 in Österreich und kopierte sie. 2005 wurde sie bei uns abgeschafft, aber 2014 wieder eingeführt – pünktlich zum hundertsten Jubiläum. Die Kriegsflotte war hier wohl nicht der Grund. Besonders kurios: Die Steuer gilt zwar für Sekt, aber nicht für Frizzante. Denn der hat nicht genug Druck: „Schaumweine sind Trauben- und Obstweine, entweder mit Kohlensäureüberdruck von mindestens 3 Bar bei 20 °C, oder die als Schaumwein aufgemacht sind, d. h. in Flaschen mit einem Schaumweinstopfen, der durch eine besondere Haltevorrichtung befestigt ist.“ Die Sektproduzenten und die Wirtschaftskammer kritisierten die Steuer deshalb seit Jahren – mittlerweile mit Erfolg: 2020 wurde sie wieder auf null gesetzt.

  • Bartsteuer
    Zar Peter I. wollte nach den Eindrücken einer Europareise die russische Gesellschaft modernisieren und nahm dabei die traditionellen Vollbärte ins Visier. Wer seinen Bart behalten wollte, musste eine Abgabe zahlen – und wer sich gegen diese weigerte, wurde zwangsgeschoren. Der Zar war allerdings nicht der Einzige mit dieser Steueridee: Bartsteuern sind auch aus dem antiken Lykien, China und Frankreich überliefert.

  • Gute-Aussicht-Steuer
    Einst sorgte die Steuerbemessung nach Anzahl oder Größe der Fenster in vielen Ländern dafür, dass viele Arme ein recht dunkles Zuhause hatten – zum Beispiel im England zu Beginn der Industrialisierung. (Kerzenwachs und Glühbirnen wurden übrigens ebenso besteuert.) Lange Zeit geriet diese Steuerart in Vergessenheit, bis vor einigen Jahren Portugal einen neuen Faktor in die Berechnung der Immobiliensteuer aufnahm: Bei guter Aussicht werden seit 2016 bis zu 20 Prozent aufgeschlagen. Wer vom Dachgeschoß aus südseitig aufs Meer blickt, wird kräftig zur Kasse gebeten. Im schattigen Erdgeschoß oder mit Blick auf den Friedhof kommt man günstiger weg.

  • Feuerschutzsteuer
    Ein Zweck vieler Steuern ist ja – neben den Einnahmen für den Staat – der gewünschte Lenkungseffekt: Die Branntweinsteuer soll uns vom exzessiven Alkoholkonsum abhalten, die Mineralölsteuer macht Spritschleudern unattraktiv und die Feuerschutzsteuer … soll uns davor bewahren, uns gegen Brandschäden zu versichern? Nein, Lenkung ist hier wohl nicht der Gedanke, hier geht es nur um die Einnahmen. In Österreich ist sie ein Bestandteil der Prämie von Feuerversicherungen und fließt zweckgebunden ins Feuerwehrwesen. 

"Taxman" - The Beatles