Österreichs Unternehmen ächzen seit Jahren unter hohen Lohnnebenkosten. Jetzt hat die Bundesregierung eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 angekündigt – ein wichtiges Signal für mehr Wettbewerbsfähigkeit, bessere Rahmenbedingungen und sichere Arbeitsplätze.
Das Wichtigste in Kürze:
- Österreich zählt bei den Lohnnebenkosten weiterhin zu den teuersten Standorten in der EU.
- Die Bundesregierung hat eine Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt ab 2028 angekündigt.
- Modellrechnungen zeigen, dass bereits ein Prozentpunkt weniger bis zu 10.000 bis 12.000 zusätzliche Jobs ermöglichen kann.
- Eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten hat laut EcoAustria eine Reihe positiver Effekte und führt langfristig zu mehr Beschäftigung, mehr Kaufkraft, mehr Investitionen und damit letztlich mehr Wirtschaftsleistung.
- Für die heimischen Unternehmen ist die Senkung der Lohnnebenkosten ein wichtiger Schritt, es gibt aber noch weitere offene Standortfragen.
Warum Lohnnebenkosten ein Standortthema sind
Lohnnebenkosten sind jene Kosten, die zusätzlich zum Bruttolohn anfallen. Dazu zählen vor allem Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, aber auch weitere lohnbezogene Kosten.
Für Unternehmen zählt am Ende nicht nur der Bruttolohn, sondern die gesamten Arbeitskosten. Genau hier liegt Österreich im EU-Vergleich weit oben. Lohnnebenkosten machen in Österreich rund 27% der Arbeitskosten aus. Das ist der fünfthöchste Wert in der EU, gemessen am Bruttolohn sind es derzeit sogar 29,6%.
Was heißt das konkret? Wird Arbeit teurer, werden Neueinstellungen schwieriger. Investitionen werden vorsichtiger geplant. Und im internationalen Wettbewerb wird der Standort weniger attraktiv.
Was die angekündigte Senkung ändert?
Die angekündigte Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 ist ein relevanter Schritt und ein starkes Signal für den Standort Österreich. Denn niedrigere Lohnnebenkosten entlasten Betriebe, verbessern die Rahmenbedingungen und können helfen, Arbeitsplätze zu sichern. Nicht zuletzt deswegen zählt die Senkung seit langem zu den zentralen Forderungen der Wirtschaft in Österreich. Schon ein Prozentpunkt weniger hat spürbare Effekte und kann bis zu 10.000 bis 12.000 zusätzliche Jobs ermöglichen.
VIDEO: Die Wahrheit über Lohnnebenkosten in Österreich
Was zeigt die Modellrechnung?
Die Modellrechnung von EcoAustria "Die Effekte einer Lohnnebenkostensenkung und finanziellen Entlastung" bringt die Effekte einer Lohnnebenkostensenkung auf den Punkt. Dort wird eine stärkere Entlastung im Ausmaß von 1,4% des BIP betrachtet (das entspricht der Streichung des gesamten Arbeitgeberbeitrags zum FLAF, der in dieser Rechnung dann zur Gänze aus dem Budget bezahlt werden würde). Die zentralen langfristigen Effekte:
- rund 5 Milliarden Euro mehr Wirtschaftsleistung,
- rund 1% mehr Beschäftigung,
- rund 40.000 zusätzliche Arbeitsplätze,
- rund 1,4% höhere Exporte.
Die Logik dahinter: Wenn Beschäftigung, Gewinne und Konsum steigen, fließt auch wieder mehr Geld an den Staat zurück. Eine Senkung finanziert sich daher zu einem beträchtlichen Teil selbst. Für den verbleibenden Teil braucht es aber klare Prioritäten und effiziente Gegenfinanzierung.
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Was heißt das für Unternehmen konkret?
Für Betriebe bringt die angekündigte Senkung vor allem eines: mehr Spielraum. Ein Prozentpunkt weniger löst nicht alle Kostenprobleme. Aber er kann helfen, Beschäftigung leistbarer zu machen.
Für Unternehmer:innen heißt das konkret:
- Neueinstellungen können leichter kalkulierbar werden.
- Der Kostendruck auf bestehende Arbeitsplätze sinkt.
- Investitionen in Wachstum werden attraktiver.
- Österreich wird im Standortvergleich ein Stück wettbewerbsfähiger.
Gerade für KMU zählt jeder Prozentpunkt. Denn viele Betriebe stehen gleichzeitig unter Druck: hohe Personalkosten, schwache Konjunktur, steigende Finanzierungskosten und internationale Konkurrenz.
Einordnung aus WKÖ-Perspektive
Die WKÖ als Interessenvertretung der gewerblichen Wirtschaft begrüßt die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten ausdrücklich. Sie sieht darin einen wichtigen und richtigen Schritt für den Wirtschaftsstandort Österreich. Mit ihrer Beitragssenkung von 100 Millionen Euro trägt die Wirtschaftskammer zudem aktiv zur Entlastung der heimischen Betriebe bei. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass weitere Standortfragen offen bleiben.
Kritisch zu sehen sei etwa die Verlängerung der Bankenabgabe. Hier brauche es einen klaren und verbindlichen Pfad für eine schrittweise Reduktion, damit Unternehmen und Finanzwirtschaft Planungssicherheit haben. Auch die geplante degressive Gestaltung der Körperschaftsteuer sieht die WKÖ differenziert, weil steigende Gewinne nicht automatisch zu einer zusätzlichen Belastung erfolgreicher Unternehmen führen sollten.
Was Unternehmen jetzt tun können
Die Senkung kommt laut Ankündigung ab 2028. Für Unternehmen ist sie daher vor allem ein Signal für die mittelfristige Planung.
Sinnvoll ist jetzt:
- Personalkosten für die kommenden Jahre realistisch durchrechnen.
- Geplante Neueinstellungen mit verschiedenen Kostenszenarien kalkulieren.
- Investitionsentscheidungen nicht nur nach aktueller Belastung, sondern auch nach erwarteter Entlastung bewerten.
- Standort- und Wettbewerbsfragen im Blick behalten.
Die Richtung stimmt: Weniger Lohnnebenkosten machen Arbeit leistbarer. Für Betriebe, Beschäftigte und den Standort Österreich ist das ein wichtiger Hebel.
