Lehre oder doch weiter Schule? Warum der Sommer bei der Entscheidung hilft

Jetzt zählen Schnuppern und gute Beratung. 


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Weiterdenker:innen
  • Schüler:innen

Lesedauer:

4

Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Fachkraft mit Schutzbrille arbeitet an Rohrleitungen in einem Technikraum. i
WS Studio 1985 | stock.adobe.com

Viele Jugendliche entscheiden erst spät, wie es nach der Schule weitergeht. Der Sommer ist ideal, um Lehrberufe auszuprobieren und Fragen zu klären. 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Viele Jugendliche treffen ihre Bildungsentscheidung erst relativ kurzfristig – oft innerhalb eines Jahres oder sogar innerhalb weniger Monate. 
  • Der Sommer ist eine gute Zeit, um Berufe nicht nur zu recherchieren, sondern im Betrieb wirklich kennenzulernen. 
  • Persönliches Interesse, Begabung, eigenes Einkommen und praktisches Lernen zählen zu den wichtigsten Motiven für eine Lehre. 
  • Eltern spielen bei der Entscheidung eine große Rolle und brauchen gute, aktuelle Informationen über moderne Lehrberufe. 
  • Betriebe können jetzt sichtbar werden, indem sie Schnuppertage, ehrliche Einblicke und Gespräche mit Lehrlingen ermöglichen.

Bildungsentscheidung nach der Schule: Warum der Sommer wichtig ist

Das Zeugnis ist abgeholt, die Ferien beginnen. Für viele Jugendliche heißt das: ausschlafen, abschalten, Sommer. Für viele kommt aber auch eine Frage näher, die sich nicht einfach wegpacken lässt: Wie geht es nach der Schule weiter? 

Gerade in der 8. und 9. Schulstufe wird diese Frage konkret. Rund 170.000 Schüler:innen in Österreich stehen vor einer Bildungsentscheidung. Weiter Schule? Lehre? Schnuppern? Noch einmal neu nachdenken? 

Was dabei oft unterschätzt wird: Solche Entscheidungen fallen selten lange im Voraus. Die aktuelle Lehrlingsumfrage zeigt, dass sich mehr als die Hälfte der befragten Lehrlinge innerhalb eines Jahres oder sogar erst innerhalb eines halben Jahres für ihre Ausbildung entschieden hat.

Der Sommer ist damit mehr als eine Pause. Er ist für viele eine gute Gelegenheit, Berufe wirklich kennenzulernen. 

Entscheidung für eine Lehrlingsausbildung

Lehre oder weiterführende Schule: Was Jugendliche bewegt 

Warum entscheiden sich junge Menschen für eine Lehre? Die Antworten sind ziemlich lebensnah: persönliches Interesse oder Begabung für ein Berufsfeld, der Wunsch nach eigenem Einkommen und schulbezogene Gründe zählen zu den wichtigsten Motiven. 

Oft ist es eine Entscheidung für mehr Praxis. Mehr Alltag. Mehr sehen, wofür man etwas macht.

Schnuppern im Betrieb zeigt, welcher Lehrberuf passt

Ein Schnuppertag kann dabei mehr auslösen als jede Broschüre. Plötzlich ist ein Beruf nicht mehr nur ein Name. Man sieht den Betrieb, hört die Gespräche, erkennt den Rhythmus, bekommt Aufgaben, stellt Fragen. Spürt, was vielleicht nicht so passt - auch das ist wertvoll. 

Berufsentscheidungen passieren nicht im luftleeren Raum. Knapp 60% der Jugendlichen sagen, dass ihr familiäres Umfeld bei der Bildungsentscheidung wesentlich war. 

Warum Eltern bei der Berufswahl eine wichtige Rolle spielen

Das ist eine große Chance – und eine Verantwortung. Eltern kennen ihre Kinder gut. Sie sehen, wo jemand aufblüht, was leichtfällt, was Kraft kostet. Gleichzeitig haben viele Erwachsene noch Berufsbilder im Kopf, die aus einer anderen Arbeitswelt stammen. 

Deshalb hilft es, nicht nur zu fragen: Was willst du werden? Besser sind Fragen wie: Was machst du gern?, Wo vergisst du die Zeit?, Was möchtest du ausprobieren?, Bei welchem Beruf würdest du gern einmal einen Tag mitgehen?

So wird die Entscheidung offener. Und moderner. 

Was Betriebe jetzt tun können 

Für Betriebe ist diese Zeit ein guter Moment, sichtbar zu werden. Nicht mit Hochglanzsätzen, sondern mit echten Einblicken. Hilfreich ist, wenn Jugendliche erfahren: Welche Aufgaben gibt es im ersten Lehrjahr? Wie schaut ein typischer Tag aus? Wer begleitet mich? Was verdiene ich? Welche Möglichkeiten habe ich nach der Lehrabschlussprüfung? 

Am glaubwürdigsten erzählen das oft die eigenen Lehrlinge. Sie wissen, welche Fragen man am Anfang hat. Und sie können zeigen, wie sich eine Lehre wirklich anfühlt. Dass viele Jugendliche mit ihrer Entscheidung zufrieden sind, zeigt die Umfrage deutlich: 89% der befragten Lehrlinge sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Das ist ein starkes Signal. Aber es entsteht nicht von selbst. Es braucht Information, Ausprobieren und Betriebe, die zeigen, was sie bieten. 

Denn: Gute Berufsentscheidungen entstehen nicht an einem Nachmittag. Aber der Sommer kann der Moment sein, in dem aus einer vagen Idee der konkrete nächste Schritt wird.