Wirtschaftlicher Albtraum: Was ist Stagflation?

Steigende Inflation und fehlendes Wachstum können in eine Stagflation führen. Aber was bedeutet der Begriff genau?


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Weiterdenker:innen
  • Wirtschaftseinsteiger:innen

Lesedauer:

2 Minuten

AutorIn: Jürgen Zacharias

Mann reitet eine Schnecke, deren Schneckenhaus die EU-Flagge ziert i
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Der Folgen des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie treiben die Inflation und hemmen das Wirtschaftswachstum. Droht nun sogar eine Stagflation? Und was bedeutet das konkret?

Weltbank-Präsident David Malpass warnte kürzlich mit Blick auf die globale Wirtschaftslage eindrücklich vor einem "verlorenen Jahrzehnt" und einer Stagflation. Die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses ökonomischen Supergaus sei beträchtlich. Aber was ist Stagflation überhaupt? Und welche Faktoren machen das Szenario wahrscheinlich?

Die Definition: Was bedeutet Stagflation?

Stagflation ist ein Kunstwort aus "Stagnation" und "Inflation". Gemeint ist damit also das seltene Zusammenspiel von einem geringen oder gar keinem Wirtschaftswachstum (Stagnation) und rasch anziehenden Preisen (Inflation). Dazu kommt es, wenn die Menge an Gütern und Dienstleistungen, die produziert wird, nur gering oder gar nicht steigt und diese zugleich spürbar teurer werden.

Die Situation: Sind alle Voraussetzungen für eine Stagflation gegeben?

Getrieben von den steigenden Kosten für Treibstoffe, Energie und Nahrungsmittel sprang die Inflation im Juni 2022 auf 8,7 %. Von einer Stagnation ist aktuell hingegen nur wenig zu bemerken. Im ersten Quartal konnte die heimische Wirtschaft im Jahresvergleich um satte 9,5 Prozent zulegen. Seitdem hat sich der Ausblick allerdings eingetrübt. Die Nationalbank rechnet mittlerweile für das Gesamtjahr "nur" noch mit einem Wachstum von 3,8 Prozent. 

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Die Prognose: Droht tatsächlich eine Stagflation?

Könnten Österreich und die EU vor diesem Hintergrund in eine Stagflation schlittern? "Ja", sagt Claudia Huber, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der WKÖ. "Das Wirtschaftswachstum wird sich laut allen Prognosen weiter verlangsamen und könnte auf europäischer Ebene bereits im zweiten Quartal ganz zum Stillstand kommen. Dann wäre neben der Inflation auch der Punkt der Stagnation erfüllt."

Die Gegenmaßnahmen: Wie lässt sich Stagflation bekämpfen?

Viel wird davon abhängen, wie sich der Ukraine-Krieg weiterentwickelt.

Claudia Huber, Leiterin der Abteilung für Wirtschaftspolitik in der WKÖ

Aussitzen? Die Zinsen massiv erhöhen? Wie so oft gibt es keine einfache Lösung: Setzt die Geld- und Finanzpolitik Maßnahmen zum Ankurbeln des Wachstums wie Investitionen der öffentlichen Hand, verstärkt sie damit möglicherweise die Inflation.

Setzt sie den Hebel hingegen wie mit der Erhöhung des Leitzinses bei der Teuerung an, könnte das wiederum die Wirtschaft belasten. "Die Situation ist komplex", sagt Ökonomin Huber. "Viel wird davon abhängen, wie sich der Ukraine-Krieg weiterentwickelt."

Das Fazit: Wie geht es nun weiter?

  • Bei Stagflation handelt es sich um die seltene Kombination von steigenden Preisen und keinem oder nur sehr geringem Wirtschaftswachstum.

  • Die Inflation in Österreich lag im Juni bei 8,7 %, von einer Stagnation kann in hierzulande aber noch keine Rede sein.

  • Auf europäischer Ebene ist die Situation aber eine andere und könnte das Schreckensszenario Stagflation tatsächlich Realität werden lassen. Mit fatalen Folgen für Unternehmen und Gesellschaft:
    • Höhere Arbeitslosigkeit,
    • Kaufkraftverlust,
    • weiter ansteigende Preise und
    • versiegende Kapital- und Warenströme.