Mythen & Fakten zum Equal Pension Day 2026

Der Equal Pension Day und die Anhebung des Pensionsalters im Faktencheck von WKÖ-Experte Rolf Gleißner.


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Lesedauer:

3

Minuten

KolumnistIn: Rolf Gleißner

Miniaturfiguren älterer Menschen sitzen auf unterschiedlich hohen Münzstapeln. i
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WKÖ-Sozialrechts-Experte Rolf Gleißner nimmt 3 Mythen rund um das Thema Pensionen unter die Lupe und liefert Fakten.

Am 9. August ist laut Arbeiterkammer der heurige "Equal Pension Day". An diesem Tag sollen Männer jene Pensionssumme erreicht haben, die Frauen erst bis 31. Dezember erhalten. Für Rolf Gleißner, den Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der WKÖ Grund genug, den Mythen rund um den Equal Pension Day und die Anhebung des Pensionsalters Fakten entgegenzusetzen.

Mythos #1: Equal Pension Day: Sind Frauen benachteiligt?

Der bevorstehende Equal Pensions Day dreht sich ganz um eine Zahl, nämlich dass die durchschnittliche Monatspension von Frauen um 39% niedriger ist als die von Männern. 

Die Fakten:
  • Das Pensionssystem soll in der Pension das Einkommensniveau sichern, das dem früheren Erwerbsleben entspricht. Die jetzigen Pensionen spiegeln den Arbeitsmarkt der letzten 60 Jahre wider, in denen viel weniger Frauen erwerbstätig waren als heute, dem entspricht eine niedrigere Monatspension.
  • In Summe erhalten Frauen gleich viel an Pensionen wie Männer (im Dezember 2024 2,04 von insgesamt 4,1 Milliarden Euro) aus folgenden Gründen: Sie beziehen die Pension viel länger als Männer, weil sie früher in Pension gehen und länger leben. Kindererziehungszeiten werden in Österreich angerechnet (gut so, Mütter sollen keine Nachteile haben). Und viele Frauen beziehen Witwenpensionen.
  • Österreich hat das zweitniedrigste Frauenpensionsalter in der EU nach Polen, das Pensionsniveau ist hingegen vergleichsweise hoch. Die Nettoersatzrate ist laut OECD 86,8% (Pension in Prozent vom Erwerbseinkommen), in Deutschland nur 53,3%. 

  • Der Arbeitsmarkt der letzten 60 Jahre, der den heutigen Pensionen zugrunde liegt, lässt sich nicht ändern, aber der künftige: Das steigende Frauenpensionsalter wird die Frauenpensionen verbessern, gut so. Um Einkommen und Pensionen von Frauen weiter zu heben, ist u.a. die Kinderbetreuung von Frauen auszubauen, stärker aufzuklären und Anreize für Mehrarbeit zu schaffen.

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Mythos #2: Erhöht ein steigendes Pensionsalter die Beschäftigung oder die Arbeitslosigkeit?

Ein höheres Pensionsalter wird meist mit der Begründung abgelehnt, dass es vor allem die Arbeitslosigkeit erhöhe.

Die Fakten:

Seit 1.1.2024 ist das gesetzliche Frauenpensionsalter schrittweise von 60 auf 61,5 Jahre gestiegen. Die Zahl der beschäftigten Frauen im Segment 60 bis 64 Jahre ist von Juni 2023 bis Juni 2026 um 52.408 gestiegen, die der arbeitslosen Frauen um 6.964.

  • Der Arbeitsmarkt hat das zusätzliche Angebot somit zu 88,3% aufgenommen, obwohl die Wirtschaft seit 2023 die längste Rezession nach dem Krieg erlebt.

Mythos #3: Geht ein Drittel aus Arbeitslosigkeit in Pension?

Arbeiterkammer & Co verbreiten das immer wieder und beklagen die geringe Beschäftigung Älterer.

Die Fakten: 
  • 2026 erfolgten 68,4% der Pensionsantritte aus einer Beschäftigung heraus, 12,3% aus Arbeitslosigkeit bzw. AMS-Vormerkung. 6,3% der Pensionen wurden aus einer gesicherten erwerbsfernen Position (u.a. Rehageld, mehrfache geringfügige Beschäftigung, Urlaubs- bzw. Kündigungsentschädigung) heraus angetreten, 10,3% aus einer sonstigen erwerbsfernen Position (nicht erwerbstätig, nicht arbeitsuchend, keine Transfers; meist mitversichert oder freiwillig versichert).

  • Noch günstiger ist die Situation bei Frauen: 2026 traten 73,3% ihre Pension aus einer Beschäftigung heraus an, nur 7,6% aus Arbeitslosigkeit. 2021 waren es noch 13,5%. Das trotz der langen Rezession seit 2023 und des Anstiegs des Frauenpensionsalters von 60 auf 61,5 Jahre.
Fazit:

Die Demografie führt dazu, dass der Arbeitsmarkt ein steigendes Pensionsalter nicht nur aufnimmt, sondern sogar erfordert, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen.