Von einer Öffnung an der Schule profitieren beide Seiten

Für Quereinsteiger:innen in den Lehrberuf müssen die Bedingungen attraktiv gestaltet werden, findet Bildungsexpertin Melina Schneider.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Ausbildende
  • Problemlöser:innen

Lesedauer:

2 Minuten

KolumnistIn: Melina Schneider

Melina Schneider, Leiterin der Abteilung Bildungspolitik in der WKÖ i
WKÖ/Nadine Studeny

Melina Schneider

Expert:innen aus Wirtschaft, Kunst und Kultur sind eine optimale Ergänzung und Bereicherung - wir brauchen die besten Köpfe als Lehrkräfte und die entsprechend angemessene Wertschätzung für diesen Beruf.

Angesichts des Mangels an Pädagog:innen und unserer demografischen Entwicklung braucht es generell neue und alternative Zugänge. Personen mit entsprechender Vorbildung und Erfahrung sollen daher in den Beruf des Lehrers bzw. der Lehrerin "quereinsteigen" können – bei voller Anrechnung von Vordienstzeiten hinsichtlich der Gehaltseinstufung. Wir als Wirtschaft verstehen uns als Partner in diesem Thema.

Erste Erfolge für Lehrkräfte-Offensive

Wirtschaft und Schule können beide voneinander profitieren – die top motivierten Arbeitskräfte stehen bereit, sich im Unterricht mit ihrem Wissen einzubringen. Die Politik ist nun gefragt, dafür den Weg zu ebnen. Mit "Klasse Job" startete das Bildungsministerium dazu bereits eine Lehrkräfte-Offensive, die bei den Vollzeit-Quereinsteiger:innen erste Früchte zu tragen scheint.



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WKÖ/DMC

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Unterricht praxisnah und arbeitsmarktrelevant gestalten

In den berufsbildenden höheren Schulen – insbesondere in den HTLs – bewährt sich die Verbindung zwischen Praxis und Pädagog:innen schon seit Jahrzehnten. Die Expert:innen aus der Wirtschaft sind nicht Vollzeitlehrkraft, sondern geben ihr Fachwissen in spezifischen Praxisfächern als nebenberufliche Ergänzung an Schüler:innen weiter. Dies stellt für beide Seiten – Wirtschaft wie Bildungssystem - eine klassische Win-win-Situation dar. Nur durch den Austausch zwischen den beiden Welten und das Einbringen von praktischer Erfahrung in den Unterricht gelingt es, praxisnah und arbeitsmarktrelevant zu unterrichten.

Derzeit bestehen noch sehr hohe Hürden betreffend die verpflichtenden pädagogischen Ausbildungsinhalte, die neben dem eigentlichen Hauptberuf absolviert werden müssen. Hier muss seitens des Bildungsministeriums noch nachgebessert werden.

Melina Schneider, Leiterin der Abteilung für Bildungpolitik in der WKÖ

Hohe Hürden für "Praxislehrer:innen"

Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Rahmenbedingungen für die "Praxislehrer:innen" so gestaltet sind, dass es attraktiv bleibt, die Lehrtätigkeit auszuführen. Derzeit bestehen noch sehr hohe Hürden betreffend die verpflichtenden pädagogischen Ausbildungsinhalte, die neben dem eigentlichen Hauptberuf absolviert werden müssen. Zusätzlich gibt es aktuell einen fünfprozentigen Abschlag auf das Entgelt für Quereinsteiger:innen. Hier muss seitens des Bildungsministeriums noch nachgebessert werden.

Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen nötig

Generell braucht es gute Rahmenbedingungen für alle Lehrkräfte an den Schulen und eine entsprechende gesellschaftliche Wertschätzung, um das Berufsbild der Lehrkraft attraktiv zu halten. Dazu gehört etwa:

  • ein zeitgemäßes Lehrkräftedienstrecht mit starker Akzentuierung des Leistungsprinzips auch im Gehaltsbereich,
  • ein (weiterer) Ausbau der Personalautonomie für die Schulleitungen und
  • attraktivere Weiterbildungsmöglichkeiten für die Lehrkräfte.

Ein modernes Lehrerinnen- und Lehrerverständnis benötigt darüber hinaus auch bessere Arbeitsbedingungen für jede einzelne Lehrkraft, in der adäquate und wertschätzende Arbeitsplätze, Geräte (Laptops) und Unterrichtsmittel sowie Unterstützungspersonal eine Selbstverständlichkeit darstellen. 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Quereinsteiger:innen aus der Wirtschaft können helfen, den Unterricht an den heimischen Schulen praxisnah und arbeitsmarktrelevant zu gestalten.
  • Mit der Lehrkräfte-Offensive "Klasse Job" geht das Bildungsministerium bereits in die richtige Richtung.
  • Aktuell gibt es allerdings noch hohe Hürden für "Praxislehrer:innen" an den berufsbildenden höheren Schulen.
  • Deswegen braucht es noch Nachbesserungen durch die heimische Politik.
  • So braucht es unter anderem bessere Arbeitsbedingungen und mehr Wertschätzung für die Lehrkräfte.