"Weltausstellung als Plattform für klimaneutrale Technologien"

Was der Österreich-Pavillion in Dubai für die heimischen Unternehmen bringt


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Lesedauer:

4 Minuten

AutorIn: Fabian Schastok

Österreichischer Pavillon für die Expo 2021 in Dubai i
Expo Austria

Richard Bandera, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, über den langsamen Umstieg auf nicht fossile Energie, das gigantische Bevölkerungswachstum und die Chancen, die die Weltausstellung 2021/22 bietet.

"Wie gehen die Vereinigten Arabischen Emirate mit Corona um?"

Richard Bandera:
Die Fallzahlen schwanken zwischen 150 und 1.000 pro Tag. Dank Homeoffice und guter Gesundheitsversorgung im Land ist die Letalität jedoch gering. Nachdem die Grenz- und Flugverbindungen Mitte März gekappt wurden, konnte die Virusgefahr auch dank Covid-Testungen im großen Stil und strengen Hygienevorschriften eingedämmt werden.


"Wie wirkt sich die aktuelle Weltwirtschaftskrise auf die Emirate aus?"

Richard Bandera:
Dubai und Abu Dhabi gehen unterschiedlich mit der Pandemie um. Der Hauptgrund liegt in den Staatsreserven, die im Emirat Abu Dhabi aufgrund des Öl- und Gasreichtums weiterhin gegeben sind. Mit einem Vermögen der "Sovereign Wealth Funds" von einer Billion US-Dollar muss man sich um das Emirat keine Sorge machen, und das erlaubt auch eine vorsichtigere Öffnung. Dubai allerdings ist überschuldet, was noch eine Folge der Finanzkrise von 2008 ist. Abu Dhabi ist dann mit einem Kredit über 20 Milliarden US-Dollar eingesprungen, um die Betriebe im Staatseigentum zu stützen. Dass Dubai nun versucht, seine Wirtschaft durch eine rasche Öffnung anzukurbeln, liegt auch an diesem großen Finanzbedarf.

Hat sich die Wirtschaft der VAE in den vergangenen Jahren gewandelt, vor allem in Hinblick auf Klimaschutz?

Richard Bandera:
Die Bevölkerungsexplosion der letzten zehn Jahre hat zu einer Verdoppelung der Einwohner Abu Dhabis geführt. Daher steht die Trinkwasser- und Energieversorgung ganz oben auf der Agenda. Um das Ziel einer Reduktion des ökologischen Fußabdrucks zu erreichen, haben die VAE die "Energy Strategy 2050" ins Leben gerufen, die den Einsatz nicht fossiler Brennstoffe von 25 auf 50 Prozent vorsieht. Dies inkludiert allerdings auch die Kernkraft.


"Worin bestehen Handels- oder Expansionschancen für österreichische Unternehmen?"

Richard Bandera:
Österreich wird während der Weltausstellung Expo 2020 vom 1. Jänner 2021 bis 31. März 2022 in Dubai mit einem klimaneutralen Pavillon auf sich aufmerksam machen. Eine ideale Plattform, um Technologien mit Zukunftspotenzial auf den Gebieten E-Commerce, E-Services, Logistikdienstleistung, Sicherheitstechnologie, Digitalisierung im Bildungsbereich, energie- und wassersparendem Bauen und Betreiben, Lebensmittelsicherheit und biologischer Ernährung, Gesundheitstechnologie oder Umwelttechnologien vorzustellen. Hier machen wir vermehrt Chancen aus.

VAE in Zahlen

  • Einwohner: 9,8 Millionen
  • Fläche: 83.600 km² 
  • BIP: 322 Mrd. US-Dollar, 57.224 US-Dollar pro Kopf, –5,3 % (Prognose 2020)
  • Arbeitslosigkeit: 3 %
  • Staatsverschuldung: 68,2 % des BIP
  • Inflation: –1,8 %

Österreich in den VAE

  • Export: Im Ranking der wichtigsten Exportmärkte auf Rang 33.
  • Direktinvestitionen: 2019 8 Mrd. Euro; wichtigstes Ziel außerhalb Europas
  • Österreichische Unternehmen in VAE: etwa 150 Unternehmen, 10 produzieren vor Ort.
  • Chancen für österreichische Unternehmen: v. a. E-Commerce, Energieeffizienz, Logistik.