Kriegsschäden treffen österreichische Betriebe in der Ukraine. Gleichzeitig schafft der Wiederaufbau Nachfrage. Welche Produkte gebraucht werden und wo Unternehmen Hilfe finden.
Das Wichtigste in Kürze:
- Seit Kriegsbeginn wurden rund 10 - 15% der Anlagen österreichischer Unternehmen in der Ukraine beschädigt. WKÖ-Wirtschaftsdelegierter David Bachmann beziffert die Schäden auf 100 bis 200 Millionen Euro.
- Annähernd 1.000 österreichische Unternehmen sind in der Ukraine aktiv. Betroffene Betriebe reparieren Anlagen, beschaffen Ersatzteile und weichen auf andere Lagerstandorte aus.
- Der Wiederaufbau läuft bereits während des Krieges. Gebraucht werden unter anderem Baustoffe, Vormaterialien und technische Produkte aus Österreich.
- Österreichs Exporte in die Ukraine stiegen im ersten Halbjahr 2026 um mehr als 23%. Ob das Wachstum anhält, bleibt angesichts der Kriegslage offen.
- AußenwirtschaftsCenter Kyjiw und Ukraine Servicepoint bieten Orientierung. Ausschreibungsinformationen, Förderungen und Möglichkeiten zur Exportabsicherung unterstützen Unternehmen bei der Prüfung konkreter Vorhaben.
Ein beschädigtes Lager lässt sich unter Umständen an einen anderen Standort verlegen. Bei einer getroffenen Produktionsanlage ist das schwieriger: Notwendige Teile müssen beschafft werden, bevor die Arbeit weitergehen kann. Vor solchen Herausforderungen stehen österreichische Unternehmen in der Ukraine.
Das Ausmaß der Schäden ist beträchtlich: Nach Berechnungen des WKÖ-Wirtschaftsdelegierten in Kyjiw, David Bachmann, wurden seit Kriegsbeginn rund 10 - 15% der Anlagen österreichischer Unternehmen teilweise oder vollständig beschädigt. Die entstandenen Schäden beziffert Bachmann auf insgesamt 100 bis 200 Millionen Euro.
Wie österreichische Unternehmen mit Kriegsschäden in der Ukraine umgehen
Annähernd 1.000 österreichische Unternehmen sind laut WKÖ in der Ukraine aktiv, rund 200 davon mit eigenen Niederlassungen. Trotz teilweise erheblicher Schäden halten die Unternehmen an ihrem Engagement fest. Betroffene Betriebe versuchen, möglichst rasch wieder arbeitsfähig zu werden. Sie weichen auf andere Lagerstandorte aus oder beschaffen notwendige Teile von anderen Standorten.
"10 bis 15 Prozent der österreichischen Anlagen sind beschädigt, aber das Engagement ist ungebrochen. Die Unternehmen ziehen sich nicht zurück. Sie reparieren, improvisieren und machen weiter", sagt Bachmann.
Dabei wird der wirtschaftliche Alltag schwieriger. Angriffe auf die Bahninfrastruktur erschweren Reisen und Transporte innerhalb des Landes. Nach Bachmanns Einschätzung treffen Angriffe seit dem Sommer 2026 zunehmend auch Betriebe und Infrastruktur in der Zentralukraine, wo viele österreichische Unternehmen tätig sind.
Welche Förderungen und Hilfen es für den Ukraine-Wiederaufbau gibt
- Eine erste Anlaufstelle ist der Ukraine Servicepoint von go-international. Dort findest du Informationen zu Wiederaufbauprojekten, Finanzierung, Förderungen und Veranstaltungen.
- Die Ausschreibungsübersicht bündelt Projekte unter anderem in den Bereichen Energie, Wasser, Verkehr und Gesundheit.
- Für internationale Ausschreibungsprojekte in der Ukraine bietet der Projektgeschäft-Scheck unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschuss von 50% der förderfähigen externen Beratungskosten, bis zu 15.000 Euro.
- Lass dich vor Beauftragung beraten: Der förderfähige Leistungszeitraum beginnt mit der Antragstellung. Das go-international-Team deiner Landeskammer unterstützt dich bei Fragen zu Förderfähigkeit und Einreichung.
Du möchtest wissen, ob dein Angebot zu einem konkreten Bedarf passt? Beschreibe dem AußenwirtschaftsCenter Kyjiw möglichst konkret, welches Produkt oder welche Leistung du anbieten möchtest. So lassen sich Fragen zu Markt, Logistik und Geschäftsabwicklung gezielt besprechen.
Gleich Kontakt aufnehmen!Welche Produkte für den Wiederaufbau der Ukraine gebraucht werden
Gleichzeitig muss zerstörte Infrastruktur wiederhergestellt werden, damit Versorgung und Wirtschaft funktionieren. Internationale Mittel fließen in diese Arbeiten. Daraus entstehen auch Aufträge für österreichische Unternehmen.
Gefragt sind laut Bachmann unter anderem Baustoffe, Vormaterialien und technische Produkte. Ein konkretes Beispiel sind Pumpen für die Wiederherstellung zerstörter Tankstellen, die auch von österreichischen Unternehmen hergestellt werden.
"Der Wiederaufbau ist keine Zukunftsmusik, er findet bereits heute statt. Zerstörte Infrastruktur muss ersetzt werden, damit das tägliche Leben und die Wirtschaft weiter funktionieren können", erklärt Bachmann.
Wie sich Österreichs Exporte in die Ukraine entwickeln
Der laufende Wiederaufbau ist ein Grund für die steigenden österreichischen Exporte in die Ukraine. Nach Angaben der WKÖ lieferte Österreich 2025 Waren im Wert von mehr als 760 Millionen Euro in das Land. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Exporte um mehr als 23%.
Beim AußenwirtschaftsCenter Kyjiw melden sich zunehmend auch österreichische Unternehmen, die bisher noch nicht in die Ukraine exportieren, deren Produkte aber konkret nachgefragt werden.
Wie sich das Geschäft weiterentwickelt, bleibt unsicher. Laut Bachmann ist wegen der jüngsten Eskalation offen, ob das starke Exportwachstum im zweiten Halbjahr anhält. Zudem unterscheiden sich die wirtschaftlichen Bedingungen regional: In der Westukraine gibt insbesondere die Bauwirtschaft wichtige Impulse. Zugleich ist der Krieg auch dort stärker spürbar.
Welche Risiken österreichische Unternehmen im Ukraine-Geschäft prüfen sollten
Wenn Produkte oder Leistungen deines Unternehmens für den Wiederaufbau gebraucht werden, lohnt sich eine genaue Prüfung der Bedingungen. Neben der Nachfrage zählen die praktische Geschäftsabwicklung, Transportmöglichkeiten und die Frage, welche Risiken abgesichert werden können. Versicherungen gegen Kriegsrisiken gewinnen dabei an Bedeutung.
Das AußenwirtschaftsCenter Kyjiw ist seit Kriegsbeginn durchgehend im Einsatz. Pro Jahr stehen die WKÖ-Expert mit rund 500 österreichischen Unternehmen in Kontakt, die Geschäftsbeziehungen mit der Ukraine haben. Sie begleiten sowohl bereits engagierte Betriebe als auch Firmen, die erstmals Geschäftsmöglichkeiten prüfen.