So kommen österreichische Firmen bei CERN zum Zug

So finden heimische Betriebe CERN-Aufträge, vermeiden Fehler und erhöhen ihre Chancen.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wissenshungrige
  • Weiterdenker:innen

Lesedauer:

5

Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Künstlerische Darstellung des Tunnels für den FCC-hh (Proton-Proton-Kollider) i
CERN/PIXELRISE

CERN sucht nicht nur Hightech. Auch österreichische KMU können mit Präzision, Elektronik, Software oder Spezialfertigung punkten – wenn Angebot und Vorbereitung stimmen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Einstieg beginnt mit Sichtbarkeit: Unternehmen sollten sich mit den CERN-Beschaffungsprozessen vertraut machen, im Beschaffungsportal registrieren und ihre Kompetenzen klar hinterlegen.
  • Sorgfalt entscheidet mit über den Zuschlag: Unvollständige Unterlagen, unklare technische Beschreibungen oder unrealistische Lieferzusagen können auch fachlich starke Anbieter aus dem Rennen werfen.
  • Eine CERN-Referenz ist keine Voraussetzung: Unternehmen können ihre Eignung auch mit vergleichbaren Projekten, Zertifizierungen, Referenzen aus anspruchsvollen Branchen und nachvollziehbarer technischer Expertise belegen.
  • Österreichische Kompetenzen passen zu vielen Bedarfen: Chancen bestehen unter anderem in Präzisionsfertigung, Maschinenbau, Automatisierung und Elektronik sowie bei Software, Digitalisierung, Leistungselektronik, Kryotechnologien und Spezialkomponenten und ganz aktuell für das geplante Riesenprojekt Future Circular Collider (FCC).
  • Früh informieren zahlt sich aus: Die Plattform "Forthcoming Tendering Procedures" macht geplante Beschaffungen früh sichtbar. Unterstützung beim Einstieg bietet für österreichische Unternehmen zudem das AußenwirtschaftsCenter Zürich.

CERN vergibt Aufträge weit über klassische Hightech-Projekte hinaus – von Elektronik und Präzisionsfertigung bis Software und spezialisierten Dienstleistungen. Für österreichische Unternehmen kann das neue Geschäftschancen eröffnen. Entscheidend sind eine frühe Registrierung, ein passendes Kompetenzprofil und präzise Angebote. Wer kommende Ausschreibungen im Blick behält, kann sich gezielt vorbereiten.


So gelingt der Einstieg als CERN-Lieferant

"Frau Nechydiuk, wenn morgen ein Unternehmen sagt: "Wir wollen mit CERN ins Geschäft kommen" – welche drei Dinge sollte es als Erstes tun?"

"Erstens sollte sich das Unternehmen mit den Beschaffungsprozessen von CERN vertraut machen und sich auf unserem Beschaffungsportal registrieren. Viele Geschäftsmöglichkeiten ergeben sich bereits dadurch, dass ein Unternehmen sichtbar ist und seine Kompetenzen klar hinterlegt.

Zweitens empfehle ich, das eigene Leistungsportfolio kritisch mit den Bedarfen von CERN abzugleichen. Wir suchen nicht nur Hightech-Lösungen, sondern auch spezialisierte industrielle Produkte, Dienstleistungen und Fertigungskompetenzen. Oft sind Unternehmen überrascht, wie breit unser Beschaffungsspektrum ist.

Drittens lohnt sich der Kontakt zur nationalen Industrie-Liaison-Stelle. In Österreich ist dies das AußenwirtschaftsCenter Zürich, das Unternehmen dabei unterstützt, relevante Ausschreibungen zu identifizieren, Anforderungen besser zu verstehen und den Einstieg in die Zusammenarbeit mit CERN zu erleichtern."

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Diese Fehler kosten bei CERN-Ausschreibungen Chancen 

Was unterschätzen Unternehmen am häufigsten, wenn sie sich erstmals um einen Auftrag bei CERN bemühen – und an welchen vermeidbaren Fehlern scheitern geeignete Anbieter:innen immer wieder? 

 "Viele Unternehmen unterschätzen, wie wichtig es ist, die Ausschreibungsunterlagen sorgfältig und vollständig zu bearbeiten. Technisch sehr gute Anbieter können bereits dadurch ins Hintertreffen geraten, dass Anforderungen nicht vollständig beantwortet oder geforderte Dokumente nicht eingereicht werden.

Ein weiterer häufiger Irrtum ist die Annahme, dass ausschließlich Großunternehmen oder langjährige CERN-Lieferanten Chancen haben. Tatsächlich sind wir immer auf der Suche nach neuen kompetenten Partnern. Was zählt, ist die Fähigkeit, die Anforderungen zuverlässig und nachvollziehbar zu erfüllen.

Vermeidbare Fehler sind insbesondere unklare technische Beschreibungen, unrealistische Lieferzusagen oder Angebote, die sich nicht ausreichend an den spezifizierten Anforderungen orientieren. Je präziser und transparenter ein Angebot ist, desto besser können wir dessen Mehrwert bewerten."

Darauf kommt es bei einem Angebot an CERN an

Technische Qualität, Preis, Liefersicherheit, Erfahrung, Innovationsfähigkeit: Was macht bei einem Angebot in der Praxis den Unterschied – und wie kann auch ein Unternehmen ohne CERN-Referenz überzeugen? 

