Das Zauberwort ist Flexibilität

Die Novelle des Arbeitszeitgesetzes vor drei Jahren kam gerade rechtzeitig, meint Rolf Gleißner.


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KolumnistIn: Rolf Gleißner

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Rolf Gleißner

Vor genau drei Jahren haben sich die Spielräume in der Arbeitszeit erweitert. Zum Glück rechtzeitig vor der Corona-Pandemie.

Seit der Verkündung des ersten Lockdown am 13. März 2020 durchlebt die Arbeitswelt eine Achterbahnfahrt aus Höhen und Tiefen, Stop and Go. Die Fahrt ist noch nicht vorbei, Beschränkungen kommen und gehen, Lieferketten reißen. Dennoch hat die Wirtschaft das Niveau vor Covid schon wieder erreicht. Neben vielen Unterstützungen ist das Zauberwort Flexibilität – örtliche Flexibilität mit dem Wechsel ins Homeoffice, aber auch zeitliche Flexibilität.

Nie waren die Spielräume, die 2018 im Arbeitszeitgesetz geschaffen wurden, nötiger als in der Covid-Zeit:  Der Lebensmittelhandel brauchte sie zur Versorgung der Menschen. Die Pharmaindustrie brauchte sie zur Produktion von Impfstoff. Die Industrie brauchte sie, um Produktionsrückstände aufzuholen. Lohnverrechnerinnen und Steuerberater brauchten sie, um Förderungen abzuwickeln, Kammermitarbeiter, um zu beraten und vieles mehr. Der neue 12 Stunden-Rahmen und die vier „Freischüsse“ an Wochenenden und Feiertagen machten es möglich. Und auch wenn Covid-19 bewältigt ist: Die moderne Arbeits- und Wirtschaftswelt bringt mehr Schwankungen und Überraschungen als früher, die Flexibilität erfordern.

Hat sich die Arbeitszeit seit der Arbeitszeitgesetznovelle 2018 verlängert, wie es manche Politiker heraufbeschworen haben? Statistisch klar nein, auch wenn Covid Belastungen brachte: 2018 und 2019 war die tatsächliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten wie in den Vorjahren stabil 39,5 Stunden, 2020 sank sie sogar – bedingt durch Krise und Covid - auf 37,5 Stunden. Wir sind damit im EU-Mittelfeld. Bei der gern zitierten normalen Wochenarbeitszeit liegen wir zwar höher, sie berücksichtigt aber nicht die überdurchschnittlich vielen Urlaubs- und Feiertage der Österreicher. Auch die Zahl der Überstunden stieg durch den erweiterten Spielraum in der Arbeitszeit nicht und brach 2020 massiv ein.

Also: Hätte man die Arbeitszeit nicht 2018 flexibilisiert – spätestens für Covid-19 hätte man es machen müssen.