Eine Hochrechnung zeigt: Besonders hoch ist der Aufwand in Wien, Oberösterreich und Niederösterreich sowie in Gewerbe und Handwerk, Handel und Information und Consulting. Stark betroffen gemessen am Umsatz sind Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie Information und Consulting.
Ob Werkstatt, Hotel, Handelsbetrieb oder IT-Büro: Österreichs Unternehmen verlieren jedes Jahr enorme Ressourcen an Bürokratie. Eine neue Hochrechnung von KMU Forschung Austria beziffert den Aufwand der gewerblichen Wirtschaft mit 21,1 Milliarden Euro und 320 Millionen Arbeitsstunden (ohne Banken und Versicherungen). Das entspricht rund 195.000 Vollzeitäquivalenten – also einer gewaltigen Zahl an Arbeitskräften, die rechnerisch nur damit beschäftigt wären, Formulare auszufüllen, Nachweise zu erbringen, Dokumentationen zu erstellen oder Meldepflichten zu erfüllen.
Weniger Papierkram, mehr Luft für Betriebe
Von aufwendigen Nachweispflichten bis zu Verfahren, die mehr Zeit kosten als sie bringen: Die Wirtschaftskammer zeigt auf buerokratie-kostet.at konkrete Bürokratie-Beispiele aus Österreich – und sagt, was jetzt passieren muss.
Denn: Unnötige Meldeverpflichten, Gold Plating, komplexe Verfahren sowie mehrfache Datenmeldungen haben einen hohen Preis für Österreichs Unternehmer:innen.
Wo Bürokratie überall zum Problem wird
- Schwerarbeit: Doppelt gemeldet, doppelt sinnlos
- Arbeit und Entgelt: Alles schon bekannt
- Lohntransparenz: Ja zu Zielen. Nein zu Gold Plating.
- Umsatzsteuer: Wenn Wachstum zur Strafe wird
- Bilanz: Starre Fristen bei der Buchhaltung
- Lebensmittel: Spenden mit Meldepflicht
- Bodenaushub: Gute Erde, schlechte Erde?
- Mehrwegquote: Überangebot = Verschwendung
- Abfallkonzept: Kann weg
- Sicher Arbeiten: Weniger Sitzungen. Mehr Schutz
- Komplett digitales Gründen: Alles auf einer Plattform
Das ist mehr als eine trockene Statistik. Denn jede Stunde, die in Papierkram fließt, fehlt im Kerngeschäft: für Kund:innen, Innovation, Ausbildung, Investitionen oder neue Angebote. Gerade in einer wirtschaftlich angespannten Lage wird Bürokratie damit vom lästigen Nebenthema zu einer echten Wachstumsbremse.
195.000 Vollzeitäquivalente nur für Bürokratie
Es ist selten die einzelne Maßnahme, die Ärger verursacht. Bürokratie gehört zu einem funktionierenden Staat dazu. Regeln schaffen Ordnung, Transparenz und Rechtssicherheit. Problematisch wird es, wenn der Aufwand aus dem Ruder läuft. Genau das legen die neuen Zahlen nahe. Hinter den 21,1 Milliarden Euro stehen nicht nur unternehmensinterne, sondern auch unternehmensexterne Kosten. Die Studie verwendet dabei einen weiten Bürokratie-Begriff, der den Gesamtaufwand für die Erfüllung von Vorgaben erfasst – in 17 Kategorien, von A wie Arbeitsrecht bis Z wie Zertifizierungen.
Nicht alles davon lässt sich einfach abschaffen. Aber: Wäre der Bürokratie-Aufwand um 10% geringer, würde das die Betriebe um Kosten in Milliardenhöhe entlasten.
Vor allem aber steht dahinter auch gebundene Arbeitszeit. 320 Millionen Stunden gehen jedes Jahr für Bürokratie drauf. Das ist Zeit, in der Betriebe nicht verkaufen, nicht entwickeln, nicht ausbilden und nicht wachsen. Für viele Unternehmen ist genau das der entscheidende Punkt: Bürokratie kostet nicht nur Geld, sondern auch Tempo.
Wo Österreichs Betriebe besonders stark belastet sind
Die Hochrechnung zeigt, wo der Aufwand besonders groß ist – nach Bundesländern und nach Sparten. In Wien verursacht die Bürokratie rund 6,1 Milliarden Euro Kosten, in Oberösterreich 3,7 Milliarden Euro und in Niederösterreich 3 Milliarden Euro.
Bürokratie ist kein Problem einzelner Branchen. Sie ist ein flächendeckender Kostenblock, der den gesamten Standort belastet. Vom urbanen Dienstleistungsbetrieb bis zum regional verankerten Produktionsunternehmen ist der Aufwand spürbar.
Spannende Updates für dich
Mit der MARI€ MAIL erhältst du unsere wichtigsten Infos direkt in deine Mailbox.
Jetzt zum Newsletter anmelden!
Manche Sparten zahlen besonders viel
Gewerbe und Handwerk tragen mit rund 5,9 Milliarden Euro die höchsten absoluten Bürokratiekosten, dicht gefolgt vom Handel mit 5,7 Milliarden Euro. Dahinter liegt Information und Consulting mit 4,3 Milliarden Euro. Bürokratie trifft Bereiche, in denen täglich Wertschöpfung entsteht.
Gemessen am Umsatz fällt der Aufwand vor allem im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft ins Gewicht: Dort machen die Bürokratiekosten 5,8% des Umsatzes aus. In Information und Consulting sind es 5,6%. Gemessen an der Bruttowertschöpfung ist die Belastung hier ebenfalls besonders hoch.
Für ein Hotel, einen Beratungsbetrieb oder ein kleines digitales Unternehmen gehen dadurch wichtige Spielräume verloren – für Investitionen, Personal oder neue Angebote.
Das Wichtigste in Kürze
- Österreichs gewerbliche Wirtschaft verliert durch Bürokratie jedes Jahr 21,1 Milliarden Euro und 320 Millionen Arbeitsstunden. Das entspricht rund 195.000 Vollzeitäquivalenten.
- Besonders hoch ist der Aufwand in Wien, Oberösterreich und Niederösterreich sowie in den Sparten Gewerbe und Handwerk, Handel sowie Information und Consulting.
- Besonders stark belastet sind gemessen am Umsatz Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie Information und Consulting.
- Bürokratie kostet Betriebe nicht nur Geld, sondern auch Zeit für Kund:innen, Innovation, Ausbildung und Investitionen.
- Damit wird Bürokratie zunehmend zur Wachstumsbremse für Österreichs Unternehmen.
