US-Zölle: "Haupt­problem ist die administrative Unsicherheit"

So wirken sich Donald Trumps neue Zölle auf heimische Unternehmen aus.


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3

Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Illustration, die Transportcontainer in diversen Nationalfarben zeigt, davor Absperrband mit der Aufschrift i
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Der US-Supreme Court hat die bisherigen von Donald Trump verhängten Zölle für illegal erklärt. Der US-Präsident reagiert darauf mit neuen globalen Zöllen in der Höhe von 10% – und einer angekündigten weiteren Erhöhung auf 15%. Die WKÖ-USA-Expert:innen Irene Lack Hageneder und Thomas Moschig erklären, was das für Österreichs Wirtschaft bedeutet.

Am Wochenende hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, die globalen Zölle für Importe in die USA von 10% auf 15% zu erhöhen. Was bedeuten diese neu angekündigten Zölle für die heimischen Unternehmen? Und auf welcher Basis könnten diese erlassen werden?
Irene Lack-Hageneder: Von der Höhe der zu leistenden Zölle her macht es für die Unternehmen gar nicht so einen großen Unterschied. Das Hauptproblem für die Unternehmen liegt in der Unsicherheit und im administrativen Aufwand. Man muss jetzt wieder umrechnen und ganz genau schauen, welche Zollhöhe ab welchem Datum für welche Lieferung gilt.

Thomas Moschig: Wir gehen davon aus, dass das "alte" Zollregime im Wesentlichen auf neuer Rechtsgrundlage aufgebaut wird. Das wurde bereits von der US-Regierung angekündigt. Die vom Supreme Court als rechtswidrig eingesetzten IEEPA-Zölle (International Economic Emergency Powers Act, Anm.) werden vermutlich durch Zoll-Instrumente ersetzt, die auf neuer Rechtsbasis fußen.

Was raten Sie den betroffenen Unternehmen?

Lack-Hageneder: Die österreichischen Firmen sind mittlerweile schon ein bisschen abgebrüht und haben sich an dieses chaotische Up and Down gewöhnt. Wir sehen einen großen Pragmatismus und raten den betroffenen Unternehmen auf jeden Fall, sich genau zu informieren.  Hier helfen wir sehr gerne weiter. Unsere AußenwirtschaftsCenter in den USA unterstützen bei konkreten Anfragen. Zusätzlich organisieren wir auch Webinare und andere Informationsveranstaltungen und bieten auf unserem Infopoint US-Zölle top aktuell alle Informationen über den aktuellen Stand mit allen Quellen. Also das ist der beste Rat, den wir den Firmen geben können. Bitte informieren Sie sich und wir helfen Ihnen so gut wie möglich.

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Für Donald Trump sind Zölle laut seiner eigenen Aussage auch ein Mittel, um Produktionsstätten aus dem Ausland in die USA zu holen. Ist er damit eigentlich erfolgreich?

Lack-Hageneder: Tatsächlich gibt es einige Firmen, die sagen, wir hätten ohnehin geplant, unsere Produktion in den USA auszuweiten, um dort für den US-Markt zu produzieren. Allerdings hat sich herausgestellt, dass die Kosten für diese Expansion in den USA durch die Zölle massiv gestiegen sind. Es müssen ja jetzt für alle Investitionsgüter, Maschinen und Anlagen Zölle gezahlt werden. Da geht es teilweise um riesige Investitionen.

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Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie mittel- bis langfristig für die heimischen Unternehmen?

Moschig: Langfristig gehen wir davon aus, dass bei den Grundstrukturen des US-Zollregimes geringe Änderungen für österreichische Firmen spürbar sein werden. Das haben Vertreter der US-Regierung bereits so verlautbaren lassen. Völlig unberührt vom aktuellen Supreme Court Urteilsspruch bleiben übrigens die Zölle, die auf anderen Rechtsgrundlagen wie für „Stahl- und Aluminiumderivate“ (Section 232) beruhen. Diese belasten österreichische Schlüsselbranchen wie Maschinenbauer am stärksten. Hier kommt es zu überproportional harten Zollbelastungen von 50% auf den Stahl- und Aluminiumanteil.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nach dem Supreme-Court-Urteil zu den bisherigen Trump-Zöllen kündigt die US-Regierung neue globale Zölle von 15 % auf US-Importe an.
  • Für heimische Betriebe ist weniger die Zollhöhe das Problem, sondern Unsicherheit, Umstellungsaufwand und die Frage, ab wann welcher Satz gilt.
  • Die rechtswidrig eingestuften IEEPA-Zölle dürften laut Einschätzung durch andere Zoll-Instrumente auf neuer Rechtsbasis ersetzt werden.
  • Die WKÖ unterstützt betroffene Unternehmen mit einem umfangreichen Service- und Informationsangebot – etwa durch Webinare oder Beratungen durch das AußenwirtschaftsCenter in Washington D.C.