„Teilweise ist Kenia weiter als Österreich“

Einblicke in die Silicon Savannah, den Technologie-Hotspot Nairobi.


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  • ExporteurInnen

Lesedauer:

4 Minuten

AutorIn: Gerhard Meszaros

Edith Predorf i
WKÖ

Edith Predorf

Wer in Afrika Geschäfte machen will, bekommt es mit Konkurrenz aus China zu tun, sagt Edith Predorf. Und rät heimischen Unternehmen deshalb zu frugaler Innovation.

Hier ist es einfach, altmodisch rüberzukommen: „Wenn man statt mit dem Smartphone mit der Karte zahlen will, wirkt das schon umständlich“, sagt Edith Predorf. Die WKÖ-Wirtschaftsdelegierte leitet nicht etwa das AußenwirtschaftsCenter in Los Angeles oder in Shanghai. Sondern jenes in Nairobi. Die Hauptstadt Kenias ist zugleich Geburtsort der ersten großen Tech-Innovation Afrikas: Bereits 2007 entstand hier mit M-Pesa ein System, um via Handy Geld zu überweisen – lange vor Apple Pay & Co. Seitdem hat in Nairobi ein regelrechter Start-up-Boom stattgefunden, mit dem Ergebnis, dass die Metropolregion heute den Spitznamen „Silicon Savannah“ trägt. „Es gibt Bereiche, wo Kenia viel weiter ist als Österreich“, so Predorf.

"Welche Chancen bieten sich in Ostafrika für österreichische Unternehmen?"

Edith Predorf:
Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen dem Know-how, das in Österreich vorhanden ist, und den Bedürfnissen der Menschen hier in Ostafrika. Dabei setzen wir vor allem auf frugale Innovation. Die Devise lautet also: Nicht einfach etwas, das es in Österreich schon gibt, auch nach Kenia liefern. Sondern etwas Neues entwickeln, das auf die Bedürfnisse hier maßgeschneidert ist. Gefragt ist in Ländern wie Kenia nicht die eierlegende Wollmilchsau, das Produkt mit einem noch größeren Leistungsumfang, sondern der Fokus auf das Wesentliche.

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"Dieser Fokus auf das Wesentliche bringt schlanke und vor allem kostengünstige Lösungen. Die sind in Kenia wohl deshalb gefragt, weil es sich um ein Entwicklungsland mit einem kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf von gerade mal 3.500 US-Dollar handelt?"

Von einem Entwicklungsland sollte man nicht sprechen. Erstens ist Kenia laut Weltbank bereits ein „lower-middle income country“, außerdem reagieren die Menschen teilweise sensibel auf diese Bezeichnung. Tatsächlich sind günstige Angebote vor allem deshalb wichtig, um sich gegen die starke internationale Konkurrenz durchsetzen zu können. Unter anderem sind chinesische Firmen in Afrika sehr aktiv und bieten Maschinen, Straßen, Dämme usw. um mindestens ein Drittel billiger an als Europäer. Zumindest auf den ersten Blick, denn bei einer längerfristigen Kalkulation, die auch Ausfallzeiten, Qualität usw. berücksichtigt, sieht es oft anders aus. Die Kenianer achten jedenfalls sowohl auf die Qualität als auch den Preis.

 

"Wie stark sind österreichische Unternehmen in Ostafrika bereits aktiv?"

Noch zu wenig. Andritz liefert schon seit 1963 Turbinen für Wasserkraftwerke, andere Unternehmen sind im Infrastrukturausbau oder in der Ausstattung des Gesundheitswesens aktiv. Aber gerade mal zwei Prozent der österreichischen Exporte gehen nach Afrika. Dabei gibt es im „Silicon Savannah“ sehr viel Potenzial – gerade für ein Land wie Österreich, das in vielen Technologie-Bereichen zur Weltspitze zählt.

 

"Was hat Sie in Kenia besonders beeindruckt?"

Mich fasziniert vor allem die Offenheit der Leute, das habe ich so noch nirgends erlebt. Wenn du sagst: „Ich habe da eine neue Idee, ein neues Produkt“, dann will es jeder sofort ausprobieren. In Österreich hört man manchmal eher: „Das haben wir bisher auch nicht gebraucht …“ Ich glaube, dass diese Mentalität den Kenianern sehr viel gebracht hat und zu einem wesentlichen Teil den Start-up-Boom der vergangenen Jahre erklärt.