Die USA, Kanada und Mexiko sind für Österreich wichtige Märkte – gleichzeitig steigen Handelskosten und Planungsrisiken. Nichtsdestotrotz schlummern noch Exportpotenziale.
Heute vor einem Jahr trat US-Präsident Donald Trump zum zweiten Mal sein Amt an. Für die Weltwirtschaft folgte alsbald eine Zäsur – Stichwort „Liberation Day“, Zölle und eine Vielzahl (außen-)politischer Unwägbarkeiten. Aber von welcher wirtschaftlichen Dimension reden wir hier eigentlich?
Ein Schwergewicht der Weltwirtschaft
Nordamerika ist nicht irgendein Absatzmarkt. Der Handelsraum USMCA (USA–Kanada–Mexiko) ist gemessen am BIP der größte Wirtschaftsraum der Welt mit 33,4 Billionen USD. Zum Vergleich: Die European Economic Area kommt auf 20 Billionen USD. Auch bei Industrie (Warenherstellung) und Warenexporten verzeichnet der Block 15,6% bzw. 14,8% der globalen Anteile. Wenn in so einem Raum an den handelspolitischen Stellschrauben gedreht wird, ist das nicht „USA-Politik“, sondern hat direkte Auswirkungen auf Preise, Lieferketten und Verträge von Exportbetrieben. Entsprechend aufmerksam blickt Österreich über den Teich und beobachtet, welche Entwicklungen die Präsidentschaft Trump nimmt.
5 Tipps für den Umgang mit den neuen US-Zöllen
Tipp #1: Information: Informiere dich über die geltende Rechtslage. Halte dich über aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden. Die Rechtslage betreffend Zölle bzw. US-Handelspolitik ist derzeit sehr volatil und kann sich rasch ändern. Informiere dich auch, ob tariff exclusions / Zollausnahmen für dich in Fragen kommen könnten.
Tipp #2: Risikoabschätzung: Evaluiere das Risiko, dem dein Unternehmen bei potenziellen Erhöhungen/Änderungen der Zollsätze ausgesetzt sind. Prüfe, wie sich Erhöhungen der Zollsätze auf deine Verträge auswirken könnten. Prüfe, wie sich die Erhöhung der Zollsätze auf deine Lieferketten auswirken würden.
Tipp#3: Risikostreuung: Diversifiziere deine Lieferanten/Lieferketten. Beachte dabei, dass sich die US-Zölle in den nächsten Jahren immer wieder, rasch und je nach Land individuell ändern könnten.
Tipp #4: Optimierung: Optimiere deine Lagerverwaltung, um besser auf potenzielle Zollerhöhungen reagieren zu können. Beobachte auch Wechselkurse, die Veränderungen beim Zollsatz noch verstärken können.
Tipp # 5: Lobbying: Setze dich mit deiner jeweiligen Branchenvertretung bei der Wirtschaftskammer Österreich bzw. den Landeskammern in Verbindung, die die Betroffenheit der jeweiligen Branchen von Zollerhöhungen evaluiert und sich auch auf europäischer Ebene für deine wirtschaftlichen Interessen einsetzt.
Verdopplung in zehn Jahren
Österreichs Ausfuhren nach Nordamerika haben sich von 9,39 Mrd. Euro (2014) auf 19,56 Mrd. Euro (2024) erhöht – ein Plus von 108,3%. Treiber ist vor allem der US-Markt mit einer Steigerung von 7,78 auf 16,23 Mrd. Euro (+108,6%). Mexiko wiederum wuchs am dynamischsten mit 194,7% von 0,60 auf 1,77 Mrd. Euro. Kanada legte ebenfalls um 54,6% von 1,01 auf 1,56 Mrd. Euro zu. 2025 wiederum hat man die Nervosität direkt in den Zahlen gesehen: In den ersten zehn Monaten 2025 gingen Österreichs Ausfuhren in die USA um mehr als 20% bzw. rund 2,8 Mrd. Euro zurück. Gleichzeitig stiegen die Ausfuhren nach Kanada um 7%, nach Mexiko gingen sie leicht um 2% zurück.
