Der Nahe Osten war für Österreichs Unternehmen bisher ein wichtiger Exportmarkt. Krieg, Lieferkettenprobleme und höhere Kosten machen Projekte schwieriger planbar.
Das Wichtigste in Kürze:
- Der Nahe Osten bleibt für österreichische Unternehmen ein wichtiger Markt mit hoher Nachfrage nach Industrie-, Infrastruktur- und Gesundheitslösungen.
- Der Krieg hat die Rahmenbedingungen verschärft und macht Geschäfte in der Region deutlich schwieriger planbar.
- Besonders belastend sind unterbrochene Lieferketten, höhere Transportkosten und steigende Versicherungsprämien.
- Vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate waren bisher wirtschaftlich dynamische Märkte.
- Erfolgreich sind Unternehmen, die Marktchancen nutzen und gleichzeitig Risiko, Logistik und Projektplanung enger zusammendenken.
Der Nahe Osten bleibt für Österreichs Unternehmen ein Markt mit Potenzial. Aber er ist deutlich anspruchsvoller geworden. So lautet das Fazit von Philipp Winkler, Regionalmanager Nahost der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA (AW), im MARI€-Gespräch. "Österreichische Unternehmen sind im Nahen Osten mit rund 270 Niederlassungen bzw. über lokale Repräsentanzen vertreten", erklärt Winkler. 2025 exportierten österreichische Unternehmen außerdem Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 2,6 Milliarden Euro in die Region. Gefragt sind vor allem Anlagenbau, Maschinen, Infrastrukturlösungen, Medizintechnik, Pharma und Eisenbahnprojekte.
Der Krieg hat die Lage verändert.
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Jetzt zum Newsletter anmelden!"Zu Beginn standen insbesondere Fragen der physischen Sicherheit der Belegschaften und ihrer Familien sowie die Unsicherheit über die mögliche Dauer des Konflikts im Vordergrund", sagt Winkler. Unternehmen mussten also zuerst klären, wie sie ihre Mitarbeiter:innen schützen und wie stabil die Lage vor Ort überhaupt noch ist.
Wenn Unsicherheit teuer wird
"Aktuell rücken hingegen die Blockade der Straße von Hormuz sowie die daraus resultierenden Unterbrechungen von Lieferketten und die damit verbundenen Kostensteigerungen im Transport- und Versicherungsbereich in den Fokus", hält Winkler fest. Genau das spüren Unternehmen in der Praxis. Projekte verzögern sich. Vorleistungen kommen später oder teurer an. Kalkulationen werden unsicherer. Und Zeitpläne halten oft nur noch mit mehr Puffer. Gerade für Unternehmen, die vor Ort tätig sind oder von Lieferungen aus der Region abhängen, wird das rasch zu einem echten betriebswirtschaftlichen Thema.
Was du jetzt tun kannst
- Prüfe, wie stark deine Lieferketten direkt oder indirekt von der Region abhängen.
- Plane bei Transport, Versicherung und Projektlaufzeiten größere Puffer ein.
- Sprich enger mit Kund:innen, Partnern und Dienstleistern vor Ort.
- Bewerte Länder im Nahen Osten nicht pauschal, sondern einzeln.
- Hol dir laufend aktuelle Einschätzungen zur Lage und zu den Risiken.
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Die größte Herausforderung: fehlende Planbarkeit
Viele Unternehmen können mit Risiken umgehen. Schwieriger wird es, wenn Entwicklungen kaum mehr verlässlich einschätzbar sind. „Der Konflikt und seine Folgen stellen vor Ort tätige Unternehmen insbesondere vor erhebliche planerische Herausforderungen“, erklärt Winkler. Unterbrochene Lieferketten führen zu Verzögerungen bei Projekten und bei der Versorgung mit wichtigen Vorleistungen. Für Unternehmen heißt das: Die Rahmenbedingungen erfordern einen intensiven und kontinuierlichen Austausch mit Kunden und Projektpartnern und erschweren zugleich eine verlässliche Prognose künftiger wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen erheblich.
Trotz allem wäre es zu kurz gegriffen, den Nahen Osten pauschal als Krisenregion abzuschreiben. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Region verlaufe sehr unterschiedlich, so der AW-Regionalmanager. Während manche Staaten mit Wiederaufbau oder Konsolidierung beschäftigt sind, bleiben andere auf Wachstumskurs.
Vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verzeichnen laut Winkler „ein anhaltend hohes wirtschaftliches Wachstum“. Wie dauerhaft diese Dynamik sein wird, ist allerdings offen. "Ob sich diese Dynamik langfristig fortsetzen wird oder ob die durch regionale Konflikte bedingten wirtschaftlichen Unsicherheiten dämpfend wirken, bleibt abzuwarten."
Was das für Unternehmen in Österreich heißt
Für österreichische Unternehmen ist genau das die zentrale Botschaft: Sowohl Großunternehmen als auch kleine und mittlere Betriebe aus Österreich nutzen die wirtschaftlichen Chancen der Region. Risiken und Chancen liegen enger beisammen als noch vor einigen Jahren. "Ungeachtet dessen besteht in der gesamten Region ein grundsätzliches Interesse an österreichischen Produkten und Dienstleistungen, die einen ausgezeichneten Ruf genießen", analysiert Philipp Winkler.
