Schiedsklauseln: Diese Fehler sollten Unternehmen vermeiden

Unklare oder unnötig komplizierte Klauseln können im Streitfall Zeit und Geld kosten.


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  • Global Player

Lesedauer:

5

Minuten

AutorIn: Lukas Schwaighofer-Fugger

Goldene Stifte sind mit Fäden zu einem Netzwerk verbunden; in der Mitte liegt ein Drahtknäuel. i
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Welche Fehler sollten Unternehmen bei Schiedsklauseln vermeiden? VIAC-Generalsekretärin Niamh Leinwather erklärt, worauf es bei der Formulierung ankommt und wie sich Kosten und Dauer eines Schiedsverfahrens einschätzen lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schiedsverfahren sind vor allem bei grenzüberschreitenden und komplexen Streitfällen eine Alternative zum staatlichen Gerichtsverfahren.
  • Ein häufiger Fehler: Unternehmen verändern bewährte Musterklauseln unnötig oder kombinieren unterschiedliche Streitbeilegungsmechanismen.
  • Unternehmen sollten unter anderem die Anzahl der Schiedsrichter:innen, Verfahrenssprache, anwendbares Recht, beschleunigte Verfahren und Vertraulichkeit klären.
  • VIAC empfiehlt, eine etablierte Musterklausel zu verwenden und diese nur dort anzupassen, wo es die konkrete Transaktion erfordert.
  • Ein durchschnittliches VIAC-Verfahren dauerte 2025 13 Monate.

Gerade bei grenzüberschreitenden Geschäften kann eine gut formulierte Schiedsklausel entscheidend sein, wenn es später zum Konflikt kommt. Welche Fehler Unternehmen vermeiden sollten und wie sich Kosten und Dauer eines Verfahrens einschätzen lassen, erklärt VIAC-Generalsekretärin Niamh Leinwather.


Mehr Flexibilität

Frau Leinwather, warum brauchen Unternehmen überhaupt Schiedsverfahren?

"Schiedsverfahren bieten Unternehmen eine neutrale, effiziente und international durchsetzbare Möglichkeit, Streitigkeiten beizulegen. Das ist insbesondere bei grenzüberschreitenden Geschäften wichtig, bei denen die Parteien möglicherweise zögern, einen Rechtsstreit vor den Gerichten im Heimatland ihres Vertragspartners auszutragen.

Anders als bei Gerichtsverfahren können die Parteien bei einem Schiedsverfahren Entscheidungsträger:innen mit relevanter Branchenerfahrung auswählen. Zudem bietet es mehr Flexibilität, Vertraulichkeit und Kontrolle über das Verfahren.

Kurz gesagt: Ein Schiedsverfahren lässt sich stärker an die Bedürfnisse der Parteien und die jeweilige Geschäftsbeziehung anpassen als ein staatliches Gerichtsverfahren."

Für welche Unternehmen und Streitfälle eignet sich ein Schiedsverfahren besonders – und wann eher nicht?

"Schiedsverfahren sind besonders geeignet für international tätige Unternehmen, insbesondere wenn Verträge Parteien aus mehreren Rechtsordnungen betreffen oder Projekte spezielles Fachwissen erfordern. Sie werden häufig in Bereichen wie Bauwirtschaft, Energie, Infrastruktur, Technologie, Produktion und internationalem Handel eingesetzt, wo Streitigkeiten technisch komplex sein und hohe Streitwerte betreffen können.

Bei Streitigkeiten mit sehr geringem Streitwert ist ein Schiedsverfahren allerdings nicht immer die kosteneffizienteste Möglichkeit. In solchen Fällen können vereinfachte Verfahren, Mediation oder staatliche Gerichtsverfahren geeigneter sein."

Gut formulierte Klauseln sparen Zeit und Kosten

Was ist der häufigste Fehler, den Sie bei Schiedsklauseln sehen? Welche Punkte sollten Unternehmen ausdrücklich regeln?

"Der häufigste Fehler besteht darin, die Schiedsklausel unnötig kompliziert zu gestalten. Unternehmen ändern häufig Standardklauseln ab oder kombinieren unterschiedliche Mechanismen zur Streitbeilegung ohne die Konsequenzen zu verstehen. Dadurch entsteht genau dann Unsicherheit, wenn tatsächlich ein Streit auftritt.