Global Insights: Nordamerika
Du möchtest alle Infos zur wirtschaftlichen Bedeutung Nordamerikas? Du willst wissen, wie sich die US-Importe nach Handelspartnern über die Jahre entwickelt haben? Dir ist wichtig, die Verflechtungen zwischen den USA und der EU besser zu verstehen? Für einen Deep Dive können wir dir die "Global Insights: Nordamerika" der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA sehr empfehlen.
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Dennoch: "Die USA bleiben schon aufgrund ihrer Größe ein wichtiger Markt für österreichische Unternehmen. Generell muss der riesige Markt differenziert betrachtet werden, einzelne Bundesstaaten unterscheiden sich bei den Rahmenbedingungen für Unternehmen erheblich", erklärt der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in New York, Peter Hasslacher.
Was Österreich verkauft
Dass Nordamerika für Österreich so wichtig ist, liegt auch am Exportmix: Maschinen und Fahrzeuge sind mit Abstand die wichtigsten Exportprodukte, dahinter folgen Chemieprodukte. Das sind genau jene Sektoren, in denen neue Handelsbarrieren besonders schnell auf Preise, Lieferketten und Investitionsentscheidungen durchschlagen.
Dennoch schlummert trotz des Rückgangs 2025 in diesen Bereichen noch großes Potenzial: Bei Maschinen zum Beispiel beträgt es etwa 2,7 Mrd. Euro, wovon rund 2,1 Mrd. Euro nur auf den US-Markt entfallen. Insgesamt beläuft sich das noch nutzbare Exportpotenzial in den drei Staaten Kanada, Mexiko sowie USA auf 11,9 Mrd. Euro. Darauf angesprochen ergänzt Nella Hengstler, die Wirtschaftsdelegierte in Mexiko-Stadt: "Mexiko entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Produktions- und Absatzstandort für österreichische Unternehmen. Besonders in industrie- und technologielastigen Branchen bietet der Markt attraktive Bedingungen und dient zugleich als Brücke in den nordamerikanischen Wirtschaftsraum".
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Abkommen als Stabilitätsanker
Wirtschaftliche Gepflogenheiten werden in der Präsidentschaft Trump II von ihm immer mehr in Frage gestellt – Handelsabkommen zum Beispiel. Dabei zeigt sich – vor allem auch aus der Perspektive der EU – dass Planbarkeit in Zeiten wie diesen oberste Priorität genießt. Das EU-Kanada-Abkommen CETA zum Beispiel hat sich als Erfolgsgeschichte bewährt. Laut WKÖ-Wirtschaftsdelegiertem Gregor Postl (Toronto) gehört gerade der Lebensmittelbereich zu den Gewinnern von CETA. Umso wichtiger wäre es, dass auch das modernisierte EU-Mexiko-Abkommen rasch ratifiziert wird, gerade wenn Mexiko als Markt und als Brücke in den nordamerikanischen Wirtschaftsraum weiter an Bedeutung gewinnt.
Wie ist die Stimmung 2026?
Unterm Strich ist die Stimmung für 2026 vorsichtig positiv. Eine Umfrage der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA zeigt: Zwar blickt knapp zwei Drittel der Austro-Niederlassungen eher kritisch auf 2025 zurück – für die nächsten zwölf Monate rechnen viele aber mit Stabilität oder einer leichten Verbesserung. Und: 89% erwarten, dass die Umsätze zumindest halten oder steigen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Nordamerika (USMCA) ist ein zentraler Absatzraum; handelspolitische Änderungen wirken direkt auf Preise, Lieferketten und Verträge österreichischer Exportbetriebe.
- Österreichs Ausfuhren nach Nordamerika haben sich von 2014 bis 2024 auf 19,56 Mrd. Euro mehr als verdoppelt, getragen vor allem vom US-Markt.
- 2025 zeigt den Druck: In den ersten zehn Monaten sanken die Ausfuhren in die USA um mehr als 20% (rund 2,8 Mrd. Euro), während Kanada zulegte und Mexiko leicht nachgab.
- Besonders betroffen sind jene Kernsektoren, die Österreich stark exportiert: Maschinen und Fahrzeuge (sowie Chemie), weil neue Handelsbarrieren hier schnell durchschlagen.
- Trotz Unsicherheiten bleiben große Chancen: Das nutzbare Exportpotenzial in USA, Kanada und Mexiko wird insgesamt auf 11,9 Mrd. Euro geschätzt; für 2026 ist die Stimmung vorsichtig positiv.
