Wir verfolgen laufend, wie der Irankonflikt Öl- und Gaspreise beeinflusst – von Hormus-Risiken bis LNG-Logistik und EU-Speichern. Updates, Einordnung und Folgen für Betriebe
Längerfristige Effekte auf die Energiepreise hängen maßgeblich von der Dauer der Angriffe und deren Einfluss auf den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ab. Kurzfristig macht sich der Konflikt vor allem an den Preisen der Öl- und Gasmärkte bemerkbar. Nach dem iranischen Angriff auf Flüssiggasanlagen in Katar befürchten Expert:innen aber auch nachhaltige Auswirkungen. So würden ungefähr 17 bis 20% des Gases aus dem Land für die nächsten 3 bis 5 Jahre fehlen.
Die ebenfalls bombardierten Öl-Förderanlagen dürften schneller wieder einsatzbereit sein. In einem positiven Szenario ist Expert:innen zufolge davon auszugehen, dass die Produktion nach Ende des Krieges innerhalb von ein bis zwei Monaten wieder richtig anläuft.
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iIrankonflkit: So wichtig ist der Nahe Osten für Österreichs Wirtschaft
Europäische Erdgas-Futures stiegen im vom WIFO berechneten, rollierenden 7-Tages-Durchschnitt seit Beginn der Angriffe auf 51,8 Euro je MWh – ein Plus von über 53%. Durch die aktuellen Entwicklungen haben die Preise damit den höchsten Stand seit Anfang 2023 erreicht – sind allerdings noch weit unter dem Höchstwert von der letzten 5 Jahre, als der Preis im August 2022 auf 321 Euro je MWh kletterte.
Noch immer ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stark beeinträchtigt (Vorfälle/Schäden an Tankern, viele Schiffe festgesetzt) und zusätzlich ziehen große Versicherer War-Risk-Cover seit 5. März zurück, was Ladungen aus dem Persischen Golf weiter erschwert.
Trotz saisonal sinkendem Verbrauch sind Europas Speicher ungewöhnlich niedrig, weshalb über den Sommer große Mengen Flüssigerdgase (Liquified Natural Gas, LNG) eingekauft werden müssen.
Die Brent-Rohöl-Futures stiegen bis Donnerstag, 19. März, auf knapp unter 110 US-Dollar pro Barrel. Die Krise hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Transportrouten für Öl weltweit, nahezu zum Erliegen gebracht. Laut Analysten von Capital Economics könnte ein Ölpreis von 100 US-Dollar pro Barrel die globale Inflation um ca. 0,6–0,7 Prozentpunkte erhöhen. Unter Ökonom:innen gibt es die Faustregel: Steigt der Ölpreis um zehn Dollar je Fass, kostet das entwickelte Volkswirtschaften etwa 0,1 Prozentpunkte Wachstum.
Höhere Energiepreise drücken die reale Kaufkraft und erhöhen Kosten in energie-/transportintensiven Branchen (Chemie, Metalle, Baustoffe, Transport, Teile der Grundstoffindustrie). Für Österreich als importabhängiges Land bedeutet das zusätzlich schwächere Terms-of-Trade und erneuter Druck in Lohnrunden (Zweitrundeneffekte), falls der Schock länger anhält.
Das Wichtigste in Kürze:
- Laufendes Update: Wir ergänzen neue Daten und Marktreaktionen, sobald sich Lage und Preise ändern.
- Schlüsselstelle Hormus: Dauer und Intensität der Störungen im Transit durch die Straße von Hormus sind zentral für den weiteren Preisdruck.
- Gas im Fokus: Der europäische Referenzpreis Dutch TTF (Front-Month) ist innerhalb weniger Tage gestiegen – getrieben von LNG-Lieferkettenrisiken.
- LNG-Logistik wird teurer: Vorfälle/Schäden an Tankern, festgesetzte Schiffe und höhere War-Risk-Kosten können Lieferungen aus dem Persischen Golf erschweren.
- Relevanz für Österreich: Steigende Öl- und Gaspreise erhöhen Treibstoff-, Heiz- und Transportkosten und können Inflation, Kaufkraft und Lohnverhandlungen wieder stärker beeinflussen.
- Laufende Updates bündelt der Infopoint Nahost der WKÖ.
