So reagiert die Firma LiSEC auf den Ukraine-Krieg

Herausforderungen durch die Lage in der Ukraine und Sanktionen gegen Russland.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • WeiterdenkerInnen
  • ExporteurInnen

Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: Jürgen Zacharias

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Lisec

Gottfried Brunbauer, CEO LiSEC

Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg auf sein Unternehmen, den Maschinenbauer LiSEC? Und wie betroffen ist es von den Sanktionen gegen Russland? Ein Gespräch mit LiSEC-CEO Gottfried Brunbauer.

"Herr Brunbauer, die Firma LiSEC hat bislang mit vier lokalen Mitarbeitern in der Hauptstadt Kiew die Ersatzteilversorgung und den After Sales Service in der Region sichergestellt, den Standort aber gleich nach Beginn der Kampfhandlungen geschlossen. Welche Strategie verfolgen Sie nun vor Ort?"

Gottfried Brunbauer:
Wir versuchen unseren vertraglichen Verpflichtungen in der Krisenregion, aber auch in Russland, soweit von den Sanktionen und auch von der praktischen Abwicklung her möglich, weiter nachzukommen. Es ist aber aufgrund der schwierigen Situation natürlich nicht leicht, alle Transporte, Montagen und Zahlungsflüsse sicherzustellen. Unser Glück ist, dass trotz des interessanten Absatzvolumens und Absatzpotenzials in der Region, Einbrüche in diesen Märkten für LiSEC nicht bedrohlich sind. Dazu kommt, dass wir auch auf der Beschaffungsseite nicht von ukrainischen und russischen Lieferanten abhängig sind.

Das Wichtigste in fünf Sätzen

  • Als Reaktion auf den Ausbruch des Ukraine-Kriegs hat der Mostviertler Glasbearbeitungsmaschinen-Hersteller Lisec sein Büro in Kiew geschlossen.

  • Laut CEO Gottfried Brunbauer versucht das Unternehmen seinen vertraglichen Verpflichtungen in der Region trotzdem nachzukommen.

  • In Zukunft will sich Lisec – auch als Reaktion auf die Corona-Pandemie – trotzdem breiter aufstellen.

  • "Wir müssen als Unternehmen stets darauf vorbereitet sein, dass jederzeit das Unerwartete oder das Unvorhersehbare passieren kann", so Brunbauer.

  • "Und wir müssen flexibel, schnell und informiert genug sein, um darauf jederzeit unmittelbar und richtig reagieren zu können."

"Das heißt, die Produktion und Geschäftstätigkeit an allen anderen Standorten läuft aktuell wie gewohnt?"

Ja. In der Produktion und an den übrigen Standorten sind über die Auswirkungen von Corona und über die Auswirkungen der Störungen in den internationalen Lieferketten hinaus, die uns bereits seit längerem beschäftigen und die bisher gut beherrschbar waren, durch die Ukraine-Krise bisher keine weiteren Störungen oder Einschränkungen zu spüren.

 

"Welche Maßnahmen hat Lisec in der Krisenregion konkret gesetzt?"

Abgesehen davon, dass wir wie erwähnt unser Büro in Kiew geschlossen haben, arbeiten wir soweit möglich daran, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort zu unterstützen und sie in Sicherheit zu bringen. Darüber hinaus senden wir als Unternehmen und mit Unterstützung von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Österreich Spenden in Länder wie Polen, um vor Ort zur Linderung des Leids beizutragen.

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"Wie reagieren Sie unternehmerisch auf die furchtbaren Entwicklungen?"

Indem wir die sich ständig ändernden Sanktionen und Rahmenbedingungen genau beobachten und jeweils situationsbezogen entscheiden, wie wir unseren vertraglichen Verpflichtungen bestmöglich nachkommen. Wie Sie sich vorstellen können, ist das alles andere als einfach. Die Situation ist unübersichtlich und ändert sich rasch, da ist es durchaus eine Herausforderung, stets den Überblick zu behalten.

 

"Was bedeuten die Sanktionen gegen Russland für LiSEC?"

Vor allem eine gewisse Einschränkung und viel Mehraufwand für die ständige Beobachtung, Klärung und die Sicherstellung der Beachtung der Sanktionen. Dadurch erwarten wir jedoch bis auf Weiteres keine substanzielle Beeinträchtigung oder Bedrohung unseres Geschäfts.

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"Wie sehen Sie die weitere Entwicklung vor Ort?"

Die Situation ist aufgrund der Unberechenbarkeit des Verhaltens insbesondere von Russland derzeit nicht oder kaum einschätzbar. Bleibt der militärische Konflikt auf die Ukraine und auf Russland beschränkt, werden sich die langfristigen Auswirkungen – abgesehen natürlich vom unglaublichen menschlichen Leid in der Ukraine, abgesehen von einer Zunahme des Misstrauens weltweit und abgesehen von zumindest vorübergehend verstärkten Rüstungsausgaben – vermutlich in Grenzen halten. Weitet sich der Konflikt aber über die Ukraine und Russland hinaus aus oder lässt sich der Konflikt nicht in einem überschaubaren Zeitraum von einigen Monaten lösen, ist die weitere Situation und sind die langfristigen Auswirkungen sowohl auf der politischen als auch auf der wirtschaftlichen Seite weltweit unabsehbar.

 

"Lassen sich darüber hinaus auch schon langfristige Lehren für ihr Unternehmen aus dem Konflikt ziehen?"

Die Lehren aus dem Konflikt, der über Nacht über uns hereingebrochen ist, sind die gleichen wie bereits aus Corona und der Materialversorgungskrise: Wir können in unserer vernetzten und volatilen Welt nicht mehr davon ausgehen, dass es über längere Zeiträume Beständigkeit und berechenbare Entwicklungen gibt. Wir müssen vielmehr als Unternehmen stets darauf vorbereitet sein, dass jederzeit das Unerwartete oder das Unvorhersehbare passieren kann, wodurch sich unsere geschäftlichen Rahmenbedingungen in kürzester Zeit drastisch ändern können. Und wir müssen flexibel, schnell und informiert genug sein, um darauf jederzeit unmittelbar und richtig reagieren zu können.