99 Problems But Entrepreneurs Ain’t One

Keine Entrepreneurship Education? Gute Nacht, Österreich!


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Entrepreneure
  • WeiterdenkerInnen

Lesedauer:

Minuten

KolumnistIn: Kambis Kohansal Vajargah

Kambis Kohansal Vajargah i
wko

Kambis Kohansal Vajargah

Entrepreneurship Education – das Modewort schlechthin…oder doch mehr?

Immer wieder höre ich in Gesprächen, wie unser aktuelles Bildungssystem in seiner Basis nicht fördernd, gar destruktiv für viele unserer Talente letztendlich ist. Die Super-Formel scheint bis dato nicht gefunden worden zu sein (auch wenn der eine oder andere das behauptet). Dieser Beitrag dient aber nicht dazu, dem aktuellen Bildungssystem eine fünf auszustellen, sondern vielmehr konstruktiv unsere aktuellen Schwächen zu unseren Stärken zu machen. Und das eben über Entrepreneurship Education.

Der Status Quo

Was ist überhaupt Entrepreneurship Education? Laut dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung verstehen wir darunter erstens, die Entwicklung eigener Ideen und zweitens, das Lernen jener Kompetenzen um genau diese Ideen umzusetzen. Wer Unternehmer*in ist, weiß, dass Erfolg und Misserfolg letztendlich auch von der Umsetzung abhängig sind.

Hierfür braucht es Bildungsmaßnahmen, die unternehmerische Werte und das dazugehörige Mindset in Menschen wecken, mit denen sie Unternehmungen gründen und später führen können. Es gibt sogar ein eigens entwickeltes Modell, das TRIO-Modell, das drei wesentliche Ebenen umfasst (Quelle: BMBWF): 

  • Core Entrepreneurship: Lernen von Kernkompetenzen unternehmerischer und beruflicher Selbstständigkeit sowie für die eigenständige Lebensführung. 
  • Entrepreneurial Culture:  Förderung einer Kultur der Selbstständigkeit, Offenheit für Neuerungen, Nachhaltigkeit und Kommunikationskultur.
  • Entrepreneurial Civic Education: Stärkung einer Kultur der Mündigkeit, Autonomie und Verantwortung für gesellschaftliche Herausforderungen

Mehr Gründer*innen braucht das Land

Mit dem Programm der  “YouthStart Entrepreneurial Challenges“ haben wir basierend darauf auch schon ein Lernprogramm, das quer über alle Jahrgänge und Unterrichtsfächer, beginnend mit der Primarstufe, eingesetzt werden kann. In den Jahren 2023/2024 werden wir zum ersten Mal österreichweit Entrepreneurship Education in unseren Lehrplänen verankert haben, zumindest schon einmal in den Oberstufen. Good News, oder?

Die aktuellen Gründerzahlen sind auch so hoch wie noch nie (Zum ersten Mal bei über 32.000), aber reicht das aus, um in einer immer stärker werdenden multipolaren Weltgemeinschaft innovativ zu bleiben? Zum Vergleich: In puncto technologiebasierte Gründungen sind wir bei etablierten Unternehmer*innen gut aufgestellt und bei Jungunternehmer*innen im vorderen Drittel der innovationsbasierten Ländern (hinter Kanada, Estland und Australien, Quelle: GEM 2018).  

Deutliche Schwächen haben wir jedoch beim Unternehmensprofil der Startups, die technologisch gesehen am stärksten Branchen und Industrien nachhaltig verändern und dadurch die technologischen Benchmarks unserer Zukunft setzen. Hier sind wir weltweit auf Platz 28 von 100 gereihten Ländern, was nicht gut genug für uns sein kann (Quelle: StartupBlink). Ein ähnliches Bild sehen wir bei universitären Spin-Offs: bei 376.000 Studierenden an Universitäten und Fachhochschulen und jährliche Investitionen in der Höhe von 12,7 Milliarden Euro bei F&E haben wir 2019 einen Output an 19 Spin-Offs erzielt. Ganze 19! 

Wie wichtig Startups als Motor für den europäischen Arbeitsmarkt sind, zeigt eine Studie von dealroom, sifted, European Startups: bei aktuell 1,5 Millionen Jobs im Umfeld von Startups wird sich in den kommenden fünf Jahren diese Zahl auf mehr als 3,2 Millionen verdoppeln.