Ukraine: Wie wirkt sich der Krieg auf die Inflation aus?

Zwei Szenarien über die Auswirkungen des steigenden Gaspreises.


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1 Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Mann dreht Gashahn an einer Pipeline i
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Deutsche Experten haben die Auswirkungen des steigenden Gaspreises auf die Teuerungsrate berechnet.

Neben der humanitären Katastrophe und den geopolitischen Überlegungen hat der Krieg in der Ukraine auch ein weiteres Thema in den Fokus gerückt: Die Abhängigkeit der EU-Mitgliedsstaaten von russischem Erdgas. Österreich ist dabei deutlich stärker betroffen als andere. Rund 80 % der österreichischen Gasimporte stammen aus Russland, der EU-Schnitt liegt bei 44 %. Eine Beschränkung der russischen Erdgaslieferungen würde sich dementsprechend stark auswirken.

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Laut einer Analyse der Europäischen Zentralbank (EZB) würde ein Rückgang des Erdgas-Angebots um 10 % die Wertschöpfung im gesamten Euro-Raum um 0,7 % dämpfen, in Österreich jedoch um 1,25 %. Gegenwärtig wird allerdings nicht mit einer Einschränkung von Gaslieferungen gerechnet. Ganz ausschließen lässt sich eine derartige Eskalationsstufe – wie so vieles im Moment – allerdings nicht. Auch sind die Gasspeicher so weit gefüllt, dass die Versorgung Österreichs bis zum Ende der Winterperiode gewährleistet ist – auch wenn Gasspeicher aufgrund der hohen Preise zuletzt nicht im gleichen Ausmaß befüllt wurden wie in den Jahren davor.

Die aktuellen Unsicherheiten wirken sich allerdings schon jetzt stark auf den Gaspreis aus. Gleich zu Beginn der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar stieg der Erdgaspreis (Dutch TTF) um 42 %. Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln hat mögliche Auswirkungen dieser Verteuerung berechnet.

  • Szenario 1 - Gaspreis bleibt 2022 auf dem Niveau aus dem vierten Quartal 2021: Dadurch würde die Inflation im laufenden Jahr auf 4,3 % steigen und 2023 auf 4,5 %.  Das würde sich auch im privaten Konsum niederschlagen.

  • Szenario 2 - Anstieg der Gaspreise um weitere 50 %: Unter dieser Voraussetzung rechnen die Expertinnen und Experten aus Köln mit einem Ansteigen der Inflationsrate auf 6,1 % im Jahr 2022 und auf 5 % 2023. Das BIP Deutschlands würde im nächsten Jahr 1,4 % geringer ausfallen. Für Österreich sind aktuell noch keine Berechnungen vorhanden.