Österreichs Export­wirtschaft fährt 2026 auf Sicht

Warum Österreichs Export­wirtschaft jetzt mehr denn je Orientierung braucht.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wirtschaftsexpert:innen
  • Exporteur:innen

Lesedauer:

5

Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Eine Person in orangefarbener Sicherheitskleidung sitzt in der Steuerkabine eines Hafenkrans und blickt auf ein Containerschiff sowie Hafenanlagen mit Kränen und Containern, ki-generiert. i
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Geopolitische Konflikte, Energiepreise und neue Handelsbarrieren machen Auslandsgeschäfte anspruchsvoller. Gleichzeitig eröffnen Märkte wie Indien, Mercosur oder Australien neue Chancen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Österreich lebt vom Export: Mehr als die Hälfte der heimischen Wirtschaftsleistung hängt an Ausfuhren, rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt mit der Exportwirtschaft verbunden.
  • Der Welthandel verliert an Tempo: Nach einem überraschend starken Wachstum von 4,6% im Jahr 2025 rechnet die WTO für 2026 nur noch mit 1,9% Wachstum.
  • Geopolitische Risiken belasten die Planung: Spannungen im Nahen Osten, hohe Energiepreise, neue Zölle und unsichere Lieferketten machen Auslandsgeschäfte anspruchsvoller.
  • Neue Märkte bieten Chancen: Indien, Mercosur und Australien eröffnen Potenziale – etwa in Green Tech, Maschinenbau, Infrastruktur, Lebensmitteln, Pharma, Mobilität und Elektronik.
  • Orientierung wird zum Wettbewerbsvorteil: Wer geopolitische Entwicklungen richtig einordnet, kann Risiken früher erkennen, Märkte gezielter bearbeiten und Exportchancen besser nutzen.

Österreichs Exportwirtschaft: stark, aber unter Druck

Österreichs Unternehmen sind international stark vernetzt. Doch geopolitische Konflikte, Energiepreise und neue Handelsbarrieren machen Auslandsgeschäfte anspruchsvoller. Warum Orientierung jetzt zum Wettbewerbsvorteil wird – und welche Märkte Chancen bieten.

Österreichs Wirtschaft lebt vom Export. Mehr als die Hälfte der heimischen Wirtschaftsleistung hängt an Ausfuhren, rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt mit der Exportwirtschaft verbunden. Was österreichische Unternehmen weltweit erfolgreich macht, ist bekannt: Qualität, Innovation, Verlässlichkeit. "Made in Austria" ist auf internationalen Märkten ein starkes Gütesiegel.

Doch die Rahmenbedingungen für das Auslandsgeschäft haben sich spürbar verändert. Geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise, schwächere Nachfrage in wichtigen Volkswirtschaften und angespannte Lieferketten belasten die Exportwirtschaft. Für viele Betriebe heißt das: Entscheidungen müssen unter größerer Unsicherheit getroffen werden.

"Für die Exportunternehmen ist die Situation derzeit ein Fahren auf Sicht", sagt Michael Otter, Leiter der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKÖ. Gerade deshalb werde der Zugang zu verlässlichen geopolitischen Informationen immer wichtiger. Wer Risiken früh erkennt, kann Lieferketten, Märkte und Investitionen besser einschätzen. Hier setzt der Exporttag 2026 der WKÖ an.

Am 28. Mai wird Wien erneut zum Treffpunkt für international orientierte Unternehmen. Mit mehr als 60 WKÖ-Wirtschaftsdelegierten aus aller Welt sowie zahlreichen internationalen Expert:innen bietet die Veranstaltung Orientierung zu globalen Entwicklungen und konkreten Marktpotenzialen.

EXPORTTAG 2026: Together. We shape tomorrow.

Am 28. Mai 2026 wird die Wirtschaftskammer Österreich erneut zum zentralen Treffpunkt für Internationalisierung, Export und unternehmerische Chancen. Der Exporttag 26 ist das größte Internationalisierungs-Event Zentraleuropas und bringt über 2.500 Entscheidungsträger:innen aus Wirtschaft, Politik und internationalen Netzwerken zusammen. Nutze deine Chance - die Teilnahme ist kostenlos!

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Welthandel 2026: Die Dynamik lässt nach

2025 entwickelte sich der weltweite Warenhandel noch stärker als erwartet. Laut WTO wuchs das globale Handelsvolumen um 4,6%. Dahinter standen allerdings auch Sondereffekte: etwa Vorzieheffekte infolge neuer US-Zölle und eine steigende Nachfrage nach KI-bezogenen Gütern.

Für 2026 rechnete die WTO im März mit einer deutlichen Verlangsamung des globalen Handelswachstums auf 1,9%. Der seit Februar andauernde Krieg im Iran verstärkt diesen Trend und belastet das Wachstum zusätzlich über steigende Energiepreise und höhere Transportkosten. Sollte der KI-Boom anhalten, könnte das die Verlangsamung teilweise abfedern.

Geopolitische Risiken erschweren die Exportplanung

Für Österreich ist diese Entwicklung besonders relevant. Als kleine, offene Volkswirtschaft ist das Land stark auf funktionierende internationale Märkte angewiesen. Die faktische Schließung der Straße von Hormus hat Energiepreise deutlich steigen lassen und verteuert Transporte sowie Vorleistungen quer durch alle Branchen. Für energieintensive Betriebe und Unternehmen mit Lieferketten in der Region bedeutet das steigende Kosten und schwieriger planbare Märkte.

Die zentrale Botschaft: Eine Erholung im Außenhandel ist kein Selbstläufer mehr. Unternehmen brauchen gute Informationen, belastbare Netzwerke und eine klare Strategie für ihre Zielmärkte.

VIDEO: Iran-Krieg: Droht jetzt der Wirtschaftskollaps?

