Die Wissensfabrik für digitale Talente

Mit dem Future Lab angelt der Anlagenbauer Fill nach zukünftigen Fachkräften.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Digital Natives
  • Game ChangerInnen

Lesedauer:

4 Minuten

AutorIn: Eva Baumgardinger

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FILL

Mitten im Innviertel, abseits von Ballungszentren, hat der Anlagenbauer Fill um zehn Millionen Euro ein Zentrum für Digitalisierung errichtet. Mit dem Future Lab angelt man bereits nach zukünftigen Fachkräften.

Gurten in Oberösterreich, eine 1.000-Seelen-Gemeinde, nicht weit von der deutschen Grenze entfernt, fernab von urbanen Zentren und Verkehrsknoten, idyllisch eingebettet in Wiesen und Felder, wenn man es positiv formulieren will. Oder: fast am Arsch der Welt. Nach Salzburg fährt man mit dem Auto etwa eine Stunde, nach Linz dauert es ein bisschen länger. Nicht gerade der Ort, wo man einen Vorreiter bei Zukunftstechnologien vermuten würde. Das Maschinen- und Anlagenbau-Unternehmen Fill sieht das anders und hat am Standort Gurten im Vorjahr mit einem Investitionsvolumen von rund zehn Millionen Euro auf 6.400 Quadratmetern die sogenannte Future Zone errichtet, ein Zentrum für Innovationen, Forschung und Entwicklung. Mit diesem Projekt konnten sich die Innviertler den dritten Platz im Metall bringt's!-Ideenwettbewerb der Metalltechnischen Industrie sichern.

Im FutureLab sollen etwa 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Digitalisierung, Software- und mechanische Entwicklung vorantreiben, ein Hort für Zukunftstechnologien. Ohne eine ausreichend qualifizierte und motivierte Belegschaft kommen Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung nicht weit. Wie schafft es Fill, die Fachkräfte ins gefühlte Niemandsland von Gurten zu holen?

Von der Wiege bis zur Pension

Bei Fill setzt man auf eine Reihe von Leistungen und Benefits, die weit über flexible Arbeitszeit oder Homeoffice hinausgehen. Das beginnt beim Firmenkindergarten, Sport- und Ernährungsprogramm, dem firmeneigenen Fitnessstudio samt physiotherapeutischer Betreuung und geht bis zum Holzstorch – der im Unternehmen aufgestellt wird – sowie Firmengeschenken, wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin Nachwuchs bekommen hat. „Wir binden die Mitarbeiter mit den Familien an das Unternehmen“, erklärt Geschäftsführer Andreas Fill das strategische Ziel. Kinder und Partner erhalten Karten zum Geburtstag, gemeinsam gefeiert wird im Unternehmen nicht nur ein Extra-Familientag, sondern auch der Schulschluss und der Advent. Der Lohn der Bemühungen: Bei internen Umfragen, die alle drei Jahre erhoben werden, erreicht das Unternehmen etwa 85 Prozent Zufriedenheit unter den Mitarbeitenden, die Fluktuation beträgt weniger als vier Prozent.

Bis in die Chefetage hocharbeiten

Über allem schwebt in Gurten ein Schlagwort: Lebensarbeitskonzept. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden vom Eintritt in die Firma – oft klassisch mit der Lehre – bis zur Pensionierung begleitet. Die Themen Karrierechancen, Weiterentwicklung und individuelle Verwirklichung stehen im Mittelpunkt. Ein Lehrling hat bei Fill die Möglichkeit, sich bis zum Geschäftsführer hochzuarbeiten. Das Lebensarbeitskonzept sei keine einmalige PR-Aktion, die kurzfristigen Erfolg bringt, erklärt man bei Fill. Vielmehr handle es sich dabei um ein Werkzeug, das erst bei kontinuierlicher und durchgängiger Nutzung auf Dauer den Erfolg sichere. 

Anziehungspunkt für künftige Fachkräfte

Neuester Puzzlestein, um sich als attraktiver Arbeitgeber – vor allem in der Region – zu positionieren, ist das Future Lab. Eine kreative Lernumgebung, in der vor allem Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, Technologien kennenzulernen. Das Ziel: Digitalisierung soll erleb- und greifbar werden. „Unsere Intention ist es, das Future Lab zu Europas coolster Wissensfabrik für digitale Talente und innovative Geister zu machen“, sagt Andreas Fill: „Wir wollen bei den jungen Menschen das Interesse für Digitalisierung wecken.“ Die Jugend soll schon frühzeitig spielerisch an MINT-Berufe herangeführt werden, sich Wissen und Kompetenzen von morgen aneignen und so ihre Interessen und zukünftigen Berufsbilder entdecken. Es ist eine Art Talente-Labor. „Unter dem Motto ,Discover your genius‘ entsteht so ein dynamisches Kompetenznetzwerk für junge Menschen“, erklärt Andreas Fill. In kreativer Umgebung kann man im Future Lab an Innovationen basteln. Es besteht aus acht Stationen, wobei jede für sich eine abgeschlossene Lerneinheit zu den Teilbereichen der Digitalisierung darstellt. Das fängt bei Virtual Reality und visueller Informationsvermittlung an, geht über Drohnen und innovative Logistiksysteme bis zu Medizintechnik, Big Data und Robotersteuerung.

Begehrter Partner für Schulen

Das Future Lab wurde für verschiedenste Zielgruppen konzipiert – von Volksschülern bis zu Erwachsenen ist für jeden etwas dabei. So haben auch Partner, Kunden und Lieferanten die Möglichkeit, gemeinsam an neuen Ideen, Innovationen und Kooperationen zu arbeiten. Auf diese Weise wächst das Netzwerk und zieht künftige Fachkräfte an. Bereits vor der Corona-Krise erhielten etwa 1.500 Schülerinnen und Schüler pro Jahr bei Exkursionen Einblicke in das Unternehmen. Durch das Future Lab soll diese Zahl nun stark steigen. Über 500 Schülerinnen und Schüler besuchten die Wissensfabrik in einem Zeitraum von lediglich fünf Wochen, die Auslastung liegt bei 100 Prozent. Und jede Besucherin, jeder Besucher ist für Fill eine potenzielle Fachkraft der Zukunft.