Startup-Investments in Österreich verzeichnen ein starkes erstes Halbjahr mit 472 Millionen Euro Risikokapital und so vielen Finanzierungsrunden wie noch nie. Aber: Je größer die Finanzierungsrunde, desto geringer ist der Anteil heimischer Investor:innen. Was es jetzt braucht, um heimische Investitionen zu fördern - Stichwort Dachfonds, erfährst du hier.
Das Wichtigste in Kürze:
- 472 Millionen Euro Risikokapital und 97 Finanzierungsrunden: Österreichs Startup-Szene verzeichnet ein starkes erstes Halbjahr 2026.
- Je größer die Finanzierungsrunde, desto geringer der Anteil heimischer Investor:innen: Bei Deals über 10 Millionen Euro liegt er nur noch bei 12,5%.
- Mehr heimisches Wachstumskapital soll zusätzliche Optionen schaffen: Dachfonds, Beteiligungsfreibetrag und stärkere europäische Kapitalmärkte sind mögliche Hebel.
97 Finanzierungsrunden in sechs Monaten, dazu 472 Millionen Euro investiertes Risikokapital. Das EY Startup Investment Barometer zeigt: Das erste Halbjahr 2026 sah gut für die österreichische Startup-Finanzierung aus.
Die Frage ist aber: Woher kommt dieses Geld?
Große Summen kommen aus dem Ausland
An 61 der 97 Finanzierungsrunden waren österreichische Kapitalgeber:innen beteiligt. Bei 39 Finanzierungen kamen sogar ausschließlich Investor:innen mit Hauptsitz in Österreich zum Zug.
Beim investierten Volumen sieht die Verteilung allerdings ganz anders aus.
Nur rund 23 Millionen Euro – 5% der gesamten Finanzierungssumme – entfielen auf Runden mit ausschließlich österreichischen Investor:innen. Dagegen wurden 300 Millionen Euro beziehungsweise 64% des Gesamtvolumens in Runden investiert, an denen ausschließlich Kapitalgeber:innen mit Hauptsitz im Ausland beteiligt waren. Weitere 110 Millionen Euro entfielen auf gemischte Gruppen aus österreichischen und internationalen Investor:innen.
Kurzum: Die Zahlen zeigen deutlich, welche Bedeutung internationale Kapitalgeber:innen bei großen Finanzierungen haben.
Mit der Größe der Finanzierungsrunde steigt der Auslandsanteil
Bei Investments von bis zu einer Million Euro haben 74% der beteiligten Investor:innen ihren Hauptsitz in Österreich. Steigt die Finanzierungsrunde auf 1,1 bis 10 Millionen Euro, sinkt der Anteil der Investor:innen mit Hauptsitz in Österreich auf 36%. Bei Runden über 10 Millionen Euro sind es gerade noch 12,5%.
Ähnlich sieht es entlang der Entwicklungsphasen von Startups aus. Bei den von EY erfassten Seed-Runden hatten 61% der beteiligten Investor:innen ihren Sitz im Ausland. Bei Series-A-Finanzierungen waren es bereits 70%.
Unter den 26 beteiligten Investor:innen der zehn größten Finanzierungsrunden waren lediglich drei heimische Kapitalgeber:innen. Sieben der zehn größten Deals kamen ganz ohne Beteiligung österreichischer Investor:innen zustande. Wo lässt sich hier also ansetzen?
KI oder Nachhaltigkeit: Wohin fließt das Startup-Kapital?
KI spielt bei vielen Deals eine Rolle: Im ersten Halbjahr 2026 hatten rund 31% der Finanzierungsrunden einen KI-Schwerpunkt. Insgesamt flossen 93 Millionen Euro in diese Startups – rund ein Fünftel des gesamten Finanzierungsvolumens.
Bei Nachhaltigkeit konzentriert sich besonders viel Kapital auf vergleichsweise wenige Deals: Nur 14% der Finanzierungsrunden hatten einen Sustainability-Bezug. Diese Startups erhielten aber insgesamt 170 Millionen Euro, rund 36% des gesamten investierten Kapitals.
Hebel #1: Mehr institutionelles Kapital und eine stärkere Fondslandschaft
Eine zentrale Initiative für einen besseren Kapitalzugang ist der Startup- und Scaleup-Dachfonds. Das Modell sieht ein öffentliches Ankerinvestment vor, das Kapital institutioneller Investor:innen wie Versicherungen, Banken und Pensionskassen mobilisieren soll. Dieses Geld soll über Venture-Capital-Fonds wiederum in junge Wachstumsunternehmen fließen. In der Industriestrategie 2035 ist ein Start-up & Scaleup-Dachfonds mit öffentlichem Ankerinvestment und privatem Kapital vorgesehen. Der operative Start ist für Anfang 2027 vorgesehen.
