Warum Israels Wirtschaft so resilient ist

Israels Wirtschaft hält dem Krieg stand. Dafür gibt es verschiedene Gründe.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wissenshungrige
  • Exporteur:innen

Lesedauer:

3

Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Israelische und EU-Flagge auf Fahnenmasten vor Hochhäusern in Tel Aviv i
eskystudio | stock.adobe.com

Innovation, Kapital und klare Strukturen machen Israels Wirtschaft trotz Krieg resilient. Dahinter steckt mehr als nur eine geopolitische Beobachtung.

Resilienz fällt nicht vom Himmel. Israel zeigt das sehr deutlich. Seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 steht das Land unter militärischem, gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Druck. Trotzdem ist die Wirtschaft nicht kollabiert. Die OECD spricht ausdrücklich von einer "remarkably resilient" economy. Für 2024 steht noch ein reales Wachstum von 0,7%, für 2025 lagen die zuletzt kommunizierten Erwartungen bei 2,7 bis 3,3%. Die Prognosen wurden freilich vor der Eskalation im Nahen Osten erstellt.

Der wichtigste Grund ist der High-Tech-Sektor. Genau darauf verweist auch Philipp Winkler, Regionalmanager für die Nahost-Region der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA. Israels Technologiebranche trägt einen großen Teil der Wertschöpfung, der Exporte und der internationalen Kapitalzuflüsse. Laut Israel Innovation Authority lag der Anteil von High Tech 2024 bei rund 17% des BIP. Noch auffälliger ist der Außenhandel: 2024 erreichten High-Tech-Exporte 78 Milliarden US-Dollar, im ersten Halbjahr 2025 kamen bereits 57% aller israelischen Exporte aus diesem Bereich.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, den man leicht übersieht: Resiliente Volkswirtschaften haben meist schon vor der Krise Substanz aufgebaut. Die OECD nennt für Israel vier zentrale Faktoren: eine vor dem Krieg solide fiskalische Ausgangslage, umsichtiges geldpolitisches Management, ein stabiles Finanzsystem und das Wachstumspotenzial eines starken High-Tech-Sektors. Anders gesagt: Die Wirtschaft hält nicht nur wegen Improvisation durch, sondern weil tragende Strukturen schon da waren.

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Resilienz heißt nicht, dass es keine Probleme gibt

So stabil das auf den ersten Blick wirkt: Die Belastungen sind real. Die Israel Innovation Authority warnt vor Stagnation im High-Tech-Arbeitsmarkt. Im ersten Halbjahr 2025 sank die Zahl der Beschäftigten in F&E-Rollen im Jahresvergleich um 6,5%. Zudem schätzt die Behörde, dass von Kriegsbeginn bis Juli 2024 rund 8.300 High-Tech-Beschäftigte Israel für mindestens ein Jahr verlassen haben. Das ist noch kein Zusammenbruch, aber ein Warnsignal für ein Land, dessen Wettbewerbsfähigkeit stark auf Wissen, Forschung und unternehmerischer Dynamik beruht.

Auch die öffentlichen Finanzen stehen stärker unter Druck. 2024 lag die Staatsverschuldung bei 69,7% des BIP, für 2025 wurden 69,3% ausgewiesen. Das ist im internationalen Vergleich kein Extremwert, zeigt aber: Selbst eine resiliente Volkswirtschaft zahlt für anhaltende Konflikte einen Preis. Die OECD ergänzt, dass Israel mittelfristig Infrastruktur, Bildung und Arbeitsmarktintegration weiter verbessern muss, um Wachstum und Stabilität abzusichern.

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Und schließlich zeigt Israel noch etwas: Geopolitik ist kein Randthema mehr. Die jüngste Eskalation zwischen den USA, Israel und Iran sowie die Spannungen rund um die Straße von Hormus erhöhen den Druck auf Energiepreise, Lieferketten und Investitionsklima. Für Unternehmen heißt das ganz praktisch: Risiken gehören heute stärker in Einkaufsstrategie, Absatzplanung, Verträge und Szenarioarbeit.

Warum Israel für Österreich trotzdem ein interessanter Markt bleibt

Gerade aus österreichischer Sicht ist das der praktische Teil der Geschichte. Israel ist drittwichtigster Handelspartner im Nahen Osten und das wird sich nicht so schnell ändern. Auch wenn die österreichischen Warenexporte im Vorjahr um 10% zurückgingen. Die WKÖ nennt Israel weiterhin einen attraktiven Markt. Und hier docken auch die Einschätzungen von Philipp Winkler an: Vor allem in typisch österreichischen Stärkefeldern wie Infrastruktur, Maschinen- und Anlagenbau, erneuerbarer Energie und Umwelttechnik bleiben Geschäftschancen bestehen.

Das heißt aber nicht, dass alles planbar wäre. Nachhaltig ist diese Entwicklung nur dann, wenn Unternehmen die politische und militärische Lage nüchtern mitdenken. Israel bleibt chancenreich, aber nicht risikofrei. Gerade deshalb ist der Markt für österreichische Unternehmen kein Selbstläufer, sondern einer für gut vorbereitete, international erfahrene Anbieter:innen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Israels Wirtschaft bleibt trotz Krieg erstaunlich stabil.
  • Der High-Tech-Sektor ist ihr wichtigster Stabilitätsanker.
  • Gleichzeitig steigt der Druck die öffentlichen Finanzen und wegen der Verfügbarkeit von Fachkräften.
  • Für Österreich bleibt Israel ein relevanter Markt mit Chancen in mehreren Schlüsselbranchen.
  • Die wichtigste Lehre lautet: Resilienz entsteht durch Innovation und Talente.