US-Zölle bremsen, Europa bleibt wichtiger Absatzmarkt

Die wichtigsten Absatzmärkte entwickeln sich derzeit unterschiedlich. Die österreichischen Exporte in die USA gingen im Vorjahr aufgrund neuer und erhöhter US-Zölle zurück. Gleichzeitig konnten mehrere europäische Märkte kräftig zulegen – darunter Italien, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich.

Auch Indien und Südostasien lieferten positive Impulse. Die Märkte im Nahen Osten, insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate, waren zuletzt wichtige Wachstumsmärkte. Angesichts der geopolitischen Lage wird ihre weitere Entwicklung besonders aufmerksam beobachtet.

Für exportierende Unternehmen bedeutet das: Bewährte Märkte bleiben wichtig, aber zusätzliche Chancen entstehen auch in Regionen, die anspruchsvoller zu bearbeiten sind. Wer neue Märkte erschließen will, braucht nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch ein gutes Verständnis für Regulierung, Geschäftskultur und lokale Anforderungen.

Neue Exportchancen in Indien, Mercosur und Australien

Gerade in unsicheren Zeiten gewinnen Handelsabkommen an Bedeutung. Sie können Zölle senken, Marktzugang erleichtern, Rechtssicherheit schaffen und damit gerade kleinen und mittleren Unternehmen neue Chancen eröffnen.

Im Fokus stehen unter anderem Mercosur, Indien und Australien. Für Österreichs Exportwirtschaft geht es dabei nicht nur um neue Absatzmärkte, sondern auch um Versorgungssicherheit und den Zugang zu wichtigen Rohstoffen.

  • Australien: Chancen bei Lebensmitteln, Maschinen und Elektronik
    In Australien könnten österreichische Unternehmen etwa bei Nahrungsmitteln und Getränken, Kunststoffen, Maschinen, Fahrzeugen und Elektronik profitieren – insbesondere, wenn Zölle und nicht-tarifäre Handelshemmnisse abgebaut werden
  • Indien: Green Tech, erneuerbare Energie und industrielle Modernisierung
    • In Indien sieht die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA große Chancen in Green Tech, erneuerbaren Energien, industrieller Modernisierung, Anlagenbau, Automatisierung sowie Mobilität und Verkehrsinfrastruktur.
  • Mercosur: Potenzial für Maschinenbau, Pharma und Infrastruktur
    In den Mercosur-Ländern liegen Potenziale unter anderem im Maschinenbau, in der Pharmaindustrie, bei Lebensmitteln und bei Infrastrukturzulieferungen.

TIPP: Infos zu Mercosur und Zollsatz-Checks für Unternehmen

Die WKÖ stellt umfassende Informationen zum Abkommen online zur Verfügung. Um die heimischen Unternehmen zu unterstützen, richtet die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA den Fokus auf die Mercosur-Länder: Von Wirtschaftsmissionen über Veranstaltungen bis hin zu Webinaren finden Unternehmen alle Informationen auf www.wko.at/mercosur.

Zudem bieten die AußenwirtschaftsCenter São Paulo und Buenos Aires kostenlose individuelle "Zollsatz-Checks" an. Dabei wird geprüft, ob ein Produkt unter das Abkommen fällt, und wenn ja, über wie viele Jahre der Zollabbau erfolgt.

Markteintritt in Fernmärkte: Was Unternehmen beachten sollten

So groß die Chancen sind: Der Einstieg in neue Märkte ist selten einfach. Indien gilt etwa aufgrund administrativer und bürokratischer Abläufe als besonders komplex. Unternehmen brauchen dort Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Tempo.

Auch in den Mercosur-Ländern können Bürokratie, Sprachbarrieren und unterschiedliche Geschäftspraktiken zur Herausforderung werden. In Australien wiederum unterscheiden sich Anforderungen, Standards und Verwaltungspraxis teilweise je nach Teilstaat.

Diese Märkte unterscheiden sich damit deutlich von vertrauteren Exportregionen wie Europa oder den USA. Höhere Marktzugangshürden, regulatorische Vielfalt, kulturelle Unterschiede und ein anderes Wettbewerbsumfeld verlangen eine gründliche Vorbereitung.

WKÖ Global Insights: Orientierung für exportierende Unternehmen

Genau hier setzt die WKÖ-Initiative Global Insights an. Sie bereitet geopolitische und geoökonomische Entwicklungen praxisnah auf, ordnet ihre Relevanz für Unternehmen ein und bietet Orientierung durch kompakte Analysen, Webinare und Expert:innenformate.

Denn Exporterfolg entsteht heute nicht mehr allein durch gute Produkte. Unternehmen müssen auch verstehen, wie politische Entscheidungen, Handelskonflikte, Energiepreise oder regionale Spannungen ihre Märkte beeinflussen.

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WKÖ/DMC



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Fazit: Exporterfolg braucht Information, Netzwerke und Strategie

Für Österreich heißt das: Die außenwirtschaftlichen Beziehungen müssen aktiv gestaltet werden – auf EU-Ebene durch eine proaktive Handelspolitik und die bessere Nutzung des Binnenmarkts, auf nationaler Ebene durch die Stärkung der Exportkraft österreichischer Unternehmen. Programme wie go-international, die geopolitischen Analysen von WKÖ Global Insights und die Services der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA unterstützen Betriebe dabei, Chancen in schwierigerem Umfeld gezielt zu nutzen.

Österreichs Exportwirtschaft bleibt international stark. Aber sie bewegt sich in einer Welt, in der Planung schwieriger und Information wertvoller wird. Wer Risiken realistisch einschätzt, neue Märkte sorgfältig vorbereitet und internationale Entwicklungen im Blick behält, kann auch in unsicheren Zeiten erfolgreich wachsen.