Eine gemeinsame Studie von WKÖ und ABC Research zeigt: Für Unternehmen kann die Technologie dort spannend werden, wo Daten, Nachweise und Prozesse sicher dokumentiert werden müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Blockchain ist mehr als Kryptowährungen: Für Unternehmen kann die Technologie dort nützlich sein, wo Daten, Nachweise und Prozesse fälschungssicher dokumentiert werden müssen.
- Besonders sinnvoll ist Blockchain, wenn mehrere unabhängige Akteur:innen auf dieselben Informationen vertrauen müssen – etwa bei Lieferketten, Zertifikaten, Audits oder ESG-Daten.
- Für rein interne Prozesse ist eine klassische Datenbank oft einfacher, günstiger und schneller. Blockchain lohnt sich nur, wenn sie ein konkretes Problem besser löst.
- Unternehmen müssen die Technologie nicht selbst entwickeln. Ein kleiner Pilot mit klarem Anwendungsfall, überschaubaren Daten und wenigen Partner:innen ist meist der beste Einstieg.
Mehr als Bitcoin
Blockchain klingt für viele noch immer nach Bitcoin, Spekulation und komplizierter Technik. Vor allem die Rechnung "Blockchain-Technologie = Kryptowährungen" greift dabei zu kurz. Technisch betrachtet ist die Blockchain-Technologie eine Art digitales Register, in dem Informationen nachvollziehbar und manipulationssicher gespeichert werden können.
Für Betriebe wird das dort interessant, wo Vertrauen, Nachweise und Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg wichtig sind. Also zum Beispiel bei Lieferketten, Zertifikaten, Nachhaltigkeitsdaten oder wenn sensible Dokumente im Spiel sind.
Blockchain-Service Datenzertifizierung
Mit dem Blockchain-Datenzertifizierungsservice der WKÖ lassen sich Daten einfach, sicher und kostenlos digital zertifizieren. Somit sind Unternehmensdaten geschützt und ihre Echtheit belegt. Unabhängig vom Dateiformat erhalten Daten hierbei einen Zeitnachweis, wann sie entstanden sind, vorgelegen oder verändert wurden. Auf blockchain.wko.at ist das Blockchain-Datenzertifizierungsservice für Mitglieder der Wirtschaftskammern Österreichs kostenlos verfügbar.
Alle Infos findest du hier!
Wann Blockchain für Unternehmen sinnvoll ist
Eines vorweg: Nicht jede IT-Frage braucht als Antwort eine entsprechende Blockchain-Anwendung. Für viele interne Prozesse reicht eine klassische Datenbank völlig aus, was dazu oft einfacher, günstiger und schneller ist.
Blockchain steigert vor allem dann die Effizienz, wenn mehrere unabhängige Akteur:innen zusammenarbeiten, zum Beispiel Unternehmen, Lieferant:innen, Kund:innen, Behörden oder Auditor:innen. Besonders relevant wird die Technologie, wenn Daten später überprüfbar sein müssen, fälschungssicher dokumentiert werden sollen oder Abläufe nach fixen Regeln automatisch starten – zum Beispiel eine Zahlung, sobald eine Lieferung bestätigt wurde.
Blockchain wird also vor allem dort spannend, wo mehrere Beteiligte auf dieselben Daten vertrauen müssen, ohne dass eine einzelne zentrale Stelle die Kontrolle darüber hat.
4 Beispiele, wie Blockchain im Betrieb helfen kann
1. Sichere Daten und Dokumente
Verträge, Zertifikate, Berichte oder andere Unternehmensdaten können so abgesichert werden, dass Zeitpunkt und Urheberschaft eindeutig nachweisbar sind. Das Dokument selbst wird dabei nicht öffentlich in der Blockchain gespeichert. Stattdessen wird daraus eine Art Prüfsumme, vergleichbar mit einem digitalen Fingerabdruck, erstellt - dem sogenannten Hashwert.
Wird auch nur ein Beistrich im Dokument geändert, ergibt dies einen neuen Hashwert für das Dokument. So lässt sich später prüfen: Genau dieses Dokument hat zu genau diesem Zeitpunkt existiert und wurde seither nicht verändert. Die Daten bleiben im Unternehmen, der Nachweis liegt in der Blockchain.
Das kann bei Audits helfen, bei Streitfällen Sicherheit schaffen und Know-how schützen.
2. Transparente Lieferketten
Produkte und Materialien können entlang der Wertschöpfungskette nachvollziehbar dokumentiert werden. Das ist besonders relevant, weil Unternehmen immer häufiger Herkunfts-, Qualitäts- und Nachhaltigkeitsdaten belegen müssen. Ein Beispiel: digitale Produktpässe. Sie können Informationen zu Materialien, Verarbeitungsschritten oder Zertifikaten bündeln und überprüfbar machen. Für Betriebe bedeutet das weniger manuellen Aufwand, bessere Compliance und mehr Glaubwürdigkeit gegenüber Geschäftspartner:innen und Kund:innen.
3. Schutz vor Produktfälschungen
Blockchain kann auch helfen, Originale von Fälschungen zu unterscheiden. Produkte erhalten ein digitales Echtheitszertifikat, das über QR-Code oder NFC-Chip abrufbar ist. Kund:innen oder Händler:innen können dann per Smartphone prüfen, ob ein Produkt echt ist und woher es stammt. Das ist besonders spannend für Markenprodukte, hochwertige Konsumgüter, Ersatzteile oder Branchen, in denen Fälschungen ein Sicherheitsrisiko darstellen können.
