So beeinflusst der Ukraine-Krieg unsere Konjunktur

Steigenden Energiepreise treiben Inflation und senken Wachstumsaussichten.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • WeiterdenkerInnen
  • WirtschaftsexpertInnen

Lesedauer:

2 Minuten

AutorIn: Jürgen Zacharias

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Die wirtschaftlichen Folgen des Russland-Ukraine-Konflikts für die österreichische Wirtschaft sind schon jetzt beträchtlich: Lieferketten sind unterbrochen, die steigenden Energiepreise treiben die Inflation, die Wachstumsprognosen werden zurückgefahren.

Vor einigen Wochen standen die Vorzeichen für das laufende Wirtschaftsjahr eigentlich gut: Die Corona-Pandemie schien langsam ihrem Ende zuzusteuern, bei den globalen Lieferengpässe glaubte man das Schlimmste überwunden, die Konjunkturprognosen waren dementsprechend positiv. Eigentlich. Denn dann begann Russland seinen Angriffskrieg auf die Ukraine und über Nacht war plötzlich alles anders.

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Am schnellsten reagierte der Energiemarkt. Obwohl weiter jeden Tag Millionen Kubikmeter Gas über Russland durch die Transitleitungen in der Ukraine nach Mitteleuropa fließen, schnellte der Gaspreis gleich am ersten Tag des Konflikts auf 120 Euro nach oben. Danach kam es zwar zu einer kurzen Beruhigung, mittlerweile liegt der Preis aber bei knapp 200 Euro je Megawattstunde am Spotmarkt und ein Ende der Preisrallye scheint nicht in Sicht. Bei Öl und Kohle ist die Entwicklung ähnlich und auch bei anderen Rohstoffen, Lebensmitteln und industriellen Vorprodukten drohen in den nächsten Tagen und Wochen Preissteigerungen.

Für Konsumentinnen und Konsumenten im Westen sind das ebenso keine guten Nachrichten wie für die Unternehmerinnen und Unternehmer: Während erstere schon jetzt im Supermarkt, an der Tankstelle und bei ihrem Gaslieferanten deutlich tiefer ins Börsel greifen müssen, um sich gleich viel wie noch vor ein paar Wochen leisten zu können, sehen sich Betriebe durch die steigenden Energiepreise mit höheren Produktionskosten konfrontiert. Die von der EU verhängten Sanktionen werden vor allem Handel und Investitionen einschränkten, bereits die 2014 verhängten Sanktionen haben die österreichische Wirtschaft jährlich rund 400 Millionen Euro gekostet. Zudem erschüttern die Schockwellen des Krieges viele Lieferketten. Bei manchen Unternehmen steht die Produktion bereits still, andere könnten zeitnah folgen.

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Wie genau der Ukraine-Krieg letztlich im Detail die Konjunkturzahlen beeinflusst, ist aktuell kaum zu prognostizieren. Ein Szenario der Deutschen Bank geht von einem durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Wachstumsrückgang in der EU von 3,7 auf 1 Prozent aus, für Österreich mag das aber noch niemand so genau prognostizieren. Einig sind sich alle Expertinnen und Experten aber darin, dass die Prognosen von vor ein paar Wochen keinesfalls zu halten sein werden. Russland gehört zwar nicht zu unseren größten Handelspartnern, in Teilbereichen gäbe es aber doch sehr enge Verflechtungen. Dazu kommt, dass der Wirtschaftsstandort Österreich überdurchschnittlich stark von russischem Erdgas abhängig ist. Während der Anteil russischer Gasimportorte in der EU bei rund 44 Prozent liegt, stammen hierzulande aktuell 80 Prozent der Gaseinfuhren aus Russland. Man bemüht sich zwar bereits um Alternativen, bis diese gefunden sind, wird es aber wohl noch ein wenig dauern.