"Die Gewichtung hängt vom jeweiligen Beschaffungsvorhaben ab. Grundsätzlich erwarten wir eine überzeugende technische Lösung, wettbewerbsfähige Konditionen und ein hohes Maß an Zuverlässigkeit.

Ein Unternehmen ohne CERN-Referenz kann durchaus erfolgreich sein. Entscheidend ist, die eigene Kompetenz nachvollziehbar zu belegen, etwa durch vergleichbare Projekte, Zertifizierungen, Referenzen aus anderen anspruchsvollen Industrien oder eine klar dargestellte technische Expertise.

Besonders positiv ist es, wenn Unternehmen zeigen können, dass sie Herausforderungen lösungsorientiert angehen und bereit sind, gemeinsam mit dem Kunden innovative Ansätze zu entwickeln. Bei CERN arbeiten wir häufig an technisch anspruchsvollen und einzigartigen Projekten, bei denen Fachwissen und Flexibilität eine wichtige Rolle spielen."



Corinna Nechydiuki
Corinna Nechydiuk

Österreichische Unternehmen verfügen über anerkannte Stärken in Bereichen wie Präzisionsfertigung, Maschinenbau, Automatisierung und Elektronik. Diese Kompetenzen decken sich mit wichtigen Beschaffungsfeldern von CERN.

Corinna Nechydiuk, CERN Procurement Officer

Gute Chancen für österreichische Unternehmen bei CERN

Wo sehen Sie derzeit besonders gute Chancen für österreichische Unternehmen – und gibt es Kompetenzen, bei denen Österreich bei CERN eigentlich stärker vertreten sein könnte? 

"Die anerkannten Stärken österreichischer Unternehmen in Bereichen wie Präzisionsfertigung, Maschinenbau, Automatisierung und Elektronik decken sich mit wichtigen Beschaffungsfeldern von CERN. Gleichzeitig sehen wir wachsende Bedarfe in Bereichen wie Software, Digitalisierung, Leistungselektronik, kryogenen Technologien und hochspezialisierten Komponenten. Diese Einschätzung stützt sich auf aktuelle und geplante Beschaffungsaktivitäten von CERN sowie auf die Kompetenzen, die österreichische Unternehmen bereits heute erfolgreich in internationalen Technologiemärkten einsetzen.

Zusätzliche Perspektiven ergeben sich durch den möglichen Future Circular Collider (FCC), für den CERN bereits Vorbereitungsarbeiten durchführt. Im Falle einer Genehmigung werden insbesondere zwischen 2027 und 2035 umfangreiche Beschaffungen erwartet, die für österreichische Unternehmen attraktive Geschäftsmöglichkeiten schaffen könnten.

Österreich gehört derzeit zudem zu den CERN-Mitgliedstaaten mit einem unterdurchschnittlichen industriellen Rückfluss. Dadurch können österreichische Unternehmen in bestimmten Beschaffungsbereichen von beschränkten Ausschreibungsverfahren profitieren.

Unternehmen, die konkrete Chancen identifizieren möchten, sollten insbesondere die Plattform "Forthcoming Tendering Procedures" beobachten, auf der kommende Beschaffungsvorhaben frühzeitig veröffentlicht werden."

CERN als Referenz für Innovation und neue Märkte

Was kann eine Zusammenarbeit mit CERN einem Unternehmen über den einzelnen Auftrag hinaus bringen – etwa bei Know-how, Reputation, Innovation oder beim Zugang zu weiteren Märkten? 

"Eine Zusammenarbeit mit CERN ist oft weit mehr als ein einzelner Auftrag. Unternehmen arbeiten an Projekten, die weltweit zu den technologisch anspruchsvollsten gehören. Das führt häufig zu neuen technischen Erkenntnissen, Weiterentwicklungen bestehender Produkte und innovativen Lösungen, die später auch in anderen Märkten eingesetzt werden können.

Darüber hinaus ist CERN für viele Unternehmen eine wertvolle Referenz. Die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts in einem internationalen Forschungsumfeld zeigt potenziellen Kunden, dass ein Unternehmen hohe Anforderungen an Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit erfüllen kann.

Nicht zuletzt entstehen durch die Zusammenarbeit Kontakte zu internationalen Forschungseinrichtungen, Industriepartnern und Technologie-Netzwerken, aus denen sich weitere Geschäftsmöglichkeiten entwickeln können."

Kommende CERN-Ausschreibungen frühzeitig erkennen

Wenn ein österreichisches Unternehmen jetzt aktiv werden möchte: Was ist der eine konkrete Schritt, den Sie ihm für morgen empfehlen würden? 

"Wenn ein österreichisches Unternehmen morgen einen konkreten Schritt setzen möchte, dann sollte es die Plattform "Forthcoming Tendering Procedures" von CERN besuchen. Dort sind geplante Beschaffungen bereits im Vorfeld sichtbar.

Unternehmen können so frühzeitig erkennen, wo ihre Kompetenzen zu den künftigen Bedarfen von CERN passen, und sich gezielt auf kommende Ausschreibungen vorbereiten. Wer diese Informationen regelmäßig verfolgt und sein Kompetenzprofil bei CERN aktuell hält, verbessert seine Chancen deutlich, relevante Geschäftsmöglichkeiten rechtzeitig zu erkennen."