Österreichs Unternehmen ächzen seit Jahren unter hohen Lohnnebenkosten. Die Wirtschaftskammer hat eine Senkung um einen Prozentpunkt ab 2028 durchgesetzt – das bedeutet eine Entlastung von rund 2 Mrd. Euro für Österreichs Betriebe. Wir haben nachgerechnet, wie sich das konkret auswirkt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Bundesregierung hat eine Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt ab 2028 fixiert.
- Voraus ging dem eine jahrelange Forderung der Wirtschaftskammer
- Konkret reduziert sich der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von 3,7 Prozent der Bruttolöhne auf 2,7 Prozent.
- Modellrechnungen zeigen, dass bereits ein Prozentpunkt weniger bis zu 10.000 bis 12.000 zusätzliche Jobs ermöglichen kann.
- Für die heimischen Unternehmen ist die Senkung der Lohnnebenkosten ein wichtiger Schritt, der Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit sichert.
- Berechnungen je Unternehmenstypen zeigen, dass sich daraus Einsparungen von 1.090 Euro (Kleinbetrieb) bis 500.000 Euro (Industriebetrieb) pro Jahr ergeben.
Was die angekündigte Senkung ändert?
Die Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt ab 2028 ist ein relevanter Schritt und ein starkes Signal für den Standort Österreich. Denn niedrigere Lohnnebenkosten entlasten Betriebe, verbessern die Rahmenbedingungen und können helfen, Arbeitsplätze zu sichern. Nicht zuletzt deswegen zählt die Senkung seit langem zu den zentralen Forderungen der Wirtschaft in Österreich.
Und sie ist auch eine langjährige Forderung der Wirtschaftskammer.
Schon ein Prozentpunkt weniger (in diesem Fall konkret die Senkung des FLAF-Beitrags von 3,7% auf 2,7%) hat laut EcoAustria spürbare Effekte, kommt bei jedem der rund 250.000 österreichischen Arbeitgeberbetriebe an und kann bis zu 10.000 bis 12.000 zusätzliche Jobs ermöglichen.
Was das für den Wirtschaftsstandort heißt
Ab 2028 sollen Unternehmen durch die Maßnahme jährlich um rund 2 Milliarden Euro entlastet werden. Damit fällt die Senkung deutlich stärker aus als frühere Reduktionsschritte.
Und davon profitieren nicht nur die Betriebe selbst, sondern auch Arbeitnehmer:innen und der Wirtschaftsstandort Österreich insgesamt.
Die zentralen langfristigen Effekte:
- Höhere Kaufkraft: Mehr Beschäftigung wirkt sich auch auf den Konsum aus. Mehr Menschen in Beschäftigung = mehr Möglichkeiten für Ausgaben. Gleichzeitig verbessert sich der Spielraum für Lohn- und Gehaltserhöhungen – und damit das, was Arbeitnehmer:innen am Ende tatsächlich im Börsel haben.
- Mehr Wettbewerbsfähigkeit: Nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hat die hohe Inflation in Österreich zu überdurchschnittlichen Lohnsteigerungen im internationalen Vergleich geführt. Das hat die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen spürbar belastet. Sinkende Lohnnebenkosten können hier gegensteuern: Sie reduzieren die Lohnstückkosten und stärken damit den Standort Österreich. Besonders wichtig ist das für die Exportwirtschaft, an der direkt und indirekt rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze hängen.
- Sicherung der Beschäftigung: die oben erwähnten zusätzlichen 10.000 bis 12.000 Jobs für den Wirtschaftsstandort Österreich.
- Entlastung des Faktors Arbeit: Bei der Belastung des Faktors Arbeit liegt Österreich mit 47,1% von 38 OECD-Ländern an 4. Stelle. Das heißt, von 1 Euro an Arbeitskosten bleiben den Arbeitnehmer:innen netto nur 53 Cent (Anmerkung: Wie der Vergleich ausfällt, wenn man sich "nur" die Lohnnebenkosten genauer anschaut, siehst du weiter unten)
Was das konkret für Unternehmen bedeutet
Für Betriebe bringt die angekündigte Senkung vor allem eines: mehr Spielraum. Ein Prozentpunkt weniger löst nicht alle Kostenprobleme. Aber er kann helfen, Beschäftigung leistbarer zu machen.
