Kaum zu glauben: 6 skurrile, aber reale Steuern

Diese 6 kuriosen Steuern haben sich Staaten tatsächlich einfallen lassen. Und manche werden noch heute eingehoben.


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  • Wirtschaftseinsteiger:innen

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2 Minuten

AutorIn: Florian Streb

Eine Frau zahlt Steuern i
diego_cervo

Beim Erfinden neuer Abgaben waren Staaten und Herrschende schon immer kreativ. In Portugal wird man etwa für gute Aussicht extra zur Kasse gebeten. Aber auch in Österreich war man durchaus erfindungsreich.

1. Dachsteuer

Warum ist die Burgruine Rauhenstein in Baden bei Wien eine Ruine? Aus Steuergründen. Zumindest haben die mitgespielt. Mehrmals in der österreichischen Geschichte wurden Steuern eingeführt, die sich nach der Dachfläche bemaßen, zum Beispiel unter Kaiser Joseph II. im 18. Jahrhundert. Das führte dazu, dass wenig genutzte Gebäude – wie eben alte Burgen – oft abgedeckt wurden, um Geld zu sparen, was den Verfall beschleunigte.

2. Drogendealer-Steuer

Drogen legalisieren, damit man den Konsum besteuern kann? Das muss doch auch anders gehen, dachte der US-Staat Tennessee und führte 2005 die "Crack Tax" ein - eine Steuer, die den illegalen Drogenhandel besteuerte. Wie das? Wer vorher anonym eine Marke löste – zum Beispiel 50 US-Dollar für ein Gramm Kokain –, wurde, wenn er später erwischt wurde, zwar wegen Drogenhandels angezeigt, aber nicht wegen Steuerhinterziehung. Ein Gericht kippte die Steuer aber nach einigen Jahren als verfassungswidrig.

3. Nachtigallensteuer

Bei Luxussteuern war man in der Geschichte immer wieder besonders einfallsreich, so zum Beispiel im Großherzogtum Hessen, wo man 1853 eine Steuer auf die Haltung von Nachtigallen schuf: 5 Gulden pro Tier. Für pralle Kassen sorgte das allerdings nicht: Nur wenige Bürger hatten einen Vogel und führten die Steuer ab. Im Jahr 1857 wurden gerade einmal 35 Nachtigallen versteuert.

4. Chicken Tax

Apropos Vogel: Die Chicken Tax der USA ist eine Abgabe auf…leichte Nutzfahrzeuge – was denn sonst? Mit Hendln hat sie aber schon auch zu tun, die waren nämlich der Auslöser: In den 1960ern überschwemmte billiges US-Geflügel die europäischen Märkte, Europa reagierte mit Einfuhrzöllen. Die Vereinigten Staaten revanchierten sich mit Abgaben auf verschiedene Importprodukte aus Europa, wie Erdäpfelstärke, Weinbrand und eben bestimmte Fahrzeuge, was vor allem den VW-Bus traf. Während die anderen Barrieren inzwischen gefallen sind, gilt die Chicken Tax auf leichte Nutzfahrzeuge in Höhe von 25 % bis heute.

5. Bartsteuer

Zar Peter I. wollte nach den Eindrücken einer Europareise die russische Gesellschaft modernisieren und nahm dabei die traditionellen Vollbärte ins Visier. Wer seinen Bart behalten wollte, musste eine Abgabe zahlen – und wer sich gegen diese weigerte, wurde zwangsgeschoren. Der Zar war allerdings nicht der Einzige mit dieser Steueridee: Bartsteuern sind auch aus dem antiken Lykien, China und Frankreich überliefert.

6. Gute-Aussicht-Steuer

Einst sorgte die Steuerbemessung nach Anzahl oder Größe der Fenster in vielen Ländern dafür, dass viele Arme ein recht dunkles Zuhause hatten – zum Beispiel im England zu Beginn der Industrialisierung. (Kerzenwachs und Glühbirnen wurden übrigens ebenso besteuert.) Lange Zeit geriet diese Steuerart in Vergessenheit, bis vor einigen Jahren Portugal einen neuen Faktor in die Berechnung der Immobiliensteuer aufnahm: Bei guter Aussicht werden seit 2016 bis zu 20 Prozent aufgeschlagen. Wer vom Dachgeschoß aus südseitig aufs Meer blickt, wird kräftig zur Kasse gebeten. Im schattigen Erdgeschoß oder mit Blick auf den Friedhof kommt man günstiger weg.

"Taxman" - The Beatles