EuroSkills starten mit viel Drums und noch mehr Fahnen

Das war die Opening Ceremony in Graz.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Lehrlinge
  • Ausbildende

Lesedauer:

5 Minuten
i

Gestern Abend ging im Messe Congress Graz die "EuroSkills Opening Ceremony" über die Bühne. In den kommenden Tagen bauen, föhnen und programmieren beim europäischen Kräftemessen mehr als 400 Professionisten aus 22 Ländern um Edelmetall.

Am Ende wollen sie wie Marcel Hirscher, Anna Kiesenhofer, Stefan Kraft oder Anna Gasser vom Siegertreppchen lächeln. Mit einer Medaille um den Hals und am schönsten wäre es, wenn diese Medaille möglichst auch noch in Gold glänzen würde. Wobei, keine Frage: Silber und Bronze sind auch schöne Farben und überhaupt und sowieso ist schon die Teilnahme an "EuroSkills" als großer Erfolg zu werten, musste Mann und Frau dafür doch bereits die gesamte nationale Konkurrenz hinter sich lassen. Auf ihrem weiteren Weg in die Spitze Europas werden die mehr als 400 TeilnehmerInnen aus 22 Ländern (darunter die drei Gastländer VAE, Thailand und Albanien) in den kommenden Tagen nun aber unter Stress knifflige Aufgaben angehen, lösen und meistern, dass es eine Freude ist. Sie werden herausfordernde Arbeitsaufträge bekommen, komplexe Szenarien durchspielen, dabei letzte Kraftreserven mobilisieren und am weitläufigen Wettbewerbsgelände im Schwarzl Freizeitzentrum in Graz vor allem viele, viele Meter zurücklegen. 

Im Vergleich zu den Weiten im Süden der steirischen Hauptstadt geriet die gestrige "EuroSkills"-Eröffnung im Messe Congress Graz zur viel umjubelten Aufwärmrunde. Dabei dominierten gleich zu Beginn die Farben Schwarz, Gelb und Rot. Nein, nicht Deutschland machte den Auftakt – es war die belgische Delegation, die als erste in die Halle einzog, gefolgt von der kleinen tschechischen und der estnischen Delegation. Anschließend war Frankreich an der Reihe und dann schon wieder Schwarz, Rot, Gelb – die insgesamt 29 deutschen TeilnehmerInnen schwenkten zu den Tönen von "Tage wie diesen" der "Toten Hosen" und unter dem Applaus von knapp 3.000 Zuschauern ihre Fahnen. Ob sie einen Tag wie diesen schon einmal erlebt hatten? 

Wohl kaum – gleiches gilt aber sicherlich auch für die ungarische und die italienische Delegation, die als nächste an der Reihe waren. Nach Kasachstan, Lettland und der vier Mann und Frau starken Equipe aus Liechtenstein, sowie Luxemburg, Polen, Portugal und dem rumänischen Trio waren dann die Russen dran, die mit 60 TeilnehmerInnen vor Lokalmatador Österreich (54 TeilnehmerInnen) und Frankreich mit 32 Fachkräften das größte Kontingent bei den diesjährigen "EuroSkills" stellen. Angeführt wurden sie von einem Trommler, der im Messe Congress Graz für mächtig Stimmung auch bei den nachfolgenden Slowaken und Slowenen sorgte.  

Anschließend tauchte die Halle – endlich! – komplett in Rot-Weiß-Rot, wobei in der steirischen "Punkt-Strich-Rechnung" Plus vor Minus geht. Die Gastgeber ließen also den Schweizern den Vortritt, mit 17 Teilnehmerinnen schickten die Eidgenossen ihre größte jemals zu "EuroSkills" entsendete Mannschaft ins Rennen. Gefeiert wurde das mit den Klängen einer überdimensionalen Kuhglocke. Hopp auf Schwiiz! Als letzte Delegation brachte dann Österreich die Halle zum Beben. Begleitet von Falcos "Amadeus" lächelten, grinsten und jubelten die österreichischen TeilnehmerInnen mit dem Publikum um die Wette und wenig später stand dann mit dem oberösterreichischen Bäcker- und Konditormeister Simon Sailer (25) aus Mauerkirchen ein Vertreter der rot-weiß-roten Mannschaft auch ganz alleine im Scheinwerferlicht. Gemeinsam mit je einem/einer VertreterIn aus Russland, Liechtenstein und Kasachstan durfte er den "EuroSkills"-Eid sprechen und damit die Professionisten-Challenge offiziell eröffnen: 

