Weniger Zölle, leichterer Marktzugang und Chancen für österreichisches Know-how: Kanada ist für Exportbetriebe einen genaueren Blick wert. Was das Handelsabkommen CETA bereits erleichtert und worauf es beim Einstieg ankommt.
Das Wichtigste in Kürze:
- CETA baut Zölle ab und kann österreichische Produkte in Kanada wettbewerbsfähiger machen.
- Chancen für heimische Betriebe bieten unter anderem Automatisierung, erneuerbare Energien und Infrastruktur.
- Das Abkommen erleichtert auch den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen in Kanada.
- Viele Vorteile gelten bereits. Für das vollständige Inkrafttreten fehlt noch die Ratifizierung durch zehn EU-Staaten.
Ein gutes Produkt allein macht noch keinen erfolgreichen Export. Zölle können das Angebot verteuern, unklare Anforderungen den Markteinstieg erschweren. Gerade für kleinere Betriebe zählt deshalb, unter welchen Bedingungen sie ihre Waren im Ausland verkaufen können.
Im Geschäft mit Kanada hilft dabei CETA, das Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada. Es wird seit September 2017 vorläufig angewendet. Bereits zum Start entfielen die Zölle auf 98% der Zolltarifpositionen. Damit verbessert das Abkommen die Ausgangslage für europäische Anbieter.
Drei Fragen für deinen Kanada-Check
Ob sich der Markt für deinen Betrieb lohnt, lässt sich mit drei Fragen konkretisieren:
- Wo passt dein Angebot? Prüfe, welche Kund:innen, Branchen und Regionen Bedarf an deinem Produkt haben.
- Wie sieht die gesamte Kalkulation aus? Berücksichtige neben möglichen Zollvorteilen auch Transport, Wechselkurs, Vertrieb und Service vor Ort.
- Was brauchst du für den Einstieg? Kläre Produktanforderungen, Ursprungsnachweise und passende Geschäftspartner.
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ROSA ist ein Instrument zur Selbstbewertung der Ursprungsregeln. Damit kannst Du überprüfen, ob dein Erzeugnis den Ursprungsregeln entspricht und somit für eine Zollpräferenzbehandlung im Rahmen des EU-Handelsabkommens in Betracht kommt.
Doch welche Chancen ergeben sich daraus für deinen Betrieb?
Österreichische Produkte finden Abnehmer
Österreich exportierte 2025 Waren im Wert von rund 1,67 Milliarden Euro nach Kanada. Das waren laut den vorläufigen Zahlen im Wirtschaftsbericht der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA um 6,6% mehr als im Vorjahr.
Die Bandbreite reicht von Maschinen und Fahrzeugen über Metallwaren und pharmazeutische Produkte bis zu Holz- und Konsumgütern. Geschäftsmöglichkeiten sieht die WKÖ unter anderem bei erneuerbaren Energien, Automatisierung und Infrastruktur.
Kanada ist für Betriebe interessant, die zusätzliche Absatzmärkte erschließen wollen.
Weniger Zoll kann mehr Spielraum beim Angebot schaffen
Der unmittelbarste Vorteil liegt in der Kalkulation: Entfällt ein Einfuhrzoll, sinken die Kosten, um ein Produkt auf den kanadischen Markt zu bringen. Das kann ein Angebot wettbewerbsfähiger machen.
Die Begünstigung gilt allerdings nicht automatisch für jede Lieferung aus Österreich. Dein Produkt muss die Ursprungsregeln des Abkommens erfüllen. Diese legen fest, wann eine Ware im Sinne von CETA als europäisches beziehungsweise kanadisches Erzeugnis gilt. Auch die erforderlichen Nachweise müssen stimmen.
Für deine Exportplanung heißt das: Prüfe die Bedingungen für dein konkretes Produkt, bevor du mit einer Zollersparnis kalkulierst.
Hilfe für deinen Markteinstieg in Kanada
Einen ersten Überblick bietet der Wirtschaftsbericht Kanada der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. Informationen zu Waren (Zöllen und Ursprungsregeln), Dienstleistungen, Investitionen und öffentliche Auftragswesen findest du im EU-Portal Access2Markets. Das AußenwirtschaftsCenter Toronto unterstützt österreichische Unternehmen dabei, Marktchancen einzuschätzen und Kontakte zu knüpfen.
TIPP: Mein Handelsassistent für Waren +ROSA in Access2Markets: ROSA ist ein Instrument zur Selbstbewertung der Ursprungsregeln. Damit kannst Du überprüfen, ob dein Erzeugnis den Ursprungsregeln entspricht und somit für eine Zollpräferenzbehandlung im Rahmen des EU-Handelsabkommens in Betracht kommt.
Hol dir deine Infos hier!Auch öffentliche Aufträge werden zugänglicher
CETA erleichtert europäischen Unternehmen außerdem den Zugang zu erfassten öffentlichen Ausschreibungen in Kanada – auf Bundesebene, in Provinzen und auf kommunaler Ebene. Welche Beschaffungsstellen und Aufträge darunterfallen, ist im Abkommen festgelegt.
Für Anbieter von Infrastruktur- oder Industrielösungen kann das einen zusätzlichen Vertriebsweg eröffnen. Entscheidend bleibt, ob die konkrete Ausschreibung zum eigenen Angebot passt und ihre Anforderungen erfüllbar sind.
Warum die vollständige Ratifizierung noch wichtig ist
"Vorläufig angewendet" bedeutet bei CETA, dass große Teile bereits gelten. Unternehmen können die bestehenden Handelserleichterungen also schon nutzen. Für das vollständige Inkrafttreten fehlt jedoch weiterhin die Ratifizierung durch 9 EU-Mitgliedstaaten; 18 haben ihre nationalen Verfahren abgeschlossen. Österreich hat CETA bereits ratifiziert.
Noch nicht angewendet werden insbesondere die Bestimmungen zum Investitionsschutz und zum Investitionsgerichtssystem. Die vollständige Ratifizierung würde somit auch bisher ausgenommene Teile des Abkommens wirksam machen.
TIPP: Die wichtigsten Infos über das Abkommen haben die Expert:innen in der WKÖ für Euch hier zusammengestellt.
Die WKÖ fordert deshalb einen raschen Abschluss des Prozesses. WKÖ-Präsidentin Martha Schultz spricht sich zudem dafür aus, die Wirtschaftsbeziehungen mit Kanada weiter zu vertiefen. Ihre Begründung: In Zeiten von Handelskonflikten und geopolitischer Unsicherheit gewinnen verlässliche Partnerschaften an Bedeutung.