Brasilien: Neue Chancen für Österreichs Exporte

Mercosur senkt Hürden: Was Österreichs Betriebe in Brasilien jetzt prüfen sollten.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Zahlenjongleur:innen
  • Exporteur:innen

Lesedauer:

4 Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Container mit brasilianischer Flagge und ‚Ordem e Progresso‘ wird auf einem Terminal per Stapler bewegt. i
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Brasilien gewinnt für Österreichs Exportwirtschaft an Gewicht. Mercosur verbessert den Marktzugang – doch Zölle, Zulassungen und Vertrieb bleiben entscheidend.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Rund 1.000 österreichische Unternehmen exportieren bereits nach Brasilien. Die Warenexporte erreichten 2025 rund 1,1 Milliarden Euro.
  • Seit 1. Mai 2026 wird das EU-Mercosur-Handelsabkommen vorläufig angewendet. Zölle werden schrittweise abgebaut.
  • Chancen gibt es unter anderem in Industrie und Infrastruktur, Green Tech und Energie sowie bei spezialisierten Technologien.
  • Brasilien bleibt ein anspruchsvoller Importmarkt. Vor dem Einstieg sollten Unternehmen Zollsatz, Gesamtkosten, Zulassungen und Vertrieb prüfen.
  • Das AußenwirtschaftsCenter São Paulo unterstützt bei Markt- und Importfragen sowie bei Geschäftskontakten.

Österreichische Unternehmen exportierten 2025 Waren im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro nach Brasilien. Jetzt verändert das EU-Mercosur-Abkommen die Bedingungen für viele Produkte. Gleichzeitig bleibt der Markteintritt anspruchsvoll. Die Präsidentenwahl am 4. Oktober rückt einen Markt zusätzlich ins Rampenlicht, der für Österreichs Exportwirtschaft ohnehin an Bedeutung gewinnt.

Warum Brasilien für Österreichs Exporte wichtiger wird

Brasilien ist Österreichs mit Abstand wichtigster Exportmarkt in Südamerika. Mehr als die Hälfte der heimischen Exporte auf den Kontinent geht in das Land. Rund 1.000 österreichische Unternehmen beliefern den brasilianischen Markt, das Investitionsvolumen österreichischer Firmen liegt bei rund 2,4 Milliarden Euro. 2025 erreichten die Warenexporte rund 1,1 Milliarden Euro.

"Brasilien ist die mit Abstand wichtigste Volkswirtschaft Südamerikas und ein Markt, an dem mittelfristig kein Weg vorbeiführt. Wir spüren derzeit deutlich mehr Interesse österreichischer Unternehmen", sagt Günther Sucher, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in São Paulo.

Ein Grund dafür: Viele Betriebe wollen ihre Exportmärkte breiter aufstellen. Geopolitische Konflikte, Protektionismus und Unsicherheiten auf etablierten Märkten haben gezeigt, wie riskant große Abhängigkeiten sein können.

Brasilien bietet dafür einen großen Binnenmarkt und Investitionsbedarf in Bereichen, in denen österreichische Unternehmen bereits international aktiv sind.

Wie Mercosur den Export nach Brasilien erleichtert

Seit 1. Mai 2026 wird das EU-Mercosur-Handelsabkommen vorläufig angewendet. Damit werden Zölle zwischen der EU und Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay schrittweise abgebaut.

Das kann die Rechnung für österreichische Exporteure verändern. Besonders bei Maschinen und anderen Industriegütern waren die bisherigen Zölle teilweise hoch. Wie rasch sie sinken, hängt allerdings vom konkreten Produkt ab – in vielen Fällen gelten Übergangsfristen über mehrere Jahre. Unternehmen individuelle Zollsatz-Checks des AußenwirtschaftsCenter Sao Paolo zum Mercosur-Abkommen nutzen: Dabei wird geprüft, ob ein Produkt vom Abkommen erfasst wird und in welchem Zeitraum der jeweilige Zollsatz sinkt.

Was heißt das für deinen Betrieb? Wenn Brasilien bisher wegen hoher Einfuhrzölle knapp nicht konkurrenzfähig war, lohnt sich jetzt eine neue Kalkulation. Entscheidend ist die Zolltarifnummer deines Produkts.

MARI€ mehr.lesen  "Was Mercosur für Österreichs Unternehmen bringt"

Wie das EU-Mercosur-Abkommen funktioniert und welche Schritte Unternehmen jetzt setzen können, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag "Was Mercosur für Österreichs Unternehmen bringt". 

Welche Branchen in Brasilien gute Marktchancen bieten 

Interessant ist Brasilien vor allem dort, wo großer Investitionsbedarf auf österreichisches Know-how trifft.

