So geht Promtech mit den Russland-Sanktionen um

Investitionen werden zurückgefahren oder auf Eis gelegt


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

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  • ExporteurInnen

Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: Jürgen Zacharias

PROMTECH-Baustelle im russischen Belgorod i
PROMTECH

Die heimische Promtech-Gruppe begleitet und realisiert als technischer Planer und "Rundum-Consulter" internationale Industrie- und Bauprojekte. In Russland ist das Geschäft durch die internationalen Sanktionen zuletzt deutlich schwieriger geworden, wie Geschäftsführer Vadim Barakov MARI€ erklärt.

"Man sollte sich gut informieren und nicht immer alles glauben, was in Medien und vor allem in den sozialen Netzwerken zu lesen ist", sagt Vadim Barakov. Wir erreichen den Geschäftsführer der Promtech-Gruppe in seinem Büro in Russland, wo der Projektconsulter aus Wien Landstraße in zwei Tochterunternehmen an 15 Standorten insgesamt 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Im Land sei die "Militäroperation" gegen die Ukraine natürlich das "Thema Nummer eins", so Barakov. Viele der in westlichen Medien thematisierten Maßnahmen und Sanktionen würden sich vor Ort aber ganz anders darstellen. "Ich habe gestern jedenfalls am Flughafen in Moskau in einem Lokal einer bekannten Fast-Food-Kette gegessen, die angeblich längst alle ihre Standorte in Russland geschlossen hat."

Das Wichtigste in fünf Sätzen

  • Promtech beschäftigt in Russland in zwei Tochterunternehmen insgesamt 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

  • Von den Sanktionen ist der Wiener Projektconsulter nicht direkt betroffen, die Investitionsbereitschaft internationaler Kunden sei laut Geschäftsführer Vadim Barakov aber deutlich zurückgegangen.

  • "Ein großes Projekt wurde bereits auf Eis gelegt, bei einem anderen Projekt hat ein österreichisches Unternehmen seine Beteiligung zurückgezogen."

  • In anderen Märkten sind die Rückgänge laut Barakov für Promtech kaum kompensierbar.

  • "Wir hoffen daher, dass sich die Lage beruhigt und wieder pragmatischer an die Situation herangegangen wird."

"Herr Barakov, die Europäische Union und die USA haben als Konsequenz des Ukraine-Kriegs schon vor Wochen massive Sanktionen gegen Russland verhängt und diese seitdem mehrmals verschärft. Wie wirken sich die Maßnahmen konkret auf Ihr Unternehmen aus?"

Vadim Barakov:
Wir sind von den Sanktionen zwar nicht direkt betroffen und können unserer Geschäftstätigkeit aktuell weiter nachgehen. Was wir spüren sind aber die Auswirkungen der Sanktionen und die dadurch ausgelöste tiefe Verunsicherung im Markt.

 

"Führt die Verunsicherung direkt zu weniger Investitionen?"

Geld ist bekanntlich sehr scheu und dort wo Unruhe herrscht, wird natürlich weniger investiert. Da wir in unseren Vorhaben oft sehr lange Vorprojektphasen und Vorlaufzeiten haben, macht sich das zwar aktuell noch nicht so massiv bemerkbar. Bei neuen Projekten mit internationaler Beteiligung wird aber bereits sehr gezögert, oder überhaupt erst gar nicht geplant.

So reagieren andere Unternehmen

"Hat sich die aktuelle Situation auch bereits direkt in Geschäftsausfällen bemerkbar gemacht?"

Erst vor ein paar Tagen wurde ein großes Projekt auf Eis gelegt und wie wir nun erfahren mussten, will ein österreichischer Kunde nicht mehr in ein vielversprechendes Projekt im Gesundheitsbereich hier in Russland einsteigen, für das wir gerade die Vorprojektphase abgeschlossen hatten. Es ist sehr schade, wenn eine österreichische Beteiligung am Projekt, mit viel Potenzial auf beiden Seiten, dann aus solchen Gründen scheitert.

 

"Wie soll es weiter gehen?"

Kein Mensch kann heute sagen, wie lange der Konflikt dauern wird und wie lange die Sanktionen anhalten werden. Prognosen dahingehend sind praktisch unmöglich und was heute als gesichert gilt, kann morgen schon durch neue Sanktionen wieder anders aussehen. Wir hoffen natürlich, dass sich die Lage beruhigt und wieder pragmatischer an die Situation herangegangen wird. Derzeit gibt es kein generelles Handelsverbot mit Russland und Belarus. Den Projektbetreibenden, sowie Unternehmen, die diese Märkte weiterhin bearbeiten wollen, empfehlen wir die Beschränkungen genauer zu studieren und nach Situation über weitere Geschäfte zu entscheiden. Sehr viele Branchen blieben bis dato von Sanktionen unberührt.

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"Wie sehen Sie die Zukunft von Promtech in Russland?"

Wir werden sicher nichts übers Knie brechen, und beobachten die Situation genau. Wir tun uns bei unseren Schritten aber definitiv leichter als ein Produktionsbetrieb, der vor Ort seine Maschinen und Fertigungshallen hat, die durch Kredite langfristig finanziert wurden und nicht einfach den Umfang seiner Geschäftstätigkeit zurückfahren oder in ein anderes Land gehen kann.

 

"Apropos anderes Land: Kann Ihr Unternehmen die Ausfälle in Russland auf anderen Märkten kompensieren?"

Möglicherweise ist ein kleiner Teil in anderen "GUS-Ländern" kompensierbar, aber nachdem wir auch ein Beratungsunternehmen sind, versuchen wir aktuell unseren Kunden vor allem mit erweitertem Leistungsspektrum und Know-how auch in anderen Bereichen nützlich zu sein. Unter dem Strich hoffen wir jedenfalls auf eine rasche Lösung des Konflikts und politische Unterstützung, um unsere gewohnte Geschäftstätigkeit hier aufrechterhalten zu können. Für viele österreichische und europäische Unternehmen ist Russland ein wichtiger Wirtschaftspartner und sie können es sich nicht leisten, diesen einfach zu verlieren.