Hohe Energiepreise: Wirtschaft unter Druck

Heimische Betriebe leiden unter Standortnachteil.


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AutorIn: Peter Draxler

Mann arbeitet an Gasleitung i
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Die steigenden Strom- und Gaspreise lassen bei Österreichs Betrieben die Alarmglocken schrillen. Jeder fünfte Betrieb überlegt sogar, Produktionsaufträge ins Ausland zu verlagern.

Die Preise für Gas und Strom haben in den letzten Wochen Rekordhöhen erreicht. Mit einer raschen Besserung ist nicht zu rechnen: Der Ausblick bleibt bei Strom sehr hoch, bei Gas ist er nur leicht rückläufig. Für 83 % der österreichischen Betriebe ist der aktuelle Anstieg der Energiepreise problematisch bis sehr problematisch, wie jüngst eine Umfrage des Energieinstituts der Wirtschaft im Auftrag der WKÖ belegte.  

Demnach verzeichnet jeder zweite Betrieb im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 Kostensteigerungen bei Gas, bei rund 9 % der Betriebe haben sich die Gas-Kosten sogar zumindest verdoppelt. Für die Versorgung mit Strom geben 72 % Kostensteigerungen an, bei 22 % kam es zur Verdoppelung oder einem noch größeren Anstieg. Zusätzlich haben die Betriebe mit stark gestiegenen Rohstoffpreisen und verschärften Klimaschutz-Auflagen – Stichwort Greenflation – zu kämpfen.

Das wirkt sich natürlich auch auf den Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz aus: Gegenüber Mitbewerbern in Deutschland bewertet jeder zweite Betrieb die Situation als problematisch oder sogar sehr problematisch. Noch stärker wird der Standortnachteil gegenüber anderen EU-Staaten und auch außerhalb der EU beurteilt (58 %). Angesichts der aktuellen Entwicklungen sehen sich viele Betriebe gezwungen, den Rechenstift anzusetzen. Wie die Studie zeigt, prüft jeder fünfte Betrieb eine Produktionseinschränkung oder hat diese schon umgesetzt. Ebenfalls rund 20 % aller Betriebe -  in der engergieintensiven Industrie sogar über 40 % - prüfen oder planen die Verlagerung von Produktionsaufträgen an Standorte in anderen Staaten oder haben diese bereits umgesetzt.

Abhilfe schaffen könnte eine von über 80 % der Unternehmen herbeigesehnte vorübergehende Senkung energiebezogener Steuern und Abgaben. Dieser findet sich ebenso in einem unlängst präsentierten Forderungskatalog der Industrie wie eine baldige Umsetzung der von der Bundesregierung bereits angekündigten Strompreiskompensation im Rahmen des EU-Emissionshandels. Auch die Erhöhung der Vorausvergütung der Energieabgaben für Kohle, Öl, Erdgas und Strom wird von über 50 % der Befragten als eine mögliche Maßannahme für den Weg aus aktuellen Misere gesehen.