Was das Donau-Niedrigwasser für Unternehmen bedeutet

Niedrige Donaupegel treffen Energie, Logistik und Lieferketten in der Region.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Weiterdenker:innen
  • Exporteur:innen

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AutorIn: Peter Draxler

Niedrigwasser auf der Donau in Regensburg i
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Ungarn kämpft mit Energieengpässen, Serbien mit eingeschränkter Schifffahrt. Was das Niedrigwasser für österreichische Unternehmen bedeutet – und wie du jetzt vorsorgen kannst.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Ungarn steht die Energieversorgung im Mittelpunkt. Freiwillige Stromeinsparungen sollen das Netz stabilisieren.
  • In Serbien können Schiffe weniger laden. Das führt zu zusätzlichen Fahrten, längeren Lieferzeiten und höheren Kosten.
  • In Rumänien und Bulgarien geht es um indirekte Folgen für die Wirtschaft.
  • Risiken bestehen vor allem für Landwirtschaft, Konsum und Energiepreise.

Die Donau ist Verkehrsweg, Energiequelle und Kühlwasserlieferant. Sinkt ihr Pegel, können Transportkosten steigen und Kraftwerksleistungen zurückgehen. Eine Blitzumfrage der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA bei ihren AußenwirtschaftsCentern zeigt, wo österreichische Unternehmen derzeit besonders genau hinschauen sollten. Die WKÖ unterstützt mit ihrer AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA die österreichischen Unternehmen vor Ort als verlässlicher Partner. Heimische Betriebe können jederzeit die AußenwirtschaftsCenter in Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia kontaktieren.

Stand: 6. August 2026. Die Lage ist dynamisch und kann sich mit den Wetterbedingungen und Wasserständen kurzfristig verändern.

Warum gefährdet Niedrigwasser an der Donau Energie und Lieferketten?

Die Donau zählt zu den wichtigsten Verkehrs- und Versorgungsachsen Europas. Sie verbindet Häfen und Industriestandorte, versorgt Kraftwerke mit Kühlwasser und trägt zur Stromerzeugung bei.

Sinkt der Wasserstand stark, kann das Unternehmen auf mehreren Wegen treffen:

  • Transport: Schiffe haben in Serbien weniger Tiefgang und können weniger laden. Mehr Fahrten werden notwendig, Lieferungen dauern länger und kosten mehr.
  • Energie: Wasserkraftwerke produzieren weniger Strom. Auch andere Kraftwerke können Probleme bei der Kühlwasserversorgung bekommen, wie das in Ungarn derzeit der Fall ist.
  • Landwirtschaft und Konsum: Trockenheit kann Ernten in Rumänien und Bulgarien belasten. Steigende Lebensmittelpreise erhöhen die Inflation und schwächen in weiterer Folge die Kaufkraft.

Die Auswirkungen unterscheiden sich jedoch von Land zu Land. Während in Ungarn derzeit die Energieversorgung im Fokus steht, trifft das Niedrigwasser Serbien vor allem bei Transport und Logistik. In Rumänien und Bulgarien stehen bisher indirekte Risiken im Vordergrund.

AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA – deine Ansprechpartner vor Ort

Die AußenwirtschaftsCenter der WKÖ beobachten die Situation laufend und unterstützen österreichische Unternehmen bei Fragen zu Lieferketten, Transportwegen und behördlichen Maßnahmen:

Welche Folgen hat das Donau-Niedrigwasser in Ungarn?

In Ungarn ist die Lage laut der Blitzumfrage derzeit am angespanntesten. Zentral ist das Kernkraftwerk Paks, das üblicherweise rund 45 bis 50% der ungarischen Stromerzeugung bereitstellt.

Aufgrund des niedrigen Donaupegels konnte die notwendige Kühlwasserversorgung zeitweise nur eingeschränkt gewährleistet werden. Nach Angaben des AußenwirtschaftsCenters Budapest waren Anfang August nur noch rund 240 Megawatt Leistung verfügbar. Mitte der Woche stabilisierte sich der Wasserstand im Bereich des Kraftwerks leicht. Ein vollständiges Herunterfahren war zum Erhebungszeitpunkt dennoch nicht ausgeschlossen.

Um das Stromnetz zu entlasten, setzt die ungarische Regierung zunächst auf freiwillige Verbrauchsreduktionen. Unternehmen – darunter auch österreichische Niederlassungen – hatten Einsparungen von insgesamt mehr als 600 Megawatt zugesagt. Zusätzliche Stromimporte und eine höhere Leistung von Gaskraftwerken sollen die Versorgung ebenfalls absichern.

Auch der Verkehr ist betroffen. Der Schienengüterverkehr wurde zwischen 17 und 22 Uhr zeitweise eingeschränkt, um den Stromverbrauch in den besonders kritischen Abendstunden zu reduzieren. In der Binnenschifffahrt müssen Schiffe ihre Ladung teilweise verringern. Auch Ausflugs- und Kreuzfahrtschiffe waren von Einschränkungen betroffen.

In Ungarn sind rund 1.400 österreichische Niederlassungen aktiv – unter anderem im Einzelhandel, bei Banken und Versicherungen, in der Baustoffindustrie sowie in Logistik und Transport.

Was Unternehmen mit Standorten in Ungarn jetzt prüfen sollten

Den AußenwirtschaftsCentern lagen bis zum 6. August keine Meldungen über konkrete negative Folgen für österreichische Unternehmen vor. Hält die Situation länger an, könnten aber besonders energieintensive Betriebe unter Druck geraten. Verpflichtende Lastreduktionen für Großverbraucher waren zum Erhebungszeitpunkt rechtlich möglich, aber noch nicht angeordnet.