In the name of all Competitors, I promise to compete fairly, respecting and abiding by the Code of Ethics and Conduct, the Competition Rules, and the WorldSkills values – all in the true spirit of WorldSkills.

i

"Es war für mich schon richtig cool, als ich ausgewählt worden bin", sagte Simon Sailer unmittelbar nach der Opening Ceremony. "Aber heute war das noch einmal ein ganz anderes Feeling: Vor den ganzen Leuten, vor den anderen Nationen den Eid sprechen, das war ein Gänsehautmoment." Zeit, um ihn ausgiebig zu genießen, blieb ihm freilich nicht. Der Wettbewerb beginnt zwar erst heute Vormittag, aber am Mittwochnachmittag durften die Kandidaten aus allen Nationen – unter völlig gleichen Bedingungen – bereits erstmals ihre Stationen besichtigen und sich den Arbeitsplatz herrichten. Die Bäcker haben bisher nur vage Andeutungen auf sogenannte „Mystery“-Aufgaben erhalten, sagt Sailer. Bei diesen erfahren die Teilnehmer erst am Wettbewerbstag konkret, was sie zu tun haben. „Das rattert jetzt im Kopf – und wird so die ganze Nacht durchgehen.“ 

Den Einzug des österreichischen Teams anführen durfte Seda Türkoglu (24), Friseurin aus Neukirchen an der Enknach in Oberösterreich "Ich bin total stolz, dass ich die Fahne tragen durfte", schildert sie den besonderen Moment. Auch Türkoglu hat sich schon ihren Platz eingerichtet, an dem sie jetzt dann drei Tage schneiden darf. Die 24-Jährige ist bereits vielfach wettbewerberprobt, war schon bei "WorldSkills" in Kazan 2019 dabei. Trotzdem bleibt sie bescheiden: "Schau‘n wir einmal!" Was für sie auf dem Abendprogramm stand? "Ausruhen für morgen."

Alpine Drums bei EuroSkills i
Euroskills2021/KANIZAJ
Was die Opening Ceremony sonst noch zu bieten hatte? Auftritte und Einlage der „Alpin Drums“ zum Beispiel. Das Percussion-Quartett groovte und trommelte auf allem, was ein gestandener „EuroSkills“-Haushalt hergibt: Kochlöffel, Spachteln, Besteck, Werkzeugkisten, Schraubenschlüssel, Bretter und Messer. Bundespräsident Alexander Van der Bellen übermittelte den TeilnehmerInnen („Dass sie heute hier sind, zeigt, dass sie zu den Besten ihres Fachs gehören“) ebenso wie der luxemburgische EU-Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration, Nicolas Schmit, eine Grußbotschaft. „World Skills“-Europa Präsidentin Dita Traidas lobte in ihrer Rede das engagierte Veranstalter-Team, das sich auch von zwei Corona-bedingten Terminverschiebungen nicht aus dem Konzept hat bringen lassen und Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer griff live on stage sogar nach den Sternen, als er den begeisterten TeilnehmerInnen entgegenrief: "May the force be with you." 

Zu sehen und zu spüren war die besondere Atmosphäre der „EuroSkills“-Eröffnung übrigens schon den ganzen Tag über in der Grazer Innenstadt. TeilnehmerInnen gleich mehrerer Delegationen machten dem Uhrturm ihre Aufwartung, am Hauptplatz scherzten und sprachen mehrere estnische und lettische VertreterInnen miteinander. In der Sporgasse begeisterten sich vor allem Franzosen am frischen Himbeereis und der experimentellen Ziegenkäse-Sorte beim Eis Greißler. Und die ItalienerInnen brachten sich vor ihrem Hotel am Grieskai in Stimmung, bevor es heute im Schwarzl Freizeitzentrum richtig zur Sache geht. Worum es bei den Mystery-Aufgaben wohl im Detail geht?