4. Nachhaltigkeit und ESG-Daten
Nachhaltigkeit wird für viele Unternehmen zum Wettbewerbs- und Compliance-Thema. Gleichzeitig ist der Nachweis oft aufwendig: Woher kommen die Daten? Sind sie vollständig? Wurden sie verändert? Blockchain kann helfen, Emissionsdaten, Kompensationsmaßnahmen oder Nachhaltigkeitsnachweise nachvollziehbar zu dokumentieren. Das kann Audits erleichtern und Greenwashing-Vorwürfen vorbeugen. Besonders relevant ist das für Betriebe mit komplexen Lieferketten oder steigenden Berichtspflichten.
"Viele Unternehmen standen bisher zwischen zwei Extremen"
Deep Dive: Alfred Taudes von ABC Research erklärt im Interview, warum Unternehmen nicht mit der Technologie starten sollten – sondern mit der Frage, wo heute Reibungsverluste, Medienbrüche oder fehlendes Vertrauen zwischen Partner:innen entstehen.
Jetzt Interview lesen!
Weitere Einsatzfelder
Neben den vier oben genannten Beispielen zeigt die Studie noch weitere Bereiche, in denen Blockchain für Unternehmen interessant sein kann. Dazu zählen etwa neue Formen der Kundenbindung, digitale Produkte, alternative Finanzierungsformen und neue Möglichkeiten im Zahlungsverkehr.
Händler:innen oder Tourismusbetriebe könnten Kund:innen zum Beispiel künftig nicht nur klassische Bonuspunkte geben, sondern digitale Tokens für Einkäufe, Bewertungen oder Empfehlungen. Unternehmen könnten digitale Produkte oder Zertifikate in Form sogenannter "Non-Fungible Token" (NFT) anbieten. Und im Zahlungsverkehr können Blockchain-Lösungen dort relevant werden, wo internationale Zahlungen schneller oder günstiger abgewickelt werden sollen.
Nicht jedes Feld ist für jedes Unternehmen gleich wichtig. Für Produktionsbetriebe können Lieferketten und Produktpässe im Vordergrund stehen. Für Händler:innen sind Echtheitsnachweise und Kundenbindung spannender. Für Tourismusbetriebe wiederum könnten neue Loyalty-Modelle oder überprüfbare Nachhaltigkeitsnachweise relevant werden.
Warum das für Österreichs Wirtschaft wichtig ist
Viele österreichische Unternehmen sind in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden. Sie arbeiten mit Lieferant:innen, Kund:innen und Partner:innen in mehreren Ländern zusammen. Das stellt hohe Anforderungen an Transparenz, Dokumentation und Compliance.
Blockchain kann hierfür Nachweise vereinfachen, Abstimmungsaufwand reduzieren und Vertrauen zwischen Geschäftspartner:innen stärken.
Auch international wächst das Thema. Die Studie verweist auf eine Analyse, wonach der globale Blockchain-Technologiemarkt 2024 auf rund 18,3 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde. Bis 2034 werden jährliche Wachstumsraten von über 50 Prozent erwartet. Zugleich steht der breite Einsatz außerhalb des Finanzbereichs vielerorts noch am Anfang. Viele Anwendungen laufen erst als Pilotprojekte oder werden punktuell genutzt.
Für Österreich ergibt sich daraus eine Chance: Unternehmen können früh prüfen, wo Blockchain ihnen tatsächlich hilft, ohne jedem Trend hinterherzulaufen. Bei aller Euphorie gilt nämlich: Blockchain ist kein Selbstzweck.
Zur Studie
Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie in österreichischen Unternehmen
Die Studie zeigt, wo Blockchain-Lösungen für Unternehmen praktisch einsetzbar sind – und wann sie tatsächlich einen Mehrwert bringen. Dafür wurden konkrete Anwendungsmöglichkeiten für Betriebe verschiedener Branchen und Größen analysiert. Zusätzlich nennt der Bericht Beispiele für Anbieter:innen, die in diesen Bereichen bereits Lösungen entwickeln oder umsetzen.
Der Fokus liegt auf der Praxis: Unternehmen sollen besser verstehen, was Blockchain leisten kann, passende Anwendungsfälle für eigene Herausforderungen erkennen und erste Orientierung für den möglichen Einstieg bekommen.
Blockchain ist kein Allheilmittel
Wer nur interne Daten verwalten will, braucht meist keine Blockchain. Auch Datenschutz, Kosten, Benutzerfreundlichkeit und die Integration in bestehende IT-Systeme müssen gut geprüft werden.
Sinnvoll ist die Technologie dort, wo sie ein konkretes Problem besser löst als bestehende Lösungen. Zum Beispiel, wenn mehrere Partner:innen dieselben Daten verlässlich nutzen müssen. Oder wenn Nachweise später eindeutig überprüfbar sein sollen.
So prüfst du, ob Blockchain für deinen Betrieb Sinn macht
Der erste Schritt ist kein Technologieprojekt, sondern eine ehrliche Problemanalyse:
- Geht es um Nachweise, Vertrauen oder Dokumentation?
- Müssen Daten mit anderen Unternehmen, Behörden oder Auditor:innen geteilt werden?
- Gibt es Risiken durch Manipulation, Fälschungen oder unklare Verantwortlichkeiten?
- Und gibt es bereits bestehende Lösungen, die zum eigenen Betrieb passen?
Unternehmen müssen Blockchain nicht selbst entwickeln. Oft geht es darum, passende Anbieter:innen, Standards oder Pilotprojekte zu finden. Am sinnvollsten ist ein kleiner, klar abgegrenzter Start mit einem konkreten Anwendungsfall, überschaubaren Daten und wenigen Partner:innen. Danach ist es wichtig, eine nüchterne Bewertung von Aufwand und Nutzen des Pilotprojekts vorzunehmen. So wird aus Blockchain kein Hype-Projekt, sondern ein Werkzeug.
