Mehr junge Gründer:innen, mehr Unternehmergeist

Über 21.000 Neugründungen im ersten Halbjahr 2026 – und die Jüngsten treiben den Trend. 


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Entrepreneur:innen
  • Gründer:innen

Lesedauer:

5

Minuten

AutorIn: Eva Baumgardinger

Foto: Eine Person mit Laptop steigt eine moderne Treppe hinauf. i
Med Photo Studio | stock.adobe.com

Trotz schwieriger Zeiten entscheiden sich immer mehr Menschen für den Schritt in die Selbständigkeit – und besonders die Jungen gründen. Wir zeigen, was hinter den Zahlen steckt und was jetzt getan werden muss, damit aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen werden. 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Im ersten Halbjahr 2026 wurden 21.718 Unternehmen neu gegründet – ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 
  • Die stärksten Zuwächse gibt es bei den unter 20-Jährigen und den 20- bis 30-Jährigen
  • Für die meisten Gründer:innen ist Selbständigkeit eine bewusste Entscheidung, keine Notlösung: 67,9 Prozent wollen ihre eigene Chefin oder ihr eigener Chef sein. 
  • 41,1 Prozent starten nebenberuflich – Gründung wird zunehmend zum schrittweisen Einstieg ins Unternehmertum. 
  • Größte Hürden bleiben Bürokratie, Steuer- und Sozialversicherungsregelungen sowie der Zugang zu Kapital. 
  • Die WKÖ fordert einen digitalen One-Stop-Shop für Gründungen, einen Beteiligungsfreibetrag und mehr Flexibilität bei der Arbeitslosenversicherung für Selbständige. 

Junge Menschen entdecken das Unternehmertum 

In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zeigt sich ein bemerkenswerter Trend: Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für den Sprung in die Selbständigkeit. Die stärksten Zuwächse bei den Unternehmensgründungen verzeichnen aktuell die unter 20-Jährigen sowie die 20- bis 30-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Gründer:innen liegt bei 36,6 Jahren. 

Der Jugend-Trend ist kein einmaliger Ausschlag, sondern bestätigt sich zwei Jahre in Folge.

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Bewusste Entscheidung statt Notlösung 

Gründen als "Notlösung"? Das war vielleicht einmal, denn die aktuelle Motivumfrage des WKÖ-Gründerservice zeichnet ein anderes Bild.  

Für die überwiegende Mehrheit ist Selbständigkeit eine positive, bewusste Lebensentscheidung.

Auch die Art des Einstiegs verändert sich: Bereits 41,1 Prozent der Gründer:innen starten nebenberuflich, 79,2 Prozent davon bleiben zunächst in einem Angestelltenverhältnis. Gründung wird damit für viele zum schrittweisen Aufbau eines zweiten wirtschaftlichen Standbeins statt zum radikalen Bruch. 

Wo Österreich gerade am stärksten gründet 

Bei den Neugründungen nach Sparten dominieren Gewerbe und Handwerk (37,8 Prozent), Information und Consulting (23,4 Prozent) sowie der Handel (22,9 Prozent). Besonders dynamisch wachsen Information und Consulting (+18,5 Prozent) und Transport und Verkehr (+30 Prozent). 

82,6 Prozent der Gründer:innen starten als Einzelunternehmen. 42,5 Prozent der Neugründungen im ersten Halbjahr 2026 entfallen auf Frauen.

Nicht die Gründungsbereitschaft bremst, sondern die Bürokratie 

So erfreulich die Zahlen sind: Hinter jeder Gründung steckt weit mehr als eine Gewerbeanmeldung. Es entstehen Innovationen, Investitionen, neue Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Die größte Herausforderung ist dabei nicht fehlender Unternehmergeist, sondern Rahmenbedingungen, die mit dieser Dynamik nicht Schritt halten

Laut Motivumfrage zählen Bürokratie, komplexe Behördenwege sowie Sozialversicherungs-, Steuer- und Abgabenregelungen und der Zugang zu Finanzierung zu den größten Hürden für Gründer:innen. Gleichzeitig wünschen sich 78,1 Prozent einen zentralen digitalen One-Stop-Shop für Gründungen. 

Damit aus guten Ideen tatsächlich erfolgreiche Unternehmen werden, braucht es jetzt konkrete Verbesserungen: 

  • Digitaler One-Stop-Shop: Alle gewerblichen Unternehmensgründungen sollen – unabhängig von Rechtsform oder Behörde – vollständig digital und unbürokratisch abgewickelt werden können.
  • Beteiligungsfreibetrag: Private Beteiligungen an Unternehmensgründungen sollen bis 100.000 Euro über fünf Jahre steuerlich absetzbar sein, um zusätzliches Kapital für Gründung, Innovation und Wachstum zu mobilisieren.
  • Mehr soziale Sicherheit: Mehr Flexibilität bei der Arbeitslosenversicherung für Selbständige im Opting-in-Modell soll das persönliche Risiko einer Gründung reduzieren.

Beratung bleibt gefragt – auch im digitalen Zeitalter 

Das WKO-Gründerservice unterstützt jährlich tausende Gründer:innen: 2025 gab es mehr als 56.000 Beratungen und 177.100 Kontakte an über 90 Standorten sowie 30.300 elektronische Gewerbeanmeldungen.  

7 von 10 Gründer:innen haben laut Motivumfrage bereits Leistungen des Gründerservice genutzt, knapp 80 Prozent wünschen sich weiterhin persönliche Beratung. Digitalisierung und KI werden dabei als sinnvolle Ergänzung gesehen – ersetzen aus Sicht der Gründer:innen aber nicht die individuelle Beratung. 

Der Nachwuchs ist da – jetzt zählt die Politik 

Die Zahlen zeigen: Der unternehmerische Nachwuchs in Österreich ist da, und er ist jünger, digitaler und selbstbewusster als frühere Generationen. Was jetzt fehlt, sind nicht gute Ideen, sondern bessere Rahmenbedingungen. Weniger Bürokratie, ein digitaler One-Stop-Shop und ein einfacherer Zugang zu Kapital würden dafür sorgen, dass aus dieser Gründungslust auch nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg wird. 

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