Skaten auf Meeresplastik

Das MARI€-Startup des Monats Juni: Kape Skateboards aus Linz


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • GründerInnen
  • Umweltbewusste

Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: Eva Baumgardinger

Peter Karacsonyi i
WKÖ/DMC

Kape aus Linz machen Skateboards aus alten Fischernetzen und pitchen im Herbst beim Startup World Cup. 

Als Jugendlicher hat Peter Karacsonyi ein Problem: Die Boards, die der begeisterte Skater aus Thalheim bei Wels verwendet, gehen durch die vielen Sprünge am Asphalt schnell kaputt. „Vier Skateboards in einer Woche, so etwas ist nicht leistbar.“ Ihm ist klar: „Das muss sich ändern - und ich muss es selbst in die Hand nehmen.“ Der Sportgymnasiast wundert sich, dass für Geräte wie Tennisschläger oder Skier längst High-End-Technologien und -Materialien verwendet werden und „nur Skateboards noch immer aus Holz gebaut“ werden. 

Peter Karacsonyi i
Christoph Weiermair

Die elterliche Garage wird daher kurzerhand in eine Werkstatt umfunktioniert, Karacsonyi experimentiert mit Werkstoffen wie Carbon, Glasfasern, Bambus. „Acht Jahre und 350 Prototypen“ später ist er mit dem Ergebnis zufrieden. Die ersten Boards von Kape werden 2014 „an Freunde – und Freunde von Freunden – verkauft.“ Der Laden läuft, als er ein Jahr später beim Studium der Sportgerätetechnik an der FH Technikum Wien den Salzburger Profi-Crossfitter Daniel Jahn kennenlernt. Die beiden tüfteln beim Pendeln in der Westbahn an der Frage, wie man Boards noch leichter und robuster bauen kann, Jahn steigt schließlich bei Kape ein. „Wir ergänzen uns super. Daniel ist der zweitfitteste Österreicher, ich habe immer sehr bewundert, was er neben dem Crossfit-Training alles schafft. Dieser Charakter zieht sich auch durch die Arbeit“, erzählt der heute 28-Jährige.

Skaten auf Meeresplastik

Aktuell wird am nächsten Material-Coup gewerkt: Kapes „Vanguard“ ist das bisher innovativste Skateboard - Leichtbaukonstruktion und vollautomatisierbare Fertigung inklusive. Vor allem aber punktet es mit einem revolutionären, besonders belastbaren Materialmix: Kape setzt auf recyceltes Meeresplastik. „Wir verwenden Fischernetze. Der Unterschied zu normalen Skateboards besteht darin, dass unsere Boards fast unzerbrechlich sind, viel mehr ´Pop´ haben, besser sliden, dünner sind und dennoch länger halten“, erklärt Karacsonyi. Die ersten Boards sollen diesen Sommer fertiggestellt werden. 

Fit für das Valley

Ein Meilenstein in der Skateboard-Welt und ein Konzept, dass auch für die Produktion anderer Sportgeräte Anwendung finden kann. Beim Österreich-Finale des Startup World Cups im Mai konnte das ClimateTech Startup damit die hochkarätige Jury überzeugen. Im Herbst werden Peter Karacsonyi und Daniel Jahn beim globalen Finale im Silicon Valley teilnehmen. „Es ist eine große Ehre für uns, Österreich vertreten zu dürfen. Ehrlich gesagt war uns aber nicht ganz klar, was für ein großes Ding das ist.“

Investment in Sicht

Zusätzlich bekommt Kape die "Go SiliconValley-Förderung" der WKO - dadurch stehen weitere wertvolle finanzielle und strategische Möglichkeiten an der Westküste offen. Und auch größere Investments stehen unmittelbar vor der Tür. Eine Beteiligungsgesellschaft hat zugesagt, einen mittleren sechsstelligen Betrag in das Unternehmen zu investieren, die Details dazu gibt es Mitte Juni. Und: Der amerikanische Ex-Skateprofi Dallas Rockvam ist seit Kurzem bei Kape an Bord und liefert als Berater wichtige Kontakte und Insights in die Dynamik des Marktes.