Gerade dort, wo größere Finanzierungssummen gebraucht werden, nimmt der Anteil heimischer Investor:innen derzeit stark ab. Ein größerer österreichischer VC-Markt könnte diese Finanzierungsmöglichkeiten in der Wachstumsphase erweitern und zur Stärkung des Standorts beitragen.
Entscheidend ist dabei auch die heimische Fondslandschaft. Denn der Dachfonds investiert nicht direkt in einzelne Startups, sondern über VC-Fonds. International wettbewerbsfähige rechtliche Rahmenbedingungen könnten dazu beitragen, dass mehr solcher Fonds in Österreich angesiedelt werden und von hier aus Wachstumskapital investieren.
Hebel #2: Privates Geld für Unternehmen mobilisieren
Ein zweiter möglicher Hebel ist der Beteiligungsfreibetrag. Dahinter steht die Idee, private Investitionen in österreichische Unternehmen steuerlich attraktiver zu machen. Vorgeschlagen ist ein Freibetrag von bis zu 100.000 Euro pro Steuerpflichtigem für Eigenkapital- oder eigenkapitalähnliche Investitionen in Kapitalgesellschaften in Österreich. Der Betrag soll über fünf Jahre verteilt steuerlich geltend gemacht werden und dadurch die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer reduzieren. Wie hoch die tatsächliche Steuerersparnis ausfällt, hängt vom Einkommen und Steuersatz der Investor:innen ab.
Das Modell soll privaten Kapitalgeber:innen – etwa Business Angels – einen zusätzlichen Anreiz geben, in Unternehmen zu investieren und dabei unternehmerisches Risiko zu übernehmen. Gewinne, die später etwa durch den Verkauf der Beteiligung entstehen, wären weiterhin zu versteuern. Ziel ist also nicht, Investments steuerfrei zu stellen, sondern mehr privates Eigenkapital für Startups und andere Wachstumsunternehmen zu mobilisieren.
Hebel #3: Vertiefung der Kapitalmärkte
Gerade für Startups und Scale-ups, die international expandieren wollen, ist auch ein größerer und stärker integrierter europäischer Kapitalmarkt entscheidend. Noch unterscheiden sich Regeln, Marktstrukturen und Finanzierungsmöglichkeiten innerhalb der EU teils deutlich. Das kann grenzüberschreitende Investments erschweren und den Zugang zu größeren Risikokapitalrunden begrenzen.
Neben besser vernetzten Kapitalmärkten sollen auch einheitlichere rechtliche Rahmenbedingungen das Skalieren innerhalb Europas erleichtern. Mit der geplanten "EU Inc." beziehungsweise einem sogenannten 28. Regime soll dafür eine optionale europäische Unternehmensform geschaffen werden. Für österreichische Startups könnte das grenzüberschreitendes Wachstum vereinfachen und den Kreis potenzieller Investor:innen.
Die Wirtschaftskammer unterstützt Österreichs Startups
- Die Wirtschaftskammer bringt die Anliegen von Startups in politische Entscheidungsprozesse ein. Mit Clemens Schmidgruber, CEO von HELFERLINE und Mitglied des Bundesvorstands der Jungen Wirtschaft, ist die Startup-Interessenvertretung auch im neu bestellten BMWET Startup-Rat vertreten.
- Ergänzend zum jährlichen Austrian Startup Monitor bietet die Startup Landscape Austria aktuelle Daten zu österreichischen Startups, Investitionen und Entwicklungen im Startup-Ökosystem.
- Gründer:innen und Startups erhalten über die Gründerservices der Landeskammern persönliche Beratung zu Gründung, Finanzierung, Förderungen, Rechtsfragen und Wachstumsfragen.
Fazit: Der Rekord ist da - der nächste Schritt muss folgen
472 Millionen Euro Risikokapital und 97 Finanzierungsrunden sind ein starkes Signal für Österreichs Startup-Szene. Gleichzeitig zeigen die Zahlen: Je größer der Kapitalbedarf, desto wichtiger werden internationale Investor:innen.
Für Startups heißt das nicht, dass sie von Beginn an im Ausland nach Kapital suchen müssen. Wer aber größere Finanzierungsrunden und internationales Wachstum plant, sollte entsprechende internationale Investor:innen-Netzwerke früh mitdenken. Parallel dazu braucht es eine breitere Kapitalbasis. Instrumente wie Dachfonds und Beteiligungsfreibetrag sollen zusätzliches privates und institutionelles Kapital mobilisieren – nicht internationales Kapital ersetzen. Ziel ist, dass österreichische Kapitalgeber künftig auch bei größeren Wachstumsrunden häufiger mitgehen können.
Für Startups würde das vor allem eines bedeuten: mehr Auswahl bei der Finanzierung ihres nächsten Wachstumsschritts.