Freihandel EU-Australien: Neue Chancen "down under"

Die EU schließt mit Australien ein Handels­abkommen. Wie Österreich davon profitiert.


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  • Wissenshungrige
  • Exporteur:innen

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3

Minuten

AutorIn: Rosa Schwalbe

Australien- und EU-Flaggen auf Konferenztisch bei Geschäftstreffen mit Handschlag im Hintergrund. i
NazeerArt | stock.adobe.com

Austria goes Australia: Von einer Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Australien und Österreich würden exportierende Unternehmen in vielen Branchen profitieren. Entweder durch Zollabbau sofort nach Inkrafttreten des Abkommens oder mittelfristig durch das Anerkennen von internationalen Standards.

Die Welt ordnet sich neu, ein Zeichen dafür sind die Kriege, die derzeit in der Ukraine und im Nahen Osten die Eckpfeiler der globalen Wirtschaft erschüttern. Sicher ist, dass einst verlässliche Partner mit ihren unvorhersehbaren Rochaden gut geölte Routinen außer Kraft setzen.

Ausbaufähige Beziehung

Deshalb braucht Europa nicht nur eine neue Verteidigungsstrategie, sondern auch neue Handelspartner. "Das Handelsabkommen mit Australien ist ein wichtiger Baustein, um sich breiter und krisenfester aufzustellen", brachte es WKÖ-Präsidentin Martha Schultz in einer Aussendung auf den Punkt und freute sich, dass Ursula von der Leyen in der australischen Hauptstadt Canberra ein umfangreiches Abkommen auf den Weg bringen konnte.

Was Australien bietet

Australien mit 27 Millionen Menschen ist ein attraktiver Markt mit einem Handelsvolumen von 90 Milliarden US-Dollar. Österreichs Warenexporte liegen bei rund 885 Millionen Euro. Das birgt großes Wachstumspotenzial.

Die Europäische Union ist immer schon an ihren Bedrohungen gewachsen. Denn Fakt ist: Am Abkommen mit Australien wird tatsächlich schon seit acht Jahren gefeilt. Es geht um den Handel mit Maschinen, Fahrzeugen, Elektrik und Elektronik, Lebensmitteln, Stahlprodukten, Pharmazeutika und Massivholz, aber auch um Rohstoffe wie seltene Erden, um eine gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungsstrategie und Erleichterungen bei der Öffnung des Arbeitsmarkts. 

Regelbasiert und damit verlässlich

Als Exportland würde Österreich besonders profitieren. "Australien ist für Europa ein vernünftiger Partner, der sich an internationales Recht hält und gemeinsame Wertvorstellungen teilt", betont Ulrike Straka, WKÖ Wirtschaftsdelegierte in Sydney. Sie gibt allerdings zu bedenken, dass erst einmal alle EU-Mitgliedsstaaten im Europäischen Rat ihre Zustimmung zur Ratifizierung geben müssen, was bis zu rund 18 Monate in Anspruch nehmen könnte.

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Zölle fallen durch das Handelsabkommen

Straka hofft im Sinne der österreichischen Exportwirtschaft, dass es schneller geht, denn die Vorteile für Österreichs Unternehmen sind handfest. Konkret: Nach Inkrafttreten entfallen fast sämtliche Zölle. Das macht etwa europäische Nahrungsmittel in Australien konkurrenzfähiger, sie würden gegenüber der australischen Konkurrenz um 5% billiger. Der Zollabbau nutzt zudem der Kunststoff- und Baumaterialbranche.

Stabile Entwicklung mit Wachstumsperspektive

Maschinenhersteller profitieren eher von der Anerkennung internationaler Standards, die aber noch im Detail verhandelt werden müssen, sobald das Abkommen in Kraft ist. Australien hat hohe Sicherheitsanforderungen für Elektrik und Baumaterialien und erkennt nicht automatisch Zertifizierungen aus der EU an. Das macht einen Markteintritt kostspielig. Vor allem auch deshalb, weil in den einzelnen Teilstaaten Australiens unterschiedliche Anforderungen existieren. "Mich haben die großen Widersprüche überrascht. Australien ist bei Telemedizin und Finanzdienstleistungen extrem fortschrittlich, hat aber in der Bauindustrie und im Umweltschutz enormen Nachholbedarf."

