Mit EU-Förderungen aus der Krise

Wie österreichische Unternehmen vom EU-Wiederaufbaugeld profitieren


Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: Sissi Eigruber

EU Wiederaufbauplan i
f9photos/Envato

Die Europäische Union nimmt für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Coronakrise ordentlich Geld in die Hand. Doch nur wer weiß, wo investiert wird, kann sich um Aufträge bewerben.

Für den Wiederaufbau nach Corona stellt die Europäische Union (EU) 806,9 Milliarden Euro an Fördergeldern zur Verfügung. Davon profitieren Unternehmen, die EU-weit als Auftragnehmer an öffentlichen Projekten mitwirken oder deren Auftraggeber. Wie, das zeigt die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mit dem Projekt "Recover.EU".

Geld für Digitalisierung und Umwelt

Die EU fördert insbesondere Projekte in den Bereichen Digitalisierung und grüne Transformation. Um an den EU-Wiederaufbauhilfen teilhaben zu können, muss man erst einmal wissen, wohin die Gelder fließen. Zur Unterstützung hat die WKÖ mit "Recover.MAP" ein Online-Tool ins Leben gerufen. Bisher wurden mehr als 70 österreichische Betriebe von den AußenwirtschaftsCenters der WKO und dem Enterprise Europe Network (EEN) beraten, wie sie von diesem EU-Wiederaufbau-Fonds profitieren können. MARI€ hat mit österreichischen Unternehmensvertretern gesprochen, die diese Informationen nutzen, um ihren Vertrieb auf die richtigen Hotspots in Europa auszurichten:

Lukas Trautsamwieser, Prokurist und Legal Counsel bei Yunex Traffic. i
Lukas Trautsamwieser

Lukas Trautsamwieser, Yunex Traffic

"Wir arbeiten hauptsächlich für öffentliche Auftraggeber. In unserem Markt geht es daher sehr stark um Informationen. Es ist wichtig zu wissen, wo welches Geld ausgegeben wird", erläutert Lukas Trautsamwieser, Prokurist und Legal Counsel bei Yunex Traffic. Yunex Traffic ist mit 3100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 24 Ländern aktiv. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben weltweit führend im Bereich intelligente Verkehrssysteme. "So gibt es mit awareAI ein Kamerasystem mit künstlicher Intelligenz, das auf Detektion, Klassifizierung und Tracking von Verkehrsteilnehmern, wie Fußgängern, Fahrräder, Bussen usw., spezialisiert ist", gibt Trautsamwieser ein praktisches Beispiel. 

Da die Digitalisierung einer der Programmschwerpunkte des EU-Wiederaufbaufonds ist, werden damit auch Projekte gefördert, die in den Marktbereich von Yunex Traffic fallen. "Für uns ist es sehr spannend, zu sehen, in welchen Ländern die Öffentliche Hand welche Schwerpunkte setzt. Dann können wir unsere Vertriebsaktivitäten entsprechend ausrichten", so Trautsamwieser. 

Diese Aktivitäten könnten in Zukunft auch noch auf neue Märkte ausgeweitet werden. Siemens Mobility hat am Montag, 17. Jänner 2022, den Verkauf von Yunex Traffic an Atlantia S.p.A. vereinbart. Das Closing wird, nach Erteilung der entsprechenden behördlichen Genehmigungen, bis September 2022 erwartet. Atlantia mit Sitz in Rom ist ein führender globaler Player für Technologien und Dienstleistungen im Bereich Mautsysteme und im Betrieb von Autobahnen und Flughäfen.

Yunex Traffic Aware AI aus Wien i
Yunex Traffic

 Intelligente Verkehrsplanung auf KI-Basis im Einsatz in Wien

Recover.MAP unterstützt bei der Suche nach Investitionen

Auf geförderte Aufträge im Zuge der geplanten Digitalisierungsoffensiven hofft auch die Österreichische Staatsdruckerei (OeSD). "Wir sehen auf der Recover.MAP zum Beispiel recht genau, wie viel einzelne Staaten im Bereich E-Government investieren wollen, was uns hilft, attraktive Zielmärkte zu identifizieren", erklärt Franz Brudl, International Sales Manger bei der OeSD. 

EU-Förderungen hätten für die OeSD, die international tätig ist, bisher keine Rolle gespielt, aber mit "Recover.EU" habe sich das nun geändert. "Wir machen potenzielle Auftraggeber auch darauf aufmerksam, dass sie diese Förderungen beantragen können", so Brudl. "Uns kann die Recover.MAP jedenfalls helfen, herauszufinden, in welche Richtung ein Land bei den Investitionen geht." Unterstützend komme hinzu, dass die EU-Kommission einen Verordnungsvorschlag vorgelegt hat, der in das Geschäftsfeld der OeSD hineinspielt: Demnach soll künftig allen EU-Bürgern eine digitale ID Wallet zur Verfügung gestellt werden.

Franz Brudl, International Sales Manager bei der OeSD i
WILKE

 Franz Brudl, International Sales Manager bei der OeSD

Ein bestehender Trend, der mit diesem Vorschlag und den Recover-Fördergeldern weiter angefeuert wird. So gibt es zum Beispiel in Liechtenstein bereits eine digitale Ausweis-App und in Österreich soll ein digitaler Führerschein noch heuer eingeführt werden. Voraussetzung für den digitalen Führerschien ist – abgesehen von einem Smartphone und einer Lenkerberechtigung – eine digitale ID. Bei der Umsetzung dieses Projekts in Österreich kooperieren die OeSD und ihre Schwestergesellschaft youniqx Identity AG eng mit dem Bundesrechenzentrum. 

Diese Informationen erhältst du mit der Förderlandkarte Recover.MAP über einzelne EU-Länder:

  • Geplante Investitionen
  • Maßnahmen im Zuge des jeweiligen nationalen Aufbauplans
  • Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
  • Marktanalysen nach Branchen
  • Exportpotenzial nach Branchen
  • Zugang für österreichische Firmen

Das nächste WKO-Webinar zu "Recover.EU" findet am Montag, 14. März 2022 zum Thema Italien, Spanien und Portugal statt. Alle Infos und die Anmeldung findest du HIER.