Österreichs Exporte in die USA stabilisieren sich. Auf eine grundlegende Kehrtwende bei den Zöllen sollten Unternehmen nach den Kongresswahlen aber nicht setzen. Wo Chancen liegen – und welche Fragen du für dein US-Geschäft klären solltest.
Das Wichtigste in Kürze:
- Auch nach den US-Midterms ist nicht mit einer grundlegenden Abkehr von der protektionistischen Handelspolitik zu rechnen.
- Österreichs Warenexporte in die USA stabilisieren sich. Nach dem starken Rückgang von 2025 sind sie seit März 2026 in vier von fünf Monaten zweistellig gewachsen.
- Der Ausbau von KI und Rechenzentren eröffnet Chancen von der Energieversorgung bis zu Bau und Betrieb.
- Kurzfristige Änderungen bei Zöllen und Branchenregelungen bleiben ein Risiko für die Kalkulation.
- Prüfe vor neuen US-Aufträgen die konkreten Zollbedingungen.
Ein US-Kunde möchte bestellen. Dein Produkt passt, der Preis ist kalkuliert. Doch wie belastbar bleibt das Angebot, wenn sich die Zollbedingungen ändern? Diese Unsicherheit beschäftigt österreichische Unternehmen im US-Geschäft – und sie dürfte auch nach den Midterm-Wahlen bleiben.
Am 3. November 2026 wählen die USA ihren Kongress und einen Teil des Senats. Für heimische Exportbetriebe ist dabei vor allem eine Frage relevant: Welche Auswirkungen hat das auf die Rahmenbedingungen für Geschäfte mit den USA?
Die Einschätzung der WKÖ-Wirtschaftsdelegierten in Washington und New York: Eine grundlegende Abkehr von der protektionistischen Handelspolitik ist nicht zu erwarten. Gleichzeitig bietet der US-Markt weiterhin große Geschäftschancen. Für Unternehmen kommt es deshalb darauf an, Marktpotenzial und Zollrisiko gemeinsam zu bewerten.
Drei Fragen für dein nächstes US-Angebot
- Ist die Zollbelastung für dein konkretes Produkt geklärt? Verlasse dich bei der Kalkulation nicht auf allgemeine Schlagzeilen. Prüfe die aktuell anwendbaren Regelungen für deine Ware. Der WKÖ-Infopoint US-Zölle bündelt Informationen zu Maßnahmen, Änderungen und Branchenfragen.
- Wie wirken zusätzliche Kosten auf Preis und Marge? Rechne durch, welchen Spielraum dein Angebot bei einer höheren Belastung noch hat. So erkennst du früh, wo du Preise, Konditionen oder die Kalkulation überprüfen musst.
- Wo passt dein Angebot zu konkreten Investitionsvorhaben? Gehe von deinem Produkt und den passenden Kund:innen aus. Die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA unterstützt bei Fragen zum Markt und zu den Zollbedingungen.
Warum die Wahl keine Entwarnung bei den Zöllen bringt
Andere Mehrheiten im Kongress könnten den politischen Druck auf die US-Regierung erhöhen. Etwa dort, wo Zölle amerikanische Unternehmen und Verbraucher spürbar belasten. Daraus folgt aber noch kein grundlegender Kurswechsel.
Thomas Moschig, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Washington, rechnet damit, dass die USA Zölle weiterhin als wirtschafts- und sicherheitspolitisches Instrument einsetzen. Unternehmen müssten daher auch künftig mit kurzfristigen Änderungen bei Zollsätzen, Rechtsgrundlagen und Maßnahmen für einzelne Branchen rechnen.
Für deine Planung heißt das: Eine mögliche Entlastung nach der Wahl sollte keine Voraussetzung dafür sein, dass sich ein Auftrag rechnet. Entscheidend ist, ob dein Angebot auch unter den geltenden Bedingungen tragfähig ist – und wie empfindlich deine Kalkulation auf Änderungen reagiert.
Die Exporte erholen sich – der Einbruch ist noch nicht aufgeholt
Wie stark die Turbulenzen das Geschäft getroffen haben, zeigen die Zahlen der WKÖ: 2025 sanken Österreichs Warenexporte in die USA um 21,2% auf 12,8 Milliarden Euro.
In den ersten sieben Monaten 2026 lag das Minus laut Medieninfo nur noch bei 2,2 Prozent. Zuletzt gab es wieder deutliche monatliche Zuwächse. Das spricht für eine Stabilisierung, bedeutet aber noch keine Rückkehr zum früheren Exportniveau.
Die USA bleiben jedenfalls ein bedeutender Absatzmarkt. Rund 4.300 österreichische Unternehmen exportieren laut WKÖ regelmäßig Waren dorthin. Rund 1.000 sind mit eigenen Niederlassungen vertreten. Für viele Betriebe geht es deshalb darum, ein bestehendes Geschäft unter schwierigeren Bedingungen weiterzuentwickeln.
HIlfe für deinen Markteinstieg in den USA
Einen ersten Überblick bietet der Wirtschaftsbericht USA der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. Produktbezogene Informationen zu Zöllen und Ursprungsregeln findest du im EU-Portal Access2Markets. Die AußenwirtschaftsCenter in New York, Washington DC, Los Angeles, San Francisco, Atlanta und Chicago unterstützen österreichische Unternehmen dabei, Marktchancen einzuschätzen und Kontakte zu knüpfen.
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Wo der KI-Ausbau auch Industrieunternehmen Chancen eröffnet
Ein besonders interessanter Bereich ist der Ausbau von Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren. Peter Hasslacher, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in New York, sieht hier Potenzial entlang einer breiten Wertschöpfungskette: von der Energieerzeugung und -übertragung bis zum Bau und Betrieb der Rechenzentren.
Damit reicht das mögliche Geschäft weit über Software hinaus. Wer Anlagen, technische Komponenten oder passende Leistungen anbietet, kann prüfen, ob das eigene Angebot für diese Projekte relevant ist.
Hasslacher berichtet außerdem von Zuwächsen bei österreichischen Exporten von Maschinen, Anlagen, Logistiktechnologie und Pharmazeutika. Das ist ein Hinweis auf konkrete Nachfrage – aber keine Garantie für den Erfolg jedes Produkts. Für den einzelnen Betrieb zählt, welche Kund tatsächlich investieren und welchen Bedarf das eigene Angebot abdeckt.