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"Hervorragende Chancen für österreichische Unternehmen"

"In allen erwähnten Bereichen sehe ich hervorragende Geschäftschancen für österreichische Unternehmen", so Straka. Die australische Verkehrsinfrastruktur etwa bei Schienenverkehr, Tunnelbau und im Verkehrsleitwesen sind ebenso vielversprechend wie Bergbau und Metallurgie oder Cyber-IT. Zusätzlich sieht die Wirtschaftsdelegierte beträchtliches Innovationspotenzial aus Österreich, das in "Down under" gebraucht wird. 

Apropos Innovation: Der Beitritt Australiens zur EU-Forschungsinitiative "Horizon Europe" wird auch Forschung und Entwicklung auf neue Schienen bringen.

Hürden im Agrarbereich

Bei den Verhandlungen gerungen wurde um einzelne Produktkategorien. "Beim Fleisch gibt es Quoten, beim Käse werden Zölle über drei Jahre auf null gesenkt und für Wein gibt es ein eigenes Abkommen", präzisiert Straka. Denn genau in der Landwirtschaft lagen in der Vergangenheit auch die Knackpunkte des Handelsabkommens. Die EU-Länder schützen ihre Märkte, Australien will seine agrarischen Produkte in die EU importieren. Mit Quoten und Richtwerten will man diese Probleme in Griff bekommen.

Union für Verteidigung und Sicherheit

Neue Partner, neue Chancen: Bei den Verhandlungen rund um das Handelsabkommen einigte man sich auch auf eine neue Sicherheitspartnerschaft, die EU will in Verteidigungsagenden stärker mit Australien zusammenarbeiten. Dazu gehört längst auch der Handel. Dass große wirtschaftliche Abhängigkeit von einem einzelnen Partner ein strategischer Nachteil sein kann, spürt die EU in Bezug auf China und Russland schon geraume Zeit. Australien ist nicht nur beim Import sondern auch beim Export stark von China abhängig, ein Drittel seiner Exporte gehen nach China.

Auf win-win setzen

Die intensivierten Beziehungen mit Australien sind ein Schritt in Richtung mehr Unabhängigkeit. Die Frage ist, ob die europäischen Mitgliedsstaaten und ihre Stake-Holder diese Ansicht teilen werden. "Gelingt das, sehe ich die EU und Australien zusammenrücken", so Straka. Eine geopolitische Neupositionierung würde für Europa strategisch ein Vorteil sein. Die Austria-Australia-Connection hat Potenzial. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach acht Jahren Verhandlung hat die EU hat mit Australien ein Handelsabkommen abgeschlossen, das nun in die Ratifizierungsphase geht.
  • Durch die neuen geopolitischen Verschiebungen sind neue Handelspartner wie Australien für die EU und ihre Unabhängigkeit von Großmächten mit imperialistischen Tendenzen notwendig.
  • Als Exportland sind neue Märkte für Österreich eine Chance Handelsbeziehungen zu intensivieren. Profitieren würden Branchen wie Maschinenbau, Elektro und Elektronik, Fahrzeugindustrie, Pharmazeutika, Kunststoffe, Nahrungsmittel, Massivholz und viele mehr.
  • Knackpunkt des Handelsabkommens waren bisher vor allem Bedenken der Landwirtschaft.
  • Neben Erleichterungen beim Markteintritt und dem Aufbau von Wertschöpfungsketten bei wichtigen Rohstoffen soll auch gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungsstrategien mit Australien die EU stärken. Ein geopolitisch wichtiger Schachzug in Zeiten von zunehmend kriegerisch eingestellten Großmächten.