  • Industrie und Infrastruktur: Brasilien modernisiert Verkehrswege und Industrie. Chancen entstehen etwa im Maschinenbau, bei Automatisierung, Spezialkomponenten sowie rund um Bahn, Straße und Flughäfen.
  • Green Tech und Energie: Erneuerbare Energien, Wasser- und Abwassertechnik sowie Umwelttechnologien zählen ebenfalls zu den Feldern, in denen österreichische Anbieter Know-how einbringen können.
  • Spezialisierte Technologien: Potenzial sieht das AußenwirtschaftsCenter auch bei Pharma und Medizintechnik, in der Luftfahrt sowie bei Sicherheitstechnologien.

Für KMU bedeutet das nicht, den gesamten brasilianischen Markt bearbeiten zu müssen. Oft sind eine bestimmte Branche, Region oder einzelne Geschäftspartner:innen der sinnvollere Einstieg.

Welche Hürden beim Export nach Brasilien bleiben

Mercosur baut Zölle ab – aber nicht alle Hürden.

Je nach Produkt können in Brasilien weitere Steuern, Zulassungen, Importgenehmigungen und Dokumentationspflichten anfallen. Der eigentliche Einfuhrzoll ist nur einer von mehreren Abgabenposten. Fehler bei der Abwicklung können zusätzliche Kosten und Verzögerungen verursachen. Das AußenwirtschaftsCenter Sao Paolo bietet österreichischen Unternehmen deshalb unter anderem kostenlose Importkostenkalkulationen an.

Dazu kommt die Frage des Vertriebs. Wer neu in den Markt einsteigt, muss klären, ob der direkte Verkauf sinnvoll ist oder lokale Partner:innen gebraucht werden.

Genau deshalb lohnt es sich, die Kosten und Anforderungen vor dem ersten Angebot durchzurechnen.

Export nach Brasilien: Was Unternehmen vor dem Markteintritt prüfen sollten

  • Wie verändert Mercosur meinen Zollsatz? Prüfe anhand der Zolltarifnummer, ob dein Produkt profitiert und in welchem Zeitraum der Zoll sinkt.
  • Was kostet die Einfuhr tatsächlich? Neben dem Zoll gehören Transport, Versicherung, weitere Steuern und Abwicklungskosten in die Rechnung.
  • Welche Zulassungen brauche ich? Besonders bei Lebensmitteln, Agrar- und Pharmaprodukten können zusätzliche Genehmigungen notwendig sein.
  • Wie komme ich zu Kund:innen? Kläre früh, ob Direktvertrieb funktioniert oder ein:e lokale:r Vertriebspartner:in sinnvoller ist.

Das AußenwirtschaftsCenter São Paulo unterstützt österreichische Unternehmen bei Zoll- und Importfragen ebenso wie bei der Suche nach Kund:innen und Geschäftspartner:innen. Für Mercosur können Unternehmen außerdem prüfen lassen, wie sich der Zollsatz für ihr konkretes Produkt entwickelt.

Gleich Kontakt aufnehmen!


Was die Wahl 2026 für Brasiliens Wirtschaft bedeutet

Am 4. Oktober 2026 wählt Brasilien unter anderem seinen Präsidenten sowie Abgeordnete, Senator:innen und Gouverneur:innen. Eine mögliche zweite Runde bei den Präsidentschafts- und Gouverneurswahlen ist für den 25. Oktober angesetzt.

Wirtschaftlich geht Brasilien vergleichsweise robust in den Wahlherbst. Der Internationale Währungsfonds erwartet für 2026 ein reales Wirtschaftswachstum von 2,4%. Gleichzeitig sieht der IWF bei den öffentlichen Finanzen weiteren Handlungsbedarf.

Für Unternehmen sollte eine langfristige Marktentscheidung deshalb nicht allein vom Wahlausgang abhängen. Entscheidend sind vielmehr Nachfrage, Kosten, Regulierung und die Frage, ob sich ein belastbares Netzwerk vor Ort aufbauen lässt.

Lohnt sich Brasilien als Exportmarkt für österreichische Unternehmen?

Brasilien ist nicht für jeden Betrieb der nächste logische Exportmarkt. Für Unternehmen aus Industrie, Infrastruktur, Green Tech und spezialisierten Technologiebereichen lohnt sich aber ein neuer Blick.

Mercosur verbessert die Handelsbedingungen, die Komplexität des Marktes bleibt. Deshalb gilt: Zollsatz, Gesamtkosten und Marktzugang zuerst prüfen – und erst danach entscheiden, wie groß der nächste Schritt nach Brasilien sein soll.