Warum Export­betriebe trotz Rekord angespannt sind

Österreich muss sich als Exportnation stark behaupten – auch abseits gewohnter Märkte.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wissenshungrige
  • Exporteur:innen

Lesedauer:

4 Minuten

AutorIn: Connie Wagenhofer

Transportzug mit der Flagge Österreichs auf der Seite fährt in offener Landschaft dem Ziel entgegen i
Negro Elkha | stock.adobe.com

Österreichs hohe Exportquote sorgt für Wohlstand. Doch der internationale Wettbewerb bringt jetzt stärkeren Gegenwind.

2023 haben Österreichs mehr als 63.700 Exportbetriebe mit ihren Warenausfuhren die Rekordmarke von 200 Mrd. Euro durchbrochen, wie die jüngsten Außenhandelsdaten zeigen. Das entspricht im Jahresvergleich einem Plus von 3 %, während die Importe um 6,3 % auf 201,64 Mrd. Euro zurückgegangen sind.

Es scheint also, als könnte es für die Exportwirtschaft gar nicht besser laufen. Denn Österreichs Erzeugnisse sind im Ausland gefragt, das zeigen die Zahlen sehr gut. 

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Internationaler Wettbewerb immer härter

Was sie nicht zeigen, sind die schwierigen Rahmenbedingungen. Das internationale Umfeld fordert mit geopolitischen Verwerfungen – die unter anderem Lieferwege betreffen – und einem global gedämpften Wirtschaftswachstum heraus.

In Österreich ist das BIP zurückgegangen, während die Energiepreise und die Lohnkosten stark gestiegen sind. Auch die Kosten für Bürokratie sind in Österreich überdurchschnittlich hoch. Das belastet das Preis-Leistungs-Verhältnis österreichischer Erzeugnisse im Vergleich zu Produkten aus anderen Staaten.

Deutschland wichtigster Handelspartner

Nach wie vor prägen die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland unseren Außenhandel. Der größte Teil unserer Ausfuhren (58 Milliarden Euro in 2022) geht in unser Nachbarland. Und gerade dort wird für heuer nur minimales Wachstum erwartet.

Italien ist mit Importen aus Österreich im Wert von mehr als 13 Milliarden Euro ebenfalls ein wichtiger Handelspartner in Europa.

GRAFIK: Österreichs Top 10-Exportmärkte 2022

Ausfuhren in Millionen Euro

Wenn Deutschlands Wirtschaft schwächelt, bedroht das den heimischen Exporterfolg.

Stimmungsbild im Global Business Monitor 2024

Doch gerade für die EU-Märkte fällt die Einschätzung österreichischer Auslandsniederlassungen zu den Erfolgsaussichten für 2024 nicht sehr rosig aus, wie aus dem Global Business Barometer 2024 hervorgeht. Für dieses Stimmungsbild hat die WKÖ gemeinsam mit der WU Wien 1.764 Exportfirmen mit Niederlassungen in insgesamt 68 Ländern befragt.

War der Ausblick vor zwei Jahren noch von Optimismus geprägt, gab es 2023 einen Dämpfer. Für 2024 erwarten die Betriebe eine Entwicklung, die von Stagnation und Stabilität geprägt ist.

Chancen erkennen und nutzen

Neue Märkte für Export erschließen

Nach den Daten des Global Business Barometers 2024 haben österreichische Unternehmen in den verschiedenen Regionen der Welt ziemlich unterschiedliche Erwartungen. Der Ausblick für die Märkte Asiens – von der Golfregion über Indien bis Südostasien – wird am optimistischsten eingeschätzt. In Japan ist die Erwartungshaltung ebenfalls positiv. Einen Aufschwung erwarten auch die Niederlassungen in den USA und Mexiko. Im Gegensatz dazu ist die Mehrheit österreichischer Unternehmen in der EU pessimistisch.

GRAFIK: Chancenreiche Zukunftsmärkte und & Entwicklung der Top-Märkte

GRAFIK Chancenreiche Zukunftsmärkte und & Entwicklung der Top-Märkte i
WKÖ

Am besten bewerten die Exportfirmen die Aussichten in Asien und Amerika. In der EU ist der Ausblick verhalten.

Ohne Export kein Wohlstand

Rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze hängen hierzulande vom Export ab. Jede zusätzlich verdiente Export-Milliarde bringt durchschnittlich 6.000 weitere Jobs.

Jeder vierte Steuer-Euro kommt durch Exporte herein. Damit ist auch unser Sozialsystem an die Exporterfolge unserer Wirtschaft gebunden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Österreichs über 63.700 Exportbetriebe haben 2022 Waren im Wert von 195 Mrd. Euro exportiert, 2023 haben sie erstmals die Marke von 200 Mrd. Euro geknackt. 
  • Im Jahr 2025 könnte bei den Waren- und Dienstleistungsexporten die Marke von 300 Milliarden Euro übertroffen werden.
  • Rund 1,2 Mio. Arbeitsplätze hängen in Österreich am Export.
  • Export trägt massiv zur Finanzierung des Staates bei: Jeder vierte Steuer-Euro kommt aus dem Export.
  • Für die Österreichs Top-Märkte geben die Unternehmen, die für den Global Business Monitor 2024 befragt wurden, teils pessimistische Einschätzungen.
  • Die größten Wachstumschancen für den österreichischen Export bieten sich vor allem in Asien und Nordamerika.