Betriebe mit Standorten in Ungarn sollten prüfen, welche energieintensiven Prozesse sie zeitlich verschieben oder kurzfristig drosseln können. Wichtig ist auch ein klarer Plan für den Fall, dass verbindliche Verbrauchsbeschränkungen angeordnet werden.

Welche Folgen hat das Donau-Niedrigwasser in Serbien?

In Serbien trifft das Niedrigwasser vor allem die Schifffahrt. Der Verkehr auf der Donau ist nicht eingestellt. Wegen des geringeren Tiefgangs können Schiffe jedoch weniger Ladung transportieren.

Weniger Ladekapazität, längere Lieferzeiten und höhere Kosten

Treibstofftransporten waren teilweise nur noch 30 bis 40% der üblichen Ladekapazität möglich. Dadurch braucht es mehr Fahrten. Lieferungen dauern länger und werden teurer. Straße und Schiene können einen Teil der Transporte übernehmen, sind aber ebenfalls kostspieliger und nur begrenzt verfügbar.

Auch die Energieversorgung ist betroffen. Die Stromproduktion der Donaukraftwerke Đerdap ist deutlich zurückgegangen. Beim Wärmekraftwerk Kostolac kam es wegen des geringeren Kühlwasserangebots zeitweise zu Leistungseinschränkungen. Die Strom- und Treibstoffversorgung galt zum Erhebungszeitpunkt weiterhin als gesichert. Die Kosten- und Versorgungsrisiken sind jedoch gestiegen.

In Serbien sind mehr als 870 Unternehmen mit österreichischem Hintergrund tätig. Darunter befinden sich rund 70 Produktionsunternehmen. Gemeinsam beschäftigen sie mehr als 26.000 Mitarbeiter:innen.

Welche Branchen in Serbien besonders betroffen sind

Meldungen über Produktionsstillstände oder größere Produktionsanpassungen österreichischer Unternehmen lagen bis zum 6. August nicht vor. Spürbar werden können jedoch längere Lieferzeiten, höhere Transport- und Energiekosten sowie eine geringere Planungssicherheit.

Besonders exponiert sind:

  • Logistik und Treibstoffhandel,
  • Bau- und Baustoffwirtschaft,
  • Metall- und Maschinenbau,
  • Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung,
  • Unternehmen mit schweren Gütern, Rohstoffen oder Vorprodukten.

Wie lange die Einschränkungen anhalten, hängt vor allem von den Niederschlägen im gesamten Donaueinzugsgebiet ab.

Rumänien: Risiken für Landwirtschaft, Konsum und Energie

In Rumänien sind rund 700 bis 800 österreichische Niederlassungen aktiv. Stark vertreten sind Banken, Versicherungen, Energieunternehmen, Baustoffproduktion, Land- und Forstwirtschaft sowie Logistik.

Ein Block des an der Donau gelegenen Kernkraftwerks wurde außer Betrieb genommen, der zweite blieb zum Erhebungszeitpunkt in Betrieb. Gleichzeitig wurde die Stilllegung von Kohlekraftwerken verschoben und der Ausbau der Photovoltaik vorangetrieben. Engpässe bei der Netzinfrastruktur erschweren allerdings teilweise den Transport des Stroms von den Erzeugungsorten zu den Verbraucher:innen.

Statt direkter Folgen gilt es, die indirekten Risiken im Blick zu haben: Wassermangel kann die Landwirtschaft und die Ernte belasten. Steigende Lebensmittelpreise könnten die Inflation weiter erhöhen und den Konsum schwächen.

Bulgarien: Stromversorgung stabil, Dürre bleibt ein Risiko

In Bulgarien sind rund 300 bis 350 österreichische Niederlassungen tätig – vor allem in den Bereichen Versicherungen, IT, Energie, Baustoffproduktion, Einzelhandel und Logistik.

Das Kernkraftwerk Kozloduy war zum Erhebungszeitpunkt weiterhin in Betrieb. Der starke Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern trägt zusätzlich zur Stabilisierung des Stromsystems bei.

Für österreichische Unternehmen spielt der Transport über die Donau in Bulgarien eine geringere Rolle als Straße und Schiene.

Das längerfristige Risiko liegt vor allem bei Dürre, Wasserknappheit und Waldbränden. Betroffen sein können insbesondere Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Holzwirtschaft. Auch eine geringere Erzeugung aus Wasserkraftwerken könnte sich auf die Energiepreise auswirken.

Was bedeutet das Donau-Niedrigwasser für österreichische Unternehmen?

Nicht nur Unternehmen mit direkten Schiffstransporten können betroffen sein. Werden Waren von der Donau auf Straße und Schiene verlagert, steigt dort die Nachfrage nach Transportkapazitäten. Das kann Lieferzeiten verlängern und die Kosten entlang der gesamten Lieferkette erhöhen.

Besonders genau hinschauen sollten:

  • energieintensive Unternehmen mit Standorten in Ungarn,
  • Betriebe mit schweren Gütern oder Rohstofftransporten durch Serbien,
  • Bau-, Konsumgüter- und Finanzunternehmen in Rumänien,
  • Unternehmen aus Landwirtschaft, Lebensmittel- und Holzwirtschaft in Rumänien und Bulgarien,
  • Betriebe, die von einzelnen Lieferant:innen, Transportwegen oder Produktionsstandorten abhängig sind.