Wirtschafts­bildung als Standortfaktor

Woran es in Österreich mangelt und wie man ökonomische Grundkenntnissen vermitteln kann.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Ausbildende
  • ProblemlöserInnen

Lesedauer:

5 Minuten

AutorIn: Michael Pitour

Bettina Fuhrmann i
WU/Raimo Rumpler

Bettina Fuhrmann

Um das Wirtschaftswissen der Österreicher ist es Studien zufolge oft nicht zum Besten bestellt. Bettina Fuhrmann, die Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien, erklärt, wie sich das ändern lässt.

"Das Wissen der österreichischen Jugend zu Wirtschafts- und Finanzthemen ist – vorsichtig formuliert – lückenhaft, wie aus einer Studie Ihres Instituts für Wirtschaftspädagogik der WU Wien hervorgeht. Was sind die zentralen konkreten Erkenntnisse dieser Studie?"

Bettina Fuhrmann:
Wir haben dazu Ergebnisse aus zwei Untersuchungen: Eine befasste sich mit Schülerinnen und Schülern aus 4. Klassen NMS und Gymnasium, die zweite mit Schülerinnen und Schülern aus der Oberstufe des Gymnasiums. Aus beiden Untersuchungen geht hervor, dass sich die Befragten oft nicht als aktiver Teil des Wirtschaftslebens sehen und insgesamt ein unvollständiges, ja sehr enges Bild der Wirtschaft, ihrer eigenen Rolle in der Wirtschaft, aber auch von Unternehmen haben. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie gern mehr über Wirtschaft lernen würden, weil sie sich für das „Leben nach der Schule“ unzureichend vorbereitet fühlen. Die meisten beziehen ihr eigenes Wirtschaften hauptsächlich auf das Einkaufen in Geschäften. Geld beheben, ein Praktikum machen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um in die Schule zu kommen – all das hat in ihren Augen nichts mit Wirtschaft zu tun. Es fällt den Schülerinnen und Schülern auch schwer zu erklären, was man unter Wirtschaft versteht oder warum wir wirtschaften.

Der Staat wird als sehr dominanter Akteur im Wirtschaftsleben wahrgenommen. Die Befragten ordnen ihm Aufgaben und Kompetenzen zu, die dieser in unserer Wirtschaftsordnung gar nicht hat. Viele Befragte glauben, der Staat lege fest, was importiert und exportiert werde. Manche sind auch der Ansicht, der Staat bestimme die Löhne und Gehälter von Arbeitern und Angestellten. In Bezug auf den Wirtschaftsunterricht äußerten die Befragten, dass momentan im Unterricht das Wiedergeben von Wissen im Vordergrund stehe. Die Befragten würden aber gerne verstehen und erfahren, wo und wie das Gelernte angewendet werden kann. Sie möchten für wesentliche Situationen, zum Beispiel Konsum-, Anlage-, Kredit- und Versicherungsentscheidungen, gut vorbereitet sein. Viele Schülerinnen und Schüler sind sich ihrer Kompetenzdefizite bewusst, aber Sorgen bereiten diese vor allem jenen, die in ihren Familien nicht über wirtschaftliche Themen sprechen können.

 "Braucht es demnach ein schulisches Unterrichtsfach „Wirtschaft“?"

Für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler ist entscheidend: Wie viel Unterrichtszeit steht für bestimmte Inhalte und Lernziele zur Verfügung und wie gut sind die Lehrkräfte fachlich und fachdidaktisch ausgebildet, um sich sicher zu fühlen, den Unterricht abwechslungsreich, praxisorientiert und spannend gestalten zu können. Für beides ist ein eigenes Unterrichtsfach eine wichtige Voraussetzung. So ist gewährleistet, dass es eine auf Wirtschaftsdidaktik spezialisierte Lehrerinnen- und Lehrerausbildung gibt, in der Fachinhalte und fachdidaktische Arbeit auch einen ausreichend großen Stellenwert einnehmen. Ein eigenes Fach stellt zudem sicher, dass eine bestimmte Stundenzahl für die Erarbeitung von Wirtschaftsthemen zur Verfügung steht. Warum soll das für Chemie und Physik, für Biologie und Geschichte, für Mathematik und die Sprachen, auch für Musik und Psychologie möglich sein – und ausgerechnet für Wirtschaft nicht?

 

"An welchen Schrauben muss noch gedreht werden, um die Wirtschaftsbildung von Jugendlichen zu fördern?"

Die drei wesentlichen Stellschrauben sind: gut ausgebildete motivierte Lehrerinnen und Lehrer, ausreichend Unterrichtszeit und Unterrichtsmaterial, das die Lehrerinnen und Lehrer bei ihrer Arbeit unterstützt. Das sind die wesentlichen Voraussetzungen für motivierenden, praxis- und anwendungsorientierten, spannenden und interessanten Unterricht.

 

"Was halten Sie von Initiativen wie "Schule trifft Wirtschaft", mit der die WKÖ unter anderem Wirtschaftsbildung und Financial Literacy fördern will?"

Die Qualität des Unterrichts profitiert vom Einsatz verschiedener zielorientierter Methoden, also auf aktuellem und inhaltlich auf Korrektheit geprüftem Infomaterial, Planspielen, Quizzes und Präsentationen, Unternehmenssimulationen und -erkundungen und vieles mehr zu den vielen Themen und Fragen der Wirtschaft. Dass es hier eine Plattform gibt, die einen Überblick über viele solcher Angebote bietet und es ermöglicht, gezielt zu suchen, ist auf alle Fälle sehr zu begrüßen.

Schule trifft Wirtschaft - der One-Stop-Shop für Österreichs Lehrerinnen und Lehrer

  • „Schule trifft Wirtschaft“ ist der neue One-Stop-Shop der Wirtschaftskammer für alle Lehrerinnen und Lehrer in Österreich. Von Wirtschaftsbildung und Financial Literacy über Entrepreneurship Education bis hin zu Berufsorientierung und Bildungsberatung - hier sind alle Angebote der heimischen Wirtschaft gebündelt, die das Wirtschaftswissen und Unternehmertum der Bevölkerung nachhaltig stärken.
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  • Neben dem Online-Berater gibt außerdem es eine Vielzahl an ausgezeichneten Initiativen, Veranstaltungen und Programmen, die ebenfalls das Unternehmertum und Wirtschaftswissen der Jüngsten stärken:

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