Gründungen sind mehr als eine schöne Statistik. Sie erwirtschaften Umsätze, schaffen Jobs, lösen Investitionen aus und stärken damit die Finanzierung unserer Sozialsysteme. 2025 wurde in Österreich wieder besonders viel gegründet – doch was steckt hinter diesem Gründungsboom – und was bewirkt er tatsächlich?
Bereits 2025 konnten wir an dieser Stelle über einen Gründungsrekord in Österreich berichten. Und das Land erlebt weiterhin eine starke Gründungsdynamik: 39.978 neue Unternehmen im Jahr 2025 (ohne Personenbetreuer:innen). Das bedeutet ein Plus von 9,4% gegenüber 2024.
"Diese Zahlen sind kein Zufall. Der Gründerboom 2025 steht für ein neues unternehmerisches Selbstverständnis. Junge Menschen gründen, weil sie gestalten wollen – nicht, weil sie müssen. Flexibilität, Selbstbestimmung und unternehmerische Freiheit sind die zentralen Treiber. Dass nur 1,6% aus Druck heraus gründen, macht unmissverständlich klar: Unternehmertum ist heute eine bewusste Entscheidung für Chancen und Zukunft", sagt Lukas Sprenger, Leiter der Abteilung Zielgruppenmanagement in der WKÖ.
Kurz erklärt: Was heißt "Wertschöpfung"?
Wertschöpfung ist vereinfacht gesagt das, was ein Unternehmen "zusätzlich schafft", nachdem Vorleistungen (z. B. zugekaufte Materialien, externe Leistungen) abgezogen sind. Sie ist zentral, weil sie Einkommen, Gewinne, Steuern und Investitionen ermöglicht.
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Vielfältige Auswirkungen auf Österreich?
Doch wie wirken sich diese neuen Unternehmen auf Österreich aus? Hier lohnt sich ein genauer Blick. Eine aktuelle Studie, basierend auf Zahlen von 2023, zeigt: Neugründungen haben direkte, indirekte und induzierte Effekte:
- Direkt: Das neue Unternehmen schafft Umsätze.
- Indirekt: Neugründungen beziehen Vorleistungen – Zulieferer und Dienstleister:innen profitieren (z. B. IT, Handwerk, Logistik, Beratung).
- Induziert: Einkommen aus diesen Effekten wird wieder ausgegeben – das stabilisiert Nachfrage.
Die wichtigsten Wirkungszahlen:
- Direkte Wertschöpfung: 3,33 Milliarden Euro
- Gesamteffekt: 5,9 Milliarden Euro
- Multiplikator: 1,75 (jeder Euro direkt erzeugt zusätzlich 0,75 Euro im Umfeld)
- Beschäftigung: ca. 50.000 Jobs direkt, knapp 70.000 Jobs im Gesamteffekt
- Steuern und Abgaben: 2,9 Milliarden Euro
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Warum das auch für Regionen zählt
Gründungen wirken selten isoliert. Sie schaffen Nachfrage bei lokalen Betrieben, stärken Netzwerke und können regionale Wertschöpfung im Ort halten – gerade dort, wo neue Betriebe Dienstleistungen beziehen und Arbeitsplätze schaffen.
Stabilität: Bleiben diese Unternehmen am Markt?
In der Statistik zeigt sich: Ein großer Teil der gegründeten Unternehmen ist nach mehreren Jahren noch aktiv (je nach Betrachtung rund zwei Drittel bis "rund 7 von 10" nach fünf Jahren). Das ist relevant, weil langlebige Betriebe den Effekt langfristig verstärken.
Mehr Gründungen sind nicht nur "mehr Konkurrenz". Für viele Betriebe sind sie neue Kund:innen, Partner:innen oder Zulieferer. Daraus ergeben sich Chancen, aber auch Reibungspunkt:
Chancen
- Neue B2B-Nachfrage: Gründungen brauchen oft sofort IT, Buchhaltung, Marketing, Ausstattung, Finanzierung, Recht
- Kooperation statt Kopie: Viele Gründungen besetzen Nischen – mit Partnering kommst du schneller zu neuen Angeboten.
- Regionale Impulse: Mehr Betriebe können lokale Nachfrage stabilisieren (und neue Lieferketten im Ort schaffen).
Reibungen
- Arbeitskräfte werden knapper, wenn mehr Betriebe parallel Personal suchen.
- Preisdruck kann steigen, wenn viele in ähnliche Nischen drängen.
- Bürokratie & Finanzierung bleiben Bremsen, wenn Prozesse nicht einfach genug sind.
Packt dich der Unternehmergeist? Dein schneller Praxis-Check
- Wenn du gründen willst: Starte mit Problem–Lösung–Kund:in und plane die ersten 100 Tage (Kund:innen vor Perfektion).
- Wenn du schon Unternehmer:in bist: Entwickle ein „Starter-Angebot“ (klarer Preis, schneller Nutzen, einfacher Einstieg).
- Wenn du wachsen willst: Prüfe Kooperationen mit jungen Unternehmen, bevor du alles selbst aufbaust.
- Hol dir früh Unterstützung: Rechtsform, Finanzierung, Preisgestaltung und Förderlogik sind typische Stolpersteine.
Alle wichtigen Informationen und Ansprechpartner:innen rund um die Unternehmensgründung liefert die das WKÖ-Gründerservice:
- "Einfach machen", der aktuelle Leitfaden zur Unternehmensgründung
- Gründung: Alle Angebote des WKO Gründerservices
- Der Gründungsguide
- Online Services zur Gründung
- Gewerbeanmeldeservice der WKO
Was jetzt wichtig ist
Damit aus der Gründungsdynamik nachhaltiges Wachstum wird, muss jetzt an mehreren Stellschrauben gedreht werden. "Es braucht jetzt konkrete Schritte: eine vollständig digitale Unternehmensgründung für alle Rechtsformen, bessere Rahmenbedingungen für Beteiligungskapital und spürbare Entlastung für Unternehmer:innen. Die Anhebung der Kleinunternehmergrenze und der rasche Start des rot-weiß-roten Dachfonds sind dabei zentrale Hebel. Wer Gründer:innen ernst nimmt, muss ihnen den Weg erleichtern – nicht erschweren", betont Lukas Sprenger.
Das Wichtigste in Kürze:
- 2025 gab es 39.978 Neugründungen (ohne Personenbetreuer:innen), das sind 9,4% mehr als 2024.
- Neugründungen wirken über den eigenen Betrieb hinaus: Wertschöpfung und Jobs entstehen auch in Zuliefer- und Umfeldbranchen.
- Damit der Schwung bleibt, sind einfachere Prozesse und besserer Zugang zu Kapital wichtige Hebel.
