Fitnessclub für neue Arbeit

Co-Working-Spaces sind der kreative Super-Nährboden für Start-ups und Freelancer.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • GründerInnen
  • KleinunternehmerInnen

Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: Jenny Sommer

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Talentgarden

Talent Garden & Co.: In der neuen Generation von Co-Working-Spaces kann man netzwerken, seine Skills trainieren und auch mal abhauen, an den Strand.

„Wir erleben gerade die Roaring Twenties 2.0: Viele, viele Anfragen von Leuten, die das Homeoffice nicht mehr ertragen, die gesehen haben, dass das vielleicht als gelegentliche Alternative taugt, aber nicht zu 100 Prozent“, sagt Raphael Jochmann, Campus-Manager bei Talent Garden Vienna. Talent Garden ist einer von vielen Anbietern, die in Wien gemeinsam genutzte Büroflächen, sogenannte Co-Working-Spaces, vermieten. 

Man teilt sich den wachsenden Markt mit Mitbewerbern, die ebenso trendige Namen tragen: 4 GameChangersHub für Medienleute, ImpactHUB für internationale Klienten oder Synergy7 für Kreative. Gemeinsam ist dieser neuen Generation von Co-Working-Spaces, dass sie mehr bieten als einen Schreibtisch, eine Kaffeeküche und schnelles Internet.  

„Hot Desking“: Flexible Raumverwaltung

Diese neuen „Hubs“ und „Spaces“ verstehen sich als Netzwerk, als Community. Im besten Fall bereiten sie eine Art kreativen Super-Nährboden für Start-ups und Freelancer, deren Projekte hier umso schneller gedeihen sollen. Oft mit Hilfe professioneller Developer, deren Know-how gleich im Package angeboten wird. Man darf sich diese Orte als eine Art Fitnessclub für digitale Arbeit vorstellen – Trainerstunden inklusive. 

Die entsprechende Mitgliedschaft interessiert nicht nur Einzelpersonen und kleine Start-ups, sondern auch arrivierte Unternehmen. So hat sich beispielsweise die Kreativabteilung eines großen Versicherungskonzerns bei Talent Garden eingemietet. „Sie haben das Mothership verlassen, weil sie hier eine kreativere Umgebung haben“, sagt Jochmann. Anfangs kamen sechs Mitarbeiter, mittlerweile sind es 50. Kein Problem, denn das Raumangebot im Co-Working-Space ist flexibel. „Hot Desking“ und „Multi Offer“ lauten die zugehörigen Buzzwords. Jochmann erklärt die Idee: „Eine Firma mietet weniger Tische, als sie Mitarbeiter einsetzt. Sie können dann flexibel entscheiden, ob sie im Homeoffice bleiben oder zu uns kommen wollen.“

Weiterbildung quer durch Europa 

Und dann ist da noch die Möglichkeit zur Weiterbildung: Talent Garden bietet zum Beispiel Fortbildungen in den Bereichen Coding, Data, Marketing, Design und Business. Einige Schulungen sind virtuell und beziehen Teilnehmer aus verschiedenen Standorten in Europa mit ein, denn Talent Garden – gegründet 2011 im italienischen Brescia – betreibt mittlerweile 18 Campus-Filialen in acht europäischen Ländern. Wer sich in der Community-Plattform einloggt, sieht, wer gerade in Dublin, Kopenhagen, Bukarest oder Rom am Arbeiten ist – und was diese Person mitbringt. „Wenn ich kurzfristig jemanden brauche, der etwas codet oder übersetzt, kann ich diese Skills untereinander tauschen“, erklärt Jochmann das Prinzip der „Give and Take Community“. 

Ein Schreibtisch in Barcelona 

Aber auch ganz analog hat die flexibel-vernetzte, internationale Arbeitsplatzkultur, für die Unternehmen wie Talent Garden stehen, ihre Vorteile. „Wenn eines unserer Start-ups sagt: ‚Wir sind demnächst in Mailand‘, kann ich den dortigen Campus- oder Community-Manager kontaktieren und für entsprechende Vernetzung sorgen. Das hat schon öfter gut funktioniert.“  

Es gibt aber auch analoge Vorteile des neuen Arbeitens: Jetzt, wo die Reisebeschränkungen wieder gelockert sind, können Wiener Freelancer ihren Laptop nehmen und einen Schreibtisch in Barcelona beziehen. Leichthin, als wüsste er nicht, dass er gerade eine Trumpfkarte spielt, sagt Raphael Jochmann: „Einen Arbeitsplatz mit Strand, den hat nicht jeder!“

Co-Working gibt es auch in den österreichischen Landeshauptstädten


  • St. Pölten: Die Box ist der erste Co-Working-Space in St. Pölten. Das von außen quietschgrün gestrichene Gemeinschaftsbüro erstreckt sich über ganze 480 m2. 

  • Graz: Im schicken Lendviertel befindet sich der Co-Working-Space Spacelend , der 20 fixe und 10 flexible Arbeitsplätze bietet, die nach eigener Aussage „mindestens so gut ausgestattet sind wie die NASA-Headquarters“. Video-Tipp: Der Spacelend-Clip auf YouTube!

  • Innsbruck: Was so schön heißt, kann nicht verkehrt sein: In Innsbruck arbeiten und netzwerken Kreative aller Branchen auf über 800 m2 im Wundervoll.

  • Klagenfurt: Und auch in Klagenfurt ist der Trend zum Co-Working angekommen: Das Leuchtturm-Co-Working vermietet mottogemäß keine Arbeitsräume, sondern „Kajüten“.

  • Salzburg: Unkompliziert einchecken kann man auf der Website von Co-Working Salzburg: Ähnlich wie bei Talent Garden und Co. kann man sich hier auch einen Experten buchen und coachen lassen, und all das gerne auf Englisch: „First day is on us, coffee is included!“

  • Linz: Pionierarbeit leistete der Co-Working-Space Daxbau, als er 2010 in Linz öffnete. Heute arbeiten hier Start-ups, Entrepreneurs, Freelancer und EPUs auf rund 100 m2: 220 Euro kostet ein Rund-um-die-Uhr-Schreibtisch pro Monat. Entsprechend weniger zahlt, wer nur 3-mal die Woche kommt.