Zudem haben wir berechnet, was sich Unternehmen unterschiedlichster Größe sparen.
- Zum Beispiel "Kleinbetrieb mit 3 Mitarbeiter:innen": Mit einer Ersparnis in ähnlicher Höhe können österreichweit fast 120.000 Unternehmen rechnen – so viele Betriebe mit 1-9 Mitarbeitenden gibt es in der gewerblichen Wirtschaft.
- Zum Beispiel "Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeiter:innen": Eine mindestens ebenso hohe Ersparnis können sich österreichweit rund 12.300 Unternehmen erwarten – so viele Betriebe mit 10 oder mehr unselbständig Beschäftigten gibt es im österreichischen Gewerbe und Handwerk.
- Zum Beispiel "Handelsbetrieb mit 100 Mitarbeiter:innen": Von einer ähnlich hohen Entlastung profitieren 556 Unternehmen – so viele Handelsbetriebe mit 100 oder mehr unselbständig Beschäftigten gibt es in Österreich.
- Zum Beispiel "Industriebetrieb mit 1.000 Mitarbeiter:innen": Von einer Ersparnis in ähnlicher Höhe profitieren österreichweit 71 Unternehmen – so viele Industriebetriebe mit 1.000 oder mehr unselbständig Beschäftigten gibt es in Österreich.
Für Unternehmer:innen heißt das also:
- Neueinstellungen können leichter kalkulierbar werden.
- Der Kostendruck auf bestehende Arbeitsplätze sinkt.
- Investitionen in Wachstum werden attraktiver.
- Österreich wird im Standortvergleich ein Stück wettbewerbsfähiger.
Gerade für KMU zählt jeder Prozentpunkt. Denn viele Betriebe stehen gleichzeitig unter Druck: hohe Personalkosten, schwache Konjunktur, steigende Finanzierungskosten und internationale Konkurrenz.
VIDEO: Die Wahrheit über Lohnnebenkosten in Österreich
Warum Lohnnebenkosten ein Standortthema sind
Lohnnebenkosten sind jene Kosten, die zusätzlich zum Bruttolohn anfallen. Dazu zählen vor allem Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, aber auch weitere lohnbezogene Kosten.
Für Unternehmen zählt am Ende nicht nur der Bruttolohn, sondern die gesamten Arbeitskosten. Genau hier liegt Österreich im EU-Vergleich weit oben. Lohnnebenkosten machen in Österreich rund 27% der Arbeitskosten aus. Das ist der fünfthöchste Wert in der EU, gemessen am Bruttolohn sind es derzeit sogar 29,6%.
Einordnung aus WKÖ-Perspektive
Die WKÖ als Interessenvertretung der gewerblichen Wirtschaft begrüßt die Senkung der Lohnnebenkosten ausdrücklich. Die Maßnahme bringt den Unternehmen wie bereits erwähnt jährlich rund 2 Milliarden Euro Entlastung und stellt damit eine deutlich größere Senkung als sämtliche Reduktionsschritte bei den Lohnnebenkosten in der Vergangenheit dar.
Die Wirtschaftskammer sieht darin einen wichtigen und richtigen Schritt für den Wirtschaftsstandort Österreich. Mit ihrer Beitragssenkung von 100 Millionen Euro trägt sie zudem aktiv zur Entlastung der heimischen Betriebe bei.
Fazit: Was Unternehmen jetzt tun können
Für Unternehmen ist die Senkung vor allem ein Signal für die mittelfristige Planung.
Sinnvoll ist jetzt:
- Personalkosten für die kommenden Jahre realistisch durchrechnen.
- Geplante Neueinstellungen mit verschiedenen Kostenszenarien kalkulieren.
- Investitionsentscheidungen nicht nur nach aktueller Belastung, sondern auch nach erwarteter Entlastung bewerten.
- Standort- und Wettbewerbsfragen im Blick behalten.
Die Richtung stimmt: Weniger Lohnnebenkosten machen Arbeit leistbarer. Für Betriebe, Beschäftigte und den Standort Österreich ist das ein wichtiger Hebel.