Greenflation: Wie teuer wird die Energiewende?

Gesteigerte Nachfrage, verknapptes Angebot - eine brisante Mischung.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • WeiterdenkerInnen
  • ProblemlöserInnen

Lesedauer:

2 Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Leere Geldbörse vor Photovoltaik-Paneelen i
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Klimaschutzmaßnahmen und der weltweite Übergang zu einer CO2-neutralen Wirtschaft könnten zu einer Teuerungswelle führen, warnen internationale Wirtschaftsexperten. Was steckt hinter der "Greenflation"?

Im Kampf gegen den Klimawandel führt an der Energiewende kein Weg vorbei, da sind sich die Expertinnen und Experten einig. Im Schatten der Klimadebatte taucht allerdings seit kurzem ein Begriff auf, der Licht auf einen neuen Aspekt der Debatte wirft: Greenflation. Als einer der ersten warnte Ruchir Sharma, der Chief Global Strategist von Morgan Stanley Investment Management, vor einem Paradoxon: Je stärker man den Übergang zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft vorantreibe, desto teurer werde der Umstieg - und desto unwahrscheinlicher würde es, die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu begrenzen.

Sharmas Argumentation ist so simpel wie einleuchtend: Neue staatliche Regelungen treiben die Nachfrage nach Materialien in die Höhe, die für den Aufbau einer umweltfreundlicheren Wirtschaft benötigt werden. Gleichzeitig würden neue umweltpolitische Vorgaben die künftige Produktion etwa von Kupfer und Aluminium auf Dauer erschweren. Das unbeabsichtigte Ergebnis: Eine "Greenflation", also eine grüne Inflation, die Metalle und Mineralien wie Kupfer, Aluminium und Lithium teurer macht. Doch genau diese sind unerlässlich für Solar- und Windenergie, Elektroautos und andere erneuerbare Technologien. So könnte grüner Strom deutlich teurer werden als bisher gedacht. Für die Wirtschaft genauso wie für die Konsumentinnen und Konsumenten.


Grüne Transformation braucht Rahmenbedingungen

"Der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft erfordert eine Änderung der relativen Preise, und die Hauptverantwortung dafür liegt bei den Regierungen. Je früher es uns gelingt, kohlenstoffarme Alternativen zu schaffen, desto reibungsloser wird die Transformation verlaufen", sagt Isabell Schnabel, deutsche Wirtschaftswissenschafterin und Mitglied des Direktoriums der EZB und verweist damit auf die Verantwortung der Politik, die nötigen Rahmenbedingungen für die grüne Transformation zu schaffen. 

Regierungen quer durch Europa müssen sich nun in einem neuen Spagat zwischen Wirtschafts- und Klimapolitik üben, der nur dann wirklich gelingt, wenn der Preisauftrieb dadurch während der Umstellung auf Erneuerbare Energien und auch danach im Zaum gehalten wird. 

Sorgenfalten bei Politik und Wirtschaft

Aber wie teuer wird es in dieser Übergangsphase wirklich? Das lässt sich derzeit – auch wegen vieler anderer potenzieller Unsicherheiten - nicht genau abschätzen. Die Umstellungskosten zur grünen Energiewende werden die Inflation erhöhen, soviel ist klar. Diese Teuerungs-Effekte sollten aber auf Sicht nicht so hoch ausfallen wie jene im vergangenen Jahr, als Lieferengpässe gemeinsam mit einer starken wirtschaftlichen Erholung die Inflationsschraube hochgedreht haben.

Diese Effekte schwächen sich heuer ab; auch, wenn weiterhin global hohe Unsicherheitsfaktoren bleiben, die unter anderem die Energiepreise hochtreiben - was Unternehmen wie Politikern zunehmend die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Der Weg zum langfristigen Ziel, dass Erneuerbare Energien nicht nur wohltuend fürs Klima, sondern auch fürs Börsel sind, ist also noch ein längerer.