Der schmale Grat

Christoph Schneider über den durch Corona verursachten Strukturwandel


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • WirtschaftsexpertInnen
  • WissenschaftlerInnen

Lesedauer:

3 Minuten

KolumnistIn: Christoph Schneider

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Christoph Schneider

Corona wird uns nachhaltig verändern. Unser Leben wird sich anders gestalten, Gesellschaft und Wirtschaft werden nach der Bewältigung dieser Krise nicht mehr dieselben sein wie zuvor. Das bedeutet aber auch, dass wir veränderte Rahmenbedingungen brauchen. Aber welche? Ein schmaler Grat zwischen Wahrung und Wandel der Strukturen.

Der Strukturwandel wird durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie befeuert. Grenzen zwischen Branchen verschwimmen, der Dienstleistungsbereich wächst weiter, neue Geschäftsfelder und Wertschöpfungsketten werden entstehen. Unsere Betriebe werden auf die ebenfalls veränderten Kundenwünsche mit neuen Ideen, Produkten und Dienstleistungen reagieren. Neue Chancen für Innovationen tun sich auf. So sehen wir zum Beispiel gerade einen Zuwachs bei den Online-Vertriebsmöglichkeiten, aber auch in regionalen Vermarktungsformen.

Unternehmen werden sich vermehrt reorganisieren, neu aufstellen und noch mehr damit befassen, wie sie digitale Technologien optimal nutzen können, um die bekannten und noch unbekannten Bedürfnisse der Menschen zu stillen. Denn der digitale Wandel hat durch die Corona-Pandemie noch mehr an Dynamik gewonnen.


Was die Unternehmen dazu brauchen, ist einerseits Mut zum Risiko und zur Veränderung. Um den zu fassen, brauchen sie andererseits aber Handlungsspielraum und Sicherheit. Dies entsteht aus der Notwendigkeit für neuen Freiheiten und den Zugang zu neuen Ressourcen und neuen Märkten. Und hier kommt die öffentliche Hand ins Spiel.  

In den letzten Monaten war der Fokus der Politik klar darauf gerichtet, Gesundheit zu sichern und gesellschaftliche Schäden so gut wie möglich einzudämmen und Akuthilfe zu leisten, damit Betriebe überleben und Beschäftigung erhalten können. In den nächsten Monaten wird die Herausforderung darin bestehen, weg von der Ersten Hilfe hin zu einer Begleitung und Stärkung zu kommen.  

Aber was hilft wann am besten? Wo stützen und halten, wo loslassen?

Es ist ein schmaler Grat zwischen Konservierung der bestehenden Strukturen und kreativen, neuen Optionen. Flexibel und situationsabhängig müssen Unterstützungsmaßnahmen in nächster Zukunft sein, schreibt auch die OECD in einer aktuellen Analyse.

Denn einerseits braucht es Konjunkturmaßnahmen, damit der Wirtschaftsmotor bald wieder brummt und sich die Arbeitslosigkeit nicht verfestigt. Andererseits brauche es aber auch mutige regulatorische Veränderungen, die neue Freiräume schaffen, Investitionen lostreten und den Boden bereiten für Innovation, Digitalisierung und neuen Wohlstand.

Es war noch nie schwieriger, auf diesem schmalen Grat zu balancieren wie jetzt. Was auf jeden Fall dabei hilft, ist, den Blick aufs Wesentliche zu fokussieren: Wenn wir die Substanz unserer Betriebe stärken, stärken wir den ganzen Standort und Gesellschaft.