Kann Europa 2026 seine Position in der Welt stärken?

Das Jahr 2026 wird für die Europäische Union zum Stresstest.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wirtschaftsexpert:innen
  • Problemlöser:innen

Lesedauer:

4

Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Aktenstapel vor einer EU-Fahne, ki-generiert i
john | stock.adobe.com

2026 zählt die Umsetzung: Bürokratie runter, Wettbewerbsfähigkeit rauf. Wir zeigen, was Betriebe erwartet – und warum es jetzt ernst wird.

2025 hat gezeigt: Wenn der politische Wille da ist, geht’s praxistauglicher. Es gab wichtige Verbesserungen für die europäischen und damit auch für die österreichischen Unternehmen. Heinz Kogler, stv. Leiter der Abteilung Europapolitik in der WKÖ, bringt es so auf den Punkt: "2025 konnten wichtige Verbesserungen beim EU-Bürokratieabbau erzielt werden – Stichwort Erleichterungen beim Lieferkettengesetz oder bei der Entwaldungsverordnung. Auch bei der Digitalisierung von Konformitätserklärungen und Produktinformationen sind in Kürze Erleichterungen zu erwarten. Das ist wichtig, aber es muss auch weiterhin gelten: Wir brauchen praxisnähere und vor allem weniger bürokratische Lösungen für die Unternehmen."

Genau darum geht es 2026. Denn EU-Regeln sind für Betriebe keine Theorie: Sie landen als zusätzliche Nachweise am Schreibtisch, als neue Datenpflichten in der Lieferkette, als Kostenfaktor beim Import, als Verzögerung bei Genehmigungen oder als Umstellung bei Zahlungs- und IT-Systemen. 2026 entscheidet, ob aus Ankündigungen echte Entlastung wird – oder ob nur neue Komplexität entsteht.

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Wettbewerbsfähigkeit als Priorität – aber nur, wenn Tempo dazukommt

Die Europäische Kommission setzt 2026 Schwerpunkte, die aus Unternehmenssicht richtig sind: Wettbewerbsfähigkeit stärken, Bürokratie abbauen, wirtschaftliche Resilienz ausbauen. EU-Experte Kogler dazu: "Dass die Europäische Kommission in ihrem Arbeitsprogramm für 2026 die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau oder den Ausbau der wirtschaftlichen Resilienz als Prioritäten definiert hat, ist richtig und notwendig. Jetzt kommt es aber auf die rasche Umsetzung an. Und hier sind alle EU-Institutionen gefordert."

Das ist der Knackpunkt: 2026 ist kein Jahr für neue Schlagworte, sondern eines, in dem die Politik liefern muss. Es braucht Lösungen, die schnell wirken, einfach anwendbar sind und gerade für KMU nicht noch zusätzliche Ressourcen binden.

Verwaltungsaufwand muss runter – messbar, nicht nur gefühlt

Damit "Vereinfachung" nicht zur leeren Überschrift wird, braucht es ein klares Zielbild. Und das liegt am Tisch: "Wir haben das Ziel der EU-Kommission nicht vergessen", erklärt Kogler. "Der Verwaltungsaufwand bis 2029 soll um 25% - und für KMU um 35% - runter. Dafür braucht es weitere Maßnahmen."

Diese Zielzahlen sind der praktische Lackmustest: Zählt am Ende weniger Dokumentation, weniger Doppelmeldung, weniger Ausnahme? Oder wird’s lediglich "anders kompliziert"?

Sieben Themenfelder, ein roter Faden

Was heißt das jetzt aber konkret für die heimischen Betriebe? Die wichtigsten EU-2026-Vorhaben ordnen wir entlang einer einfachen Logik ein: Bringt es Entlastung? Und bringt es Tempo? Konkret schauen wir auf diese Felder:

  1. Bürokratieabbau, Omnibus & Gold-Plating: Nicht jede Vereinfachung spart Zeit. Entscheidend ist, ob Pflichten wirklich wegfallen – und ob nationale Zusatzauflagen (Gold-Plating) vermieden werden.
  2. Nachhaltigkeits-Pflichten praxistauglich machen (EU-Lieferkette, EU-Entwaldungsverordnung): 2025 gab es Korrekturen. 2026 muss daraus ein System werden, das klare Rollen und realistische Datenanforderungen schafft – ohne KMU zu überfordern.
  3. CBAM (CO2-Grenzausgleichsmechanismuns der EU): Wenn Reporting zur Kostenfrage wird: Mit 2026 rückt die finanzielle Wirkung stärker in den Fokus. Dann wird wichtig, ob Daten vorhanden sind, Zuständigkeiten geklärt sind und Lieferant:innen verlässlich liefern können.
  4. Energieunion: Netze, Genehmigungen, Engpässe: Wettbewerbsfähigkeit heißt auch: planbare Energieversorgung und schnellerer Ausbau. Für Unternehmen ist das eine Investitions- und Standortfrage, keine Debatte am Papier.
  5. Handelspolitik: Resilienz in der „Zollzeit“: Wer exportiert oder importiert, spürt rasch, wie stark Politik auf Preise und Lieferketten wirkt. Die Vernetzung mit Wachstumsmärkten durch gut gemachte Abkommen spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
  6. Binnenmarkt einfacher machen: Wenn Innovation und Investitionen leichter werden sollen, muss der Binnenmarkt für Betriebe einfacher nutzbar sein – über Grenzen hinweg, ohne Rechts- und Formular-Dschungel. Und mit mehr Rechtssicherheit.
  7. Zahlungsverkehr & Digitaler Euro: Neue Zahlungsformen müssen dem Alltag dienen: Wahlfreiheit, Sicherheit, Kosten und reibungslose Integration in Kassaund Online-Shop sind für Betriebe entscheidend.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 2026 wird zum Umsetzungsjahr: Entscheidend ist, ob angekündigter Bürokratieabbau im Betriebsalltag tatsächlich spürbar wird.
  • Die EU-Prioritäten sind richtig, aber das Tempo zählt: Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Vereinfachung müssen rasch und praxistauglich umgesetzt werden.
  • Die Messlatte ist klar definiert: Bis 2029 soll der Verwaltungsaufwand um 25% sinken – für KMU sogar um 35%.
  • Die relevanten Themen sind breit: Von Lieferketten/EUDR und CBAM über Energie und Handel bis zu Binnenmarkt, Vergabe und Zahlungsverkehr.
  • Im Zentrum steht die Praxis: Jede Maßnahme muss daran gemessen werden, ob sie Prozesse vereinfacht, Kosten senkt und Planungssicherheit erhöht.