Warum boomt EdTech?

Digitales Unterrichten und Lernen 


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Digital Natives
  • SchülerInnen
  • Studentinnen

Lesedauer:

5 Minuten

AutorIn: Harald Sager

Hannes Aichmayr von EdTech Austria i
WKS/ Probst Photographie

Hannes Aichmayr

Auch die Aus- und Weiterbildung wandert in den digitalen Raum und sorgt für einen Aufschwung bei Bildungstechnologien. In Österreich entstehen besonders viele Start-ups in diesem Bereich. Warum das so ist, erklärt und Hannes Aichmayr, Projektleiter bei EdTech Austria.

“Boomt EdTech in Österreich? Und wenn ja, warum?“

Hannes Aichmayr:
Das kann man auf jeden Fall so sagen, denn der Bedarf an digitalem Unterrichten und Lernen ist erst in den letzten Jahren so richtig entdeckt worden. Derzeit haben wir hierzulande etwa 100 EdTech-Unternehmen – aber ca. die Hälfte ist erst seit 2017 dazugekommen. Die Pandemie hat dem noch einmal einen Riesenschub gegeben, und zwar gleich in zwei Richtungen: Zum einen im Bildungsbereich mit Distance Learning, zum anderen in der Wirtschaft mit dem Trend zu New Work bzw. der Verlagerung ins Homeoffice.

Wer oder was ist EdTech?

EdTech, die Kurzform von Educational Technology, ist Neudeutsch für Bildungstechnologie, und die wiederum bezeichnet sämtliche digitalen Tools und Anwendungen, die das Lernen unterstützen, sowie die Unternehmen, die diese entwickeln und anbieten. Zielgruppen von EdTechs sind gleichermaßen Bildungseinrichtungen (für Unterricht, Ausbildung, spielerisches Lernen usw.) und die Wirtschaft (Lehrvideos, virtuelle Trainings bzw. Weiterbildung). 

“War der Aufholbedarf überall gleich groß?“

Nein, er war und ist in den Schulen wesentlich höher. In den Unternehmen waren die MitarbeiterInnen in der Regel bereits mit den technischen Endgeräten ausgestattet, es ging im Grunde nur darum, sie extern, also bei sich zu Hause, zu installieren und die unternehmensinterne Kommunikation sicherzustellen – wobei Tools wie Microsoft Teams oder Zoom für viele neu waren. Die EdTech-Tools für digitale Schulungen, Weiterbildung und so weiter konnten sich demnach auf bereits vorhandene Strukturen stützen.
Im Schulbereich hingegen gab und gibt es vielfach keine Endgeräte, also weder bei den LehrerInnen noch bei den SchülerInnen. Das ist jetzt dabei, sich zu ändern: So sieht das 8-Punkte-Programm des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung für die Digitalisierung der heimischen Schulen vor, dass alle ab der 5. Schulstufe mit mobilen Endgeräten, in dem Fall Tablets, und ab der Oberstufe mit Laptops arbeiten, was wiederum die Voraussetzung für den Einsatz von EdTech-Tools ist.

“Die digitale Lernplattform GoStudent wurde unlängst mit über 1,4 Mrd. Euro bewertet und ist damit das wertvollste Start-up des Landes. Hat das der heimischen EdTech-Szene einen Vorwärtsschub gegeben?“

GoStudent hat tatsächlich den Vogel abgeschossen, das Unternehmen ist ja erst das zweite „Unicorn“ überhaupt in Österreich und zugleich auch das höchstbewertete EdTech-Unternehmen in Europa. Schön für GoStudent – aber auch für die Branche, denn es hat die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit erstmals auf das Thema EdTech gelenkt. Von den Investoren ganz zu schweigen, die ja im Fall GoStudent international sind – bis hin zur SoftBank, mit dem Vision Fund der größte technologieorientierte Investor weltweit! Dadurch werden es künftig auch andere EdTech-Start-ups leichter haben, Investoren für sich zu interessieren.

“Ist EdTech Austria die Anlaufstelle für heimische EdTech-Unternehmen? Oder nur für Salzburg?“

Wir sind zwar in Salzburg stationiert, sehen uns aber als die Anlaufstelle für die gesamte heimische Szene, also aus allen Bundesländern. Unsere Kernaufgaben sind Vernetzungsevents der Branche untereinander, Eins-zu-eins-Gespräche mit Interessenten und die Ausschau nach möglichen Partnern aus der Wirtschaft bzw. aus Bildungseinrichtungen sowie nach öffentlichen Förderern, damit die Start-ups ihre Projekte testen und realisieren können. Wir von EdTech Austria agieren sozusagen als Zentrale eines „Ökosystems“ zwischen den Start-ups, deren potenziellen Kunden und möglichen Förderstellen. Da es ansonsten nichts Vergleichbares in Österreich gibt, ist die Nachfrage auch entsprechend groß.