Der sicherste Weg ist in der Regel auch der einfachste: eine etablierte Musterklausel zu verwenden. VIAC stellt eine Standard-Schiedsklausel zur Verfügung, die direkt in einen Vertrag aufgenommen werden kann und darauf ausgelegt ist, spätere unnötige Verfahrensstreitigkeiten zu vermeiden.

Die Parteien sollten insbesondere überlegen, folgende Punkte ausdrücklich zu regeln:

  • die Anzahl der Schiedsrichter:innen,
  • die Sprache des Verfahrens,
  • das anwendbare Recht,
  • ob ein beschleunigtes Verfahren zur Anwendung kommen soll und
  • Regelungen zur Vertraulichkeit.

Eine gut formulierte Klausel bei Vertragsabschluss kann erheblich Zeit und Kosten sparen, wenn Jahre später ein Streit entsteht."



VIAC-Generalsekretärin Niamh Leinwatheri
Marlene Rahmann

Wer Probleme mit Schiedsklauseln vermeiden will, sollte auf Bewährtes zurückgreifen: Nutzen Sie die VIAC-Musterklausel, halten Sie die Regelung möglichst einfach und passen Sie sie nur dort an, wo es für die konkrete Transaktion notwendig ist.

Niamh Leinwather - VIAC-Generalsekretärin

Vorteil = Planbarkeit

Wie lassen sich Kosten und Dauer eines Schiedsverfahrens abschätzen? 

"Einer der Vorteile institutioneller Schiedsverfahren ist ihre Planbarkeit.

Die Wiener Regeln enthalten eine transparente Kostentabelle und VIAC stellt einen Online-Kostenrechner zur Verfügung. Damit können Parteien die Kosten bereits vor Beginn eines Verfahrens abschätzen. Anders als bei vielen staatlichen Gerichtssystemen sind die wesentlichen Kosten eines Schiedsverfahrens daher von Beginn an weitgehend vorhersehbar.

Die Dauer eines Verfahrens hängt von Faktoren wie der Komplexität des Streits, dem Streitwert, der Anzahl der Schiedsrichter:innen und den verfahrensbezogenen Entscheidungen der Parteien ab. Auch wenn jeder Fall unterschiedlich ist, steuert VIAC die Verfahren aktiv mit dem Ziel, Effizienz zu fördern und unnötige Verzögerungen zu vermeiden.

Ein durchschnittliches Verfahren bei VIAC dauerte im Jahr 2025 13 Monate."

Wie unterstützt VIAC Unternehmen?

"VIAC administriert Schiedsverfahren und andere Streitbeilegungsverfahren nach den Wiener Regeln. VIAC stellt den verfahrensrechtlichen Rahmen bereit, überwacht den Verfahrensablauf und unterstützt die Parteien und Schiedsgerichte während des gesamten Verfahrens.  VIAC entscheidet jedoch nicht über den Streit selbst. Das tun unabhängige Schiedsrichter:innen, die von den Parteien ausgewählt oder nach den Wiener Regeln bestellt werden.

VIAC übernimmt damit die administrative Betreuung des Verfahrens, während die Entscheidung in der Sache bei den unabhängigen Schiedsrichter:innen liegt.

Auch bereits bei der Vertragsgestaltung stellt VIAC Informationen und Hilfsmittel zur Verfügung, darunter Musterklauseln, Informationsmaterialien und einen Kostenrechner. Parteien und ihre Rechtsvertreter:innen haben außerdem direkten Zugang zum erfahrenen VIAC-Sekretariat, das für seine gute Erreichbarkeit und aktive Verfahrensbetreuung bekannt ist."

Checkliste: Fünf Punkte für die Schiedsklausel

  1. Institution und Regeln: Eindeutiger Verweis auf VIAC und die Wiener Regeln. 
  2. Schiedsgericht: Eine:r oder drei Schiedsrichter:innen?
  3. Verfahrenssprache: In welcher Sprache soll das Verfahren geführt werden?
  4. Anwendbares Recht: Welches materielle Recht soll gelten?
  5. Besondere Regelungen: Sollen die Regeln für ein beschleunigtes Verfahren gelten? Sind zusätzliche Vertraulichkeitsregelungen anzuwenden?