Nach zwei Jahren Pandemie steigt die Kauflust wieder

Wirtschaftsforscher rechnen 2022 mit einem kräftigen Anstieg.


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AutorIn: Stephanie Dirnbacher-Krug

Frau mit Maske beim Einkaufen i
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Nach dem Einbruch durch Corona erholt sich der Konsum, es ist jedoch nicht so wie früher.

Corona hat das Konsumverhalten der Österreicherinnen und Österreicher stark erschüttert: Im ersten Pandemiejahr 2020 ist der reale private Konsum in Österreich im Vergleich zu 2019 um 8,5 % gesunken. Für heuer rechnen die Wirtschaftsforscher allerdings wieder mit einem kräftigen Ansteigen der Haushaltsausgaben. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) ging Ende 2021 für 2022 von einem Wachstum um 6,3 % aus. Dieser Aufwärtstrend zeichnete sich bereits 2021 ab. Da haben die Österreicherinnen und Österreicher vor allem wieder mehr für dauerhafte Güter wie Möbel oder IT-Geräte ausgegeben.

Nachholeffekte und Steuerentlastung

Die zwei Wachstumstreiber des Konsums sind:

  • Abbau der Ersparnisse: Die Lockerung der Einschränkungen führt auch zu einem Ende des Zwangssparens. Dieses hat die heimische Sparquote 2020 auf ein 25-Jahres-Hoch von 14,4 % katapultiert.  Die Österreichische Nationalbank schätzt die Überschuss-Ersparnisse in Summe auf elf Milliarden Euro. Es ist zu erwarten, dass Konsumentinnen und Konsumenten mit einer sukzessiven Auflösung dieser Ersparnisse ab 2022 verschobene Käufe nachholen.
     
  • Steuerreform: Auch die Steuerreform wird sich positiv auf die Ausgabenbereitschaft auswirken. Mit Tarifsenkungen, einem höheren Familienbonus und Kindermehrbetrag sowie der Senkung des Krankenversicherungsbeitrags für niedrige Einkommen entlastet sie die privaten Haushalte in Summe um 2,8 Milliarden Euro im Jahr 2022, bis 2026 um sieben Milliarden Euro.

Unsicherheit bremst Aufschwung

Trotz der Erholung der Nachfrage wird es bis zur vollständigen Rückkehr zum Konsumverhalten vor Covid-19 noch dauern. Denn die durch die Pandemie ausgelöste Vertrauenskrise ist längst nicht überstanden. Ende 2021 sackte das Verbrauchervertrauen sogar wieder massiv ab, in den USA unter den Wert des Tiefstands von 2020. Seit Jahresbeginn 2022 hat sich in Österreich die Lage zumindest ein wenig gebessert, Konsumentinnen und Konsumenten halten die Zeit jedoch weiterhin für ungünstig, um Anschaffungen, vor allem von größerem Ausmaß, zu tätigen.

Regionale Produkte gewinnen

„Die Corona-Krise hat die größere Zäsur im Konsumentenverhalten ausgelöst als die Finanzkrise“, so Andrea Fronaschütz, Geschäftsführerin des Österreichischen Gallup Instituts. Die Pandemie hat nämlich an dem auf der Globalisierung beruhenden Wirtschaftsmodell gerüttelt. 2020 gaben in einer Umfrage des Gallup Instituts immerhin 84 % der Befragten an, beim Kauf künftig stärker auf Regionalität achten zu wollen. Im Laufe der Pandemie hat sich auch eine Verlagerung des Konsums von Dienstleistungen hin zu Gütern gezeigt. Für Unternehmen bringen diese Entwicklungen gleichsam Risiken wie neue Chancen mit sich.