So wirkt sich der Lockdown auf die Mobilität aus

Die Analyse der Daten aus der ersten Lockdown-Woche.


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Frau am Bahnsteig i
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Aktuelle Daten zeigen: Der mobilitätssenkende Effekt sinkt von Lockdown zu Lockdown. Aktuell nimmt die Mobilität der Bevölkerung stark ab, allerdings weniger deutlich als es im ersten Lockdown im März 2020 der Fall war.

Lockdowns haben Auswirkungen auf die Mobilität und wirtschaftliche Aktivität. Um Veränderungen in den Bewegungsmustern und im Einkaufsverhalten der Bevölkerung im Verlauf der Pandemie zu betrachten, können Daten auf Basis des Standortverlaufs von Handynutzern herangezogen werden. Google Mobility stellt derartige Daten in aggregierter Form bereit.

Das Mobilitätsverhalten in der Woche vom 22. bis 26. November 2021 zeigt Folgendes: 

  • Die Mobilität sank in der ersten Woche des aktuellen Lockdowns deutlich im Vergleich zur Vorwoche und im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum. Der Rückgang war viel stärker als es während des Lockdowns für Ungeimpfte der Fall war, allerdings weit weniger stark als während des ersten Lockdowns im März 2020. Gewisse Abnutzungserscheinungen werden von Lockdown zu Lockdown sichtbar.
  • Der aktuelle Lockdown senkte die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln erheblich. Die Nutzungsfrequenz lag letzte Woche um 36 Prozent unter den Vorkrisenwerten. Im ersten Lockdown wurde jedoch ein Rückgang um 64 Prozent im Vorkrisenvergleich verzeichnet.
  • Die Anwesenheit am Arbeitsplatz lag letzte Woche um 28 Prozent unter den Vorkrisenwerten, im ersten Lockdown war die Anwesenheit am Arbeitsplatz um 55 Prozent reduziert.
  • In ihren Wohnbereichen befanden sich letzte Woche um 12 Prozent mehr Personen als vor der Krise, im ersten Lockdown waren um 24 Prozent mehr Personen zuhause als vor der Krise

Vergleicht man die Mobilität in der vergangenen Woche (22. bis 26. November 2021) mit jener vom Vormonat (18. bis 22 Oktober 2021), so sieht man eine starke Reduktion der Mobilität: um 23 Prozentpunkte weniger Frequenz in öffentlichen Verkehrsmitteln, um 12 Prozentpunkte weniger Frequenz am Arbeitsplatz und um 6 Prozentpunkte weniger Frequenz in Geschäften des täglichen Bedarfs. Dafür wurde um 10 Prozentpunkte mehr Frequenz zuhause beobachtet.

Der Verein Complexity Science Hub Vienna (CSH) kommt anhand von Handydaten, die rund ein Drittel der österreichischen Bevölkerung abdecken, zu einem ähnlichen Ergebnis, wie die Untersuchung anhand von Google-Mobility-Daten. Das CSH konstatiert, dass der Bewegungsradius durch den Lockdown ab dem 22. November 2021 stark gesunken ist, weit stärker als durch den Lockdown für Ungeimpfte in der Woche davor, jedoch nicht so stark wie während des Lockdowns im November 2020. Im ersten Lockdown betrug die Reduktion des Bewegungsradius - verglichen mit dem Jahr 2019 - bis zu 72 Prozent österreichweit, derzeit sind es rund 30 Prozent. 

Auf Bundesländerebene zeigt sich, dass sich die Mobilität bzw. der Bewegungsradius während der ersten Woche des Lockdowns - verglichen mit dem Vormonat - besonders stark in Wien reduziert hat. Auch im Vergleich zum Bewegungsradius im Jahr 2019 war der Rückgang der Mobilität in Wien während der ersten Woche des aktuellen Lockdowns auffallend hoch. In Wien lag die Mobilität letzte Woche um 60 Prozent unter den Werten aus 2019. In Oberösterreich betrug der Rückgang 33 Prozent und in Salzburg 36 Prozent im Vergleich zu den Vorkrisenwerten vom November 2019. Im Österreich-Durchschnitt war die Mobilität vergangene Woche um 37 Prozent unter den Vergleichswerten aus dem Jahr 2019.