Denkmal aus Gold

Einer von 11 österreichischen Goldmedaillen-Gewinnern bei EuroSkills im Porträt-


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Mit einer Meisterleistung in Rekordzeit erkämpfte sich Steinmetz Sebastian Winterroither den goldenen Stockerlplatz. 

Schon beim Finale am Samstag war Sebastian Winterroither zuversichtlich gestimmt: „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagte er unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Noch hing der Staub in der Luft, die ohrenbetäubenden Jubelrufe der Fans waren noch nicht verhallt.

„Die größte Herausforderung war die knappe Zeit, dass man da noch die Qualität hält“, berichtete Wienerroither unmittelbar nach dem Schlusspfiff im Bewerb, „aber es ist mir gut gegangen.“ Experte Bernhard Hasenöhrl, Steinmetz und Berufsschullehrer aus Salzburg, präzisierte: „Normalerweise würde man für ein solches Profilstück für ein Gebäude 36 Stunden kalkulieren. Hier haben die Teilnehmer nur 18 Stunden dafür.“ Die vorgegebene Zeit hat Winterroithner im Bewerb sogar unterboten: Er wurde mit seinem Stück als Erster fertig. So hatte er noch Zeit für Details und Feinheiten, beispielsweise für die Oberflächenbearbeitung. 

Das zählt: Vernetzung mit anderen

So groß die Freude über die Medaille ist, hebt Euroskill-Mentor Hasenöhrl noch andere Werte hervor: „Es geht in erster Linie ums Zusammenkommen, um die Vernetzung.“ Winterroithner, der die nationalen Meisterschaften im November gewonnen hat, hat sich auch bereits bei der internationalen Berufsmeisterschaft Worldskills 2019 im russischen Kazan durchgesetzt und damals ex aequo mit seinem französischen Kollegen Silber geholt.

Für Euroskills hat sich Winterroithner gut vorbereitet. In Hasenöhrls Salzburger Betrieb hat der junge Steinmetz anhand von Aufgaben früherer Skills-Bewerbe trainiert, auf sehr wenig Platz in sehr kurzer Zeit Entwürfe umzusetzen. Ein guter Steinmetz müsse künstlerisches Denken, planerische Fähigkeiten und räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen, sagt Hasenöhrl, der sich selbst als „Ausbildner mit Leib und Seele“ bezeichnet. „

Immer mehr Frauen im Beruf

„Rund 700 Steinmetzbetriebe gibt es in Österreich, und pro Jahr rund 100 Lehrlinge, zunehmend auch Frauen“, sagt Hasenöhrl. Nicht zuletzt dank coolen Wegbereiterinnen wie Europameisterin Melanie Seidl: Die heute 32-jährige Steinmetzin hat Österreich bei WorldSkills 2011 in London vertreten und 2012 in Spa-Francorchamps (Belgien) als erste Frau den Titel bei EuroSkills geholt. In Graz ist Seidl als „EuroSkills Hero“, als Botschafterin für den Bewerb, dabei – und nach seinem Trainer die Zweite, die Sebastian Wienerroither gratuliert.

Der Beruf habe jungen Menschen einiges zu bieten, sagt Hasenöhrl: „Man schafft als Steinmetz ein bleibendes Werk – und zwar keineswegs nur Grabsteine.“ Der Beruf sei vielfältiger, als viele denken: „Man fährt auch nach Jahren noch an den Denkmälern und Restaurierungen vorbei, die